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24.02.2016

17:59 Uhr

Steuerdeal mit Google

Britische Behörde laut Ausschuss zu milde

Zahlreihe Großkonzerne stehen wegen Steuertricks in der Kritik. Google hat sich mit Großbritannien auf eine Nachzahlung geeinigt. Die fällt laut Rechnungsprüfungs-Ausschuss aber nicht hoch genug aus.

Vor einigen Tagen hatte Google mitgeteilt, vor zwei Jahren rund elf Milliarden Euro aus Europa geschleust zu haben. AFP; Files; Francois Guillot

Legale schlupflöcher

Vor einigen Tagen hatte Google mitgeteilt, vor zwei Jahren rund elf Milliarden Euro aus Europa geschleust zu haben.

LondonIn Großbritannien wird die Kritik am Steuer-Deal der Behörden mit Google lauter. Der Rechnungsprüfungs-Ausschuss erklärte am Mittwoch, mit den ausgehandelten 130 Millionen Pfund (165 Millionen Euro) komme der US-Internetriese wohlmöglich zu billig davon. Großbritannien greife im Kampf gegen Steuerhinterziehung bei Konzernen nicht hart genug durch. Google hatte sich im Januar mit der Finanzbehörde HMRC auf die Nachzahlung für die Jahre 2005 bis 2015 geeinigt. Damit zahlt der Konzern insgesamt 180 Millionen Pfund Steuern in dem Zeitraum, in dem sich der Umsatz auf 24 Milliarden Pfund summierte.

Die Behörde nannte den Deal am Mittwoch erneut gesetzeskonform. Google erklärte, sich an alle Steuerregeln gehalten zu haben und das zu zahlen, was mit der Behörde vereinbart worden sei.

Googles wichtigste Geschäfte

Vielzahl an Produkten

Google Suche, Gmail, Google Maps, der Online-Speicher Google Drive, das Smartphone-Betriebssystem Android mit dem App-Store Google Play und, und, und: Die Liste der Google-Dienste wird immer länger. Und in seinen geheimen Labs arbeitet der Konzern an einem selbstfahrenden Auto oder Ballons, über die entlegene Gegenden mit Internet-Zugängen versorgen sollen.

Hochprofitable Suche

Wenn es aber um das Geldverdienen geht, ist Google vom Geschäft mit Online-Werbung abhängig. Fast 90 Prozent des Umsatzes stammen aus diesem Segment, ein Großteil aus der Internet-Suche. In der Bilanz wird sonst nur noch ein Segment mit dem wenig aussagekräftigen Titel „Other“ (Anderes) aufgelistet.

Android

Googles Betriebssystem Android dominiert den Smartphone-Markt. Es hilft dem Konzern, seine Dienste fürs mobile Internet zu verbreiten, sorgt mit dem Play Store mit Apps, Filmen und Musik aber auch für wachsende Einnahmen. Experten vermuten, dass diese den Großteil des „sonstigen“ Umsatzes ausmachen.

Google Appsl

Um sich aus der Abhängigkeit aus den Werbeeinnahmen zu befreien, hat Google in den vergangenen Jahren immer wieder Initiativen gestartet, etwa kostenpflichte Anwendungen für Firmen. Das Office-Paket Apps for Business und die E-Mail-Plattform sind Kernbestandteile der Geschäftskundenstrategie. Google Apps generiert Umsatz aus monatlichen Gebühren.

Google+

Soziale Netzwerke sind viele Internet-Nutzer zum ersten Anlaufpunkt im Internet geworden. Facebook ist hier mit Abstand die Nummer 1, Google will dem Marktführer mit Google+ Paroli bieten. Dass der Konzern den riesigen Abstand aufholt, ist allerdings unwahrscheinlich.

Cloud Computing

Ob Gmail, Google Docs oder Google Drive: Google-Dienste laufen nicht auf dem lokalen Rechner, sondern im Rechenzentrum. Der Konzern hat eine große Expertise in Sachen Cloud Computing, die er auch vermarkten will: Firmen können Rechenleistung oder Speicher bei dem Konzern mieten.

Chrome OS

Google will mit Chrome OS ein neuartiges Betriebssystem für Computer etablieren – es setzt voll aufs Internet und ruft Daten und Dienste aus der „Wolke“ ab. Mit dem System will das Unternehmen seine Produkte verbreiten. Bislang ist die Verbreitung von Chrome OS allerdings noch überschaubar.

Die Rechnungsprüfer indes kritisierten, in Italien oder Frankreich würden die Behörden viel höhere Summen fordern. Der französische Finanzminister Michel Sapin schloss Anfang Februar eine Einigung mit Google in der britischen Größenordnung aus. Aus dem Umfeld seinen Hauses hieß es am Mittwoch, Frankreich fordere von Google Nachzahlungen von 1,6 Milliarden Euro.

In den vergangenen zehn Jahren lag Googles Gewinnmarge bei jeweils etwa 30 Prozent. Das würde bedeuten, dass der Konzern in Großbritannien bei 24 Milliarden Pfund Umsatz zwischen 2005 und 2015 sieben Milliarden Pfund Gewinn machte. Der ausgehandelte Deal impliziert nach Reuters-Berechnungen indes nur 600 Millionen Pfund Gewinn. Den britischen Steuerprüfern zufolge lassen sich die genauen Geschäftsvorgänge nicht nachvollziehen, weil sie nicht transparent genug sind.

Vor einigen Tagen hatte Google mitgeteilt, vor zwei Jahren rund elf Milliarden Euro durch legale Steuerschlupflöcher aus Europa geschleust zu haben. Zahlreiche Großkonzerne stehen wegen solcher Tricks in der Kritik.

Von

rtr

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