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05.12.2014

12:12 Uhr

Stimmung in Russland

Russen witzeln über Putin, Rubel und Ölpreis

In Moskau kursiert in diesen Tagen ein Witz: Was haben Wladimir Putin, der Ölpreis und der Rubel gemeinsam? Die Antwort macht deutlich, dass die Russen die Misere in ihrem Land mit schwarzem Humor nehmen.

Wladimir Putin: "Er ist kein Geschäftsmann, für den Geld die wichtigste Sache ist." dpa

Wladimir Putin: "Er ist kein Geschäftsmann, für den Geld die wichtigste Sache ist."

MoskauWährend Putin in seiner Rede an die Nation über den Westen schimpft, macht in Moskau ein Witz seine Runden: Was haben Putin, der Ölpreis und der Rubel-Kurs gemeinsam? Antwort: Alle drei werden nächstes Jahr 63.

Die Frage ist nur, was zuerst passiert: Putin feiert am 7. Oktober seinen 63. Geburtstag. Der Brent-Ölpreis fiel in dieser Woche auf ein Fünfjahrestief von rund 67,50 Dollar je Barrel. Der Rubel rutschte nahe 55 zum Dollar, nachdem er vor weniger als sechs Monaten noch bei starken 34 notiert hatte. Damit muss die Landeswährung nur noch weitere 13 Prozent verlieren, um den Witz zur Realität werden zu lassen.

Der schwarze Humor richtet sich aber nicht gegen das Regime, sondern zeichnet das Bild einer trotzigen Haltung, die es so seit dem Kalten Krieg nicht mehr gegeben hat. Während die Wirtschaft in die erste Rezession seit mehr als fünf Jahren abrutscht, der Rubel auf Rekordtiefs taumelt und Kapital aus dem Land abfließt, üben Putins Befürworter den Schulterschluss und sagen, dass er sich 2018 mit Sicherheit für sechs weitere Jahre zur Wiederwahl stellen wird.

Putins Rede an die Nation

Die Rede an die Nation

Der russische Präsident Wladimir Putin hat sich in seiner Rede an die Nation zu zentralen außen-, innen- und wirtschaftspolitischen Themen geäußert. Ein Überblick:
Quelle: dpa

Ukraine

Putin weist die Kritik des Westens an seinem Kurs in der Ukraine-Krise scharf zurück. Er wirft der EU vor, Moskau bei den Verhandlungen mit der Ukraine über das Assoziationsabkommen „völlig ignoriert“ zu haben. „Uns wurde gesagt, dass es uns angeblich nichts angeht.“ Russland habe aber legitime Interessen. „Was in der Ostukraine geschieht, bestätigt die Richtigkeit unserer Haltung.“

Krim

Putin sieht die Annexion der Krim im Einklang mit dem Völkerrecht. Es gebe nichts mehr daran zu rütteln, dass die Schwarzmeerhalbinsel zu Russland gehöre. „Für Russland hat die Krim (...) große zivilisatorische und sakrale Bedeutung. So wie der Tempelberg in Jerusalem für jene, die sich zum Islam oder zum Judentum bekennen.“

Sanktionen

Putin macht deutlich, dass sich Russland dem Druck des Westens nicht beugen wird. Die Sanktionen schadeten dem Land zwar, doch seien sie auch treibende Kraft für wirtschaftliche Entwicklung. „Die Sanktionen sind der beste Anreiz für das Erreichen unserer Ziele.“


USA

Putin wirft den USA vor, Osteuropa zu destabilisieren und Staaten aus der Ferne zu manipulieren. „Manchmal weißt du nicht, mit wem du sprechen sollst - mit den Regierungen mancher Staaten oder direkt mit ihren amerikanischen Sponsoren.“


Wirtschaft

Putin kündigt eine Reihe von Schritten zur Stützung der Wirtschaft an. Mittelfristig will er die Inflation auf vier Prozent halbieren, außerdem soll das Investitionsklima verbessert werden. „Bis 2018 müssen wir das jährliche Investitionsniveau auf 25 Prozent des Bruttoinlandsprodukts anheben.“

Kapitalflucht

Im Kampf gegen die wachsende Kapitalflucht aus Russland verspricht Putin eine Amnestie, wenn Reiche ihr Geld aus Steuer-Oasen ins Land zurückbringen. „Wenn ein Mensch sein Kapital in Russland legalisiert, erhält er harte rechtliche Garantien, dass man ihn nicht durch die Instanzen zerren wird.“

Rubelschwäche

Im Kampf gegen den Kursverfall beim Rubel kündigt Putin entschlossene Maßnahmen gegen Spekulanten an. „Die Behörden wissen, dass sie Instrumente haben, um Einfluss auf Spekulanten zu nehmen. Es ist Zeit, sie einzusetzen.“

„Wir werden ärmer, unsere Ersparnisse verschwinden, die Preise steigen – doch die Folge ist das Gegenteil dessen, was sich all jene versprochen hatten, die Putin geschlagen sehen wollen“, sagt Olga Kryschtanowskaja, Soziologin an der Russischen Akademie der Wissenschaften, die sich mit der russischen Elite befasst. Der Witz unterstreiche nur ihre Entschlossenheit, sich letztlich keinen Zentimeter zu bewegen, sagt sie.

Nach Aussage eines Freundes von Putin, der namentlich nicht genannt werden möchte, werden die Sanktionen ihre Wirkung verfehlen, weil USA und Europäische Union die russische Mentalität nicht verstehen. Das Land habe die Belagerung Leningrads während des Zweiten Weltkriegs mehr als zwei Jahre lang ausgehalten und werde auch dies überleben, sagt er.

Kommentare (183)

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Herr C. Falk

05.12.2014, 12:40 Uhr

Immer ein Fehler, seine eigenen Befindlichkeiten, die im "Westen" weitestgehend materialistischer Natur sind auf andere umzulegen.

Russland "tickt" anders. Z.B. ist dieses Land geschichtsbewußt und kennt seine Literatur z.B. Tolstois "Krieg und Frieden".

Russland hat sich weder Napoleon gebeugt noch Adolf Hitler. Diese Sanktionen sind ein Fliegenschiß für das russische Selbstverständnis auch dann wenn sie noch verstärkt werden.

Herr Omarius M.

05.12.2014, 12:44 Uhr

Wenn sie schon im Info kasten den spruch mit den " in 2 wochen in kiew" anfügen

dann bittenm auch Barrosos zurückrudern erwähnen,
nach dem angebot der Russischen Seite, das ganze gespräch zu veröffentlichen... um den zsammenhang herzustellen...

leider passiert das nicht...

Herr Moritz J. Mueller

05.12.2014, 12:47 Uhr

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