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08.11.2013

17:19 Uhr

Steuerhinterziehung

Mächtiger EU-Kommissar unter Verdacht

Der belgische EU-Handelskommissar Karel De Gucht soll knapp eine Million Euro Steuern hinterzogen haben. Kommissionspräsident Barroso sieht derzeit jedoch keinen Handlungsbedarf.

Berichte über ein mögliches Steuervergehen bringen EU-Kommissar Karel De Gucht in Bedrängnis. dpa

Berichte über ein mögliches Steuervergehen bringen EU-Kommissar Karel De Gucht in Bedrängnis.

BrüsselDie EU-Kommission stellt sich hinter den aus Belgien stammenden Handelskommissar Karel De Gucht (59), der laut Medienberichten von einer alten Steueraffäre eingeholt wird. „Das ist ein privater Steuerfall, der aus einer Zeit stammt, als De Gucht noch kein EU-Kommissar war“, sagte die Sprecherin von Kommissionspräsident José Manuel Barroso in Brüssel.

Die Sprecherin reagierte auf Berichte in belgischen Medien, wonach der belgische Fiskus mit dem Vorwurf des Steuerbetrugs einen Betrag von 900 000 Euro nachfordert. De Gucht und seine Frau sollen laut den Zeitungen „De Tijd“ und „L'Echo“ Börsengewinne von 1,2 Millionen Euro nicht deklariert haben.

Die Sprecherin ging auf die Medieninformationen im Detail nicht ein, dementierte sie aber auch nicht. Sie sagte lediglich, der Fall habe „eine neue Stufe“ erreicht. Barroso habe am Freitag am Rande des EU-Südkorea-Gipfels mit De Gucht gesprochen, so die Sprecherin. Der Belgier habe dabei versichert, dass er nichts falsch gemacht habe.

„Es gilt die Unschuldsvermutung“, sagte die Sprecherin weiter. Laut den Medienberichten soll die Steueraffäre vor Gericht verhandelt werden, die erste Sitzung sei für den 25. November anberaumt.

Die Sprecherin lehnte es ab, zwischen De Gucht und dem früheren maltesischen Kommissar John Dalli Parallelen zu ziehen. Dalli war im Oktober vergangenen Jahrs wegen Korruptionsvorwürfen gegen einen Bekannten von ihm zurückgetreten. Die Kommission argumentierte damals, Dalli sei politisch unhaltbar geworden.

Der flämische Liberale De Gucht gilt als einer der mächtigsten Kommissare. Der seit Anfang 2010 amtierende Kommissar hat eine starke Stellung, weil er die Staaten in internationalen Verhandlungen vertritt, beispielsweise bei den Freihandelsgesprächen mit den USA. Er ist bekannt für einen offenen, bisweilen undiplomatischen Tonfall. Die Amtszeit der Barroso-Kommission läuft Ende Oktober kommenden Jahres aus.

Von

dpa

Kommentare (9)

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Augias

08.11.2013, 18:52 Uhr

Wenn Barroso keinen Handlungsbedarf sieht, sollte man alle Kommissare inkl. den Kommissionspräsidenten durchleuchten. Wer weiß, was da alles noch hochkommt?

HowConvenient

08.11.2013, 19:05 Uhr

"Laut den Medienberichten soll die Steueraffäre vor Gericht verhandelt werden, die erste Sitzung sei für den 25. November anberaumt.
...
Die Amtszeit der Barroso-Kommission läuft Ende Oktober kommenden Jahres aus."

How convenient!

Account gelöscht!

08.11.2013, 19:26 Uhr

Kommentator Augias (18:52 Uhr) schreibt die richtige Vermutung: Ich persönlich halte keinen der Kommissare für "sauber", schon gar nicht diesen unappetitlichen ehemaligen MAO-Kommunisten Barroso, der ja alles schnöde abwiegelt. Und das Handelsblatt sollte endlich mal recherchieren, was denn all die für ihre Funktion nicht demokratisch gewählten und nicht demokratisch legitimierten ESM-Gouverneure sich mit ihrer totalen Immunität so alles an Luxus-Geldern und Luxus-Zulagen selbst genehmigen - ich denke wohl nicht an der Wirklichkeit vorbei: Es dürften wohl etliche Millionen sein, und niemand, schon gar nicht die Steuerzahler, dürfen es wissen..! Betrug und Veruntreuung dürfen eben keine Bühne haben, oder..?
Und dem Herrn Karel de Gucht sollte etwas passieren - nur naive Gläubige können so etwas vermuten..!

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