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28.05.2012

19:23 Uhr

Stichwahl in Ägypten

Mubaraks Premier gegen frommen Islamist

Das Rennen um die Präsidentschaft in Ägypten bleibt offen. Ein Mann des gestürzten Präsidenten Mubarak und ein frommer Islamist erreichen die Stichwahl. Die Unterlegenen fechten die Wahl an - ohne Erfolg.

Mohammed Mursi, der Kandidat der Muslimbruderschaft, auf einem Wahlplakat. Reuters

Mohammed Mursi, der Kandidat der Muslimbruderschaft, auf einem Wahlplakat.

KairoIn Ägypten kämpfen ein Islamist und ein Mann des ehemaligen Regimes des gestürzten Präsidenten Husni Mubarak in der Stichwahl am 16. und 17. Juni um das höchste Staatsamt. Das gab Faruk Sultan, der Präsident der Wahlkommission, heute in Kairo offiziell bekannt.

Die Stichwahl wird nötig, weil keiner der insgesamt 13 Kandidaten in der ersten Abstimmungsrunde in der vergangenen Woche eine absolute Mehrheit erzielte. Mursi erhielt dem offiziellen Ergebnis zufolge 5,76 Millionen Stimmen oder rund 25 Prozent. Schafik, der letzte Ministerpräsident des gestürzten Machthabers Husni Mubarak, folgte mit 5,5 Millionen Stimmen. Knapp dahinter lag der linksgerichtete Kandidat Hamdin Sabahi mit 4,82 Millionen Stimmen. Ihre Stimme gaben etwa die Hälfte der rund 50 Millionen Wahlberechtigten ab. Die Wahlbeteiligung lag bei 46 Prozent.

Nach dem Sturz Mubaraks im Februar 2011 hatte in Ägypten der Oberste Militärrat die Macht übernommen.

Der einflussreiche Geistliche Scheich Jussuf al Karadawi forderte die Menschen auf, in der Stichwahl für Mursi zu stimmen. Der Geistliche sagte dem Fernsehsender Al Dschasira, die Stichwahl sei kein Rennen zwischen einem Islamisten und einem Nichtislamisten, sondern zwischen „der Revolution und den Feinden der Revolution“.

Die Wahlkommission wies indes die Wahlanfechtungen von fünf unterlegenen Kandidaten als „grundlos“ ab. Die Beschwerdeführer hatten Verstöße gegen die Wahlordnung sowie unstatthafte Wählerbeeinflussungen und massiven Stimmenkauf zur Sprache gebracht.

Unter den Beschwerdeführern gegen den ersten Wahlgang war der linke Kandidat Hamdien Sabbahi, der mit 4,8 Millionen Stimmen überraschend auf dem dritten Platz gelandet war. Er beanstandete auch, dass Schafik eigentlich von der Wahl hätte ausgeschlossen werden müssen. Er berief sich darauf, dass die Wahlordnung vorsieht, dass Vertreter des alten Regimes nicht wählbar sind.

Der gemäßigte Islamist und Ex-Muslimbruder Abdel Moneim Abul Futuh, dessen Beschwerde von der Wahlkommission ebenfalls abgewiesen wurde, sagte in Kairo, die Wahl sei „nicht sauber“ gewesen. „Ich hatte gehofft, sie würde zumindest so fair und korrekt sein wie die Parlamentswahl (zur Jahreswende). Sie war es nicht.“ Abul Futuh, den Meinungsforscher vor der Wahl als Favoriten gehandelt hatten, kam mit knapp 4,1 Millionen Stimmen nur auf den vierten Platz.

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