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29.12.2011

04:05 Uhr

Straße von Hormus

USA warnen Iran vor Blockade

Eine Störung des Schiffsverkehrs auf der weltweit wichtigsten Öltransportroute im persischen Golf würden die USA nicht hinnehmen. Das hat das Pentagon nach entsprechenden Drohungen aus dem Iran erklärt.

Das Foto zeigt nach Angaben des iranischen Militärs einen Soldaten in der Nähe der Straße von Hormus. Reuters

Das Foto zeigt nach Angaben des iranischen Militärs einen Soldaten in der Nähe der Straße von Hormus.

Washington/TeheranSäbelrasseln um Öltransporte am Persischen Golf: Nach der iranischen Drohung mit einer Blockade von Öltransporten an der Straße von Hormus bei einer Ausweitung der Sanktionen haben die USA den Ton überraschend verschärft. Die US-Marine meint sogar demonstrativ, sie habe eine „robuste Präsenz“ in der Region.

Ein Außenamtssprecher in Washington bekräftigte entsprechende Äußerungen der Marine: „Es ist absolut entscheidend, dass in diesen internationalen Gewässern Freiheit des Schiffsverkehrs herrscht“. Allerdings fügte Außenamtssprecher Mark Toner am Mittwoch vor Journalisten in Washington hinzu, er glaube weiterhin, dass es sich eher um „Rhetorik der Iraner“ handele. Es habe in der Vergangenheit ähnliche Drohungen gegeben. Auf die Frage, ob es sich um eine echte Drohung handele, meinte er aber: „Das ist schwer zu sagen.“

Der iranische Vizepräsident Mohammed Resa Rahimi hatte zuvor mit einer Blockade der Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Arabischen Meer gedroht, sollten die USA und ihre Verbündeten neue Sanktionen gegen Teheran beschließen. Der Chef der iranischen Marine, Habibollah Sajari, sagte zu Rahimis Drohung in einem Interview jedoch, ein solcher Schritt sei noch nicht notwendig.

Die iranische Marine hatte am Samstag mit einem zehntägigen Manöver an der Meerenge begonnen. Der Sprecher des Pentagon, George Little, sagte am Mittwoch, dies komme häufig in der Region vor. Fälle von Feindseligkeiten der Iraner gegenüber US-Schiffen seien ihm indes nicht bekannt. Derweil passierten der US-Flugzeugträger „USS John Stennis“ und der Lenkwaffenkreuzer „USS Mobile Bay“ die Straße von Hormus in Richtung des Arabischen Meeres. Little zufolge handelte es sich dabei um ein im Vorfeld geplantes Manöver, um die Soldaten in Afghanistan zu unterstützen.

Das angespannte Verhältnis zwischen USA und Iran

1979

Nach der Vertreibung des US-Verbündeten Schah Mohammed Reza Pahlavi ruft Ajatollah Khomeini die Islamische Republik Iran aus. Am 4. November besetzen Studenten die US-Botschaft in Teheran, nehmen 52 Amerikaner als Geiseln und fordern die Auslieferung des Schahs. Als Reaktion verhängt Washington Sanktionen gegen den Iran.

1980

Die Geiselnahme endet nach 444 Tagen. Ein Militäreinsatz zur Befreiung der Amerikaner war gescheitert. Im September greift Irak den Iran an. Im achtjährigen Golfkrieg beliefern die USA beide Länder mit Waffen und schlagen sich schließlich auf die Seite des Iraks.

1984

Nach Terroranschlägen auf US-Soldaten und die Botschaft im Libanon erklärt US-Präsident Ronald Reagan Irans Regime zum „Sponsor des internationalen Terrorismus“ und verschärft die Sanktionen.

1985-1986

In Geheimgesprächen verspricht Washington Teheran Waffenlieferungen, im Gegenzug sollen amerikanische Geiseln im Libanon befreit werden. Mit den Gewinnen finanzieren die USA Rebellen in Nicaragua. Der Iran-Contra-Skandal bringt die US-Regierung in Bedrängnis.

1988

Ein US-Kriegsschiff schießt einen iranischen Airbus über dem Golf ab, alle 290 Passagiere sterben.

1995

Wegen angeblicher Terrorunterstützung und dem Streben nach Massenvernichtungswaffen verhängt US-Präsident Bill Clinton ein umfassendes Handelsembargo gegen den Iran.

2001

Washington beschuldigt Teheran, direkt in einen Anschlag auf US-Soldaten in Saudi-Arabien verwickelt zu sein. Der US-Geheimdienst CIA bezichtigt den Iran, ein Atomwaffenprogramm zu verfolgen.

2002

Präsident George W. Bush bezeichnet den Iran, den Irak und Nordkorea als „Achse des Bösen“. Washington würde nicht tatenlos zusehen, wenn diese Länder versuchten, die USA mit Massenvernichtungswaffen zu bedrohen.

2004

Auf Drängen der EU verzichtet der Iran auf sein Programm zur Urananreicherung. Die USA bleiben misstrauisch.

2005

Die USA beschuldigen Irans Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad, Kopf der Geiselnahme von 1979 in Teheran gewesen zu sein.

2007

US-Behörden erklären, im Irak festgenommene Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden hätten sich aktiv am Krieg gegen US-Truppen beteiligt. Man habe zudem Beweise dafür, dass mit von Teheran gelieferten Waffen US-Soldaten im Irak getötet wurden.

2008

Der Iran droht für den Fall eines Angriffs auf seine Atomanlagen mit militärischen Gegenschlägen und testet bei einem Großmanöver Raketen. Im Persischen Golf gibt es mehrere Zwischenfälle von US-Schiffen mit iranischen Schnellbooten. Es fallen Warnschüsse.

2009

Iranische Militärs nehmen im Grenzgebiet zum Irak drei US- Touristen fest. Nach einer Verurteilung wegen Spionage zu acht Jahren Haft kommt der erste 2010 frei, die beiden anderen im September 2011.

2010

US-Präsident Barack Obama setzt im Streit um das iranische Atomprogramm neue umfangreiche Sanktionen gegen Teheran in Kraft.

2011

Im Oktober werfen die USA dem Iran ein Mordkomplott vor: Für das geplante Attentat an einem saudischen Diplomaten macht US-Justizminister Eric Holder den militärischen Arm der iranischen Revolutionsgarden, Al-Kuds, verantwortlich. Ende des Jahres verschärfen die USA ihre Sanktionen wegen des umstrittenen iranischen Atomprogramms. Im Dezember kündigt der Iran eine Reaktion auf die angebliche Verletzung seines Luftraums durch ein US-Aufklärungsflugzeug an. Am 4. Dezember vermeldet der Iran, die Armee habe in einer östlichen Provinz eine unbemannte Drohne des Typs RQ170 abgeschossen.

Hatte das US-Außenministerium die Äußerungen aus Teheran zunächst als Ablenkungsmanöver abgetan, richtete die US-Marine am Mittwoch eine unmissverständliche Warnung an den Iran. „Jeder, der die Freiheit der Seefahrt in einer internationalen Meeresenge bedroht oder behindert, stellt sich klar außerhalb der Staatengemeinschaft. Solch eine Behinderung wird nicht toleriert“, teilte die Sprecherin der im Golfkönigreich Bahrain stationierten Fünften US-Flotte, Rebecca Rebarich, mit.

Durch die enge Wasserstraße von Hormus wird der Großteil der Ölexperte aus Nahost exportiert. Experten fürchten bei einer Blockade einen massiven Preisanstieg der Rohölpreise - mit unabsehbaren Folgen für die Weltwirtschaft. „Der freie Verkehr von Gütern und Dienstleistungen durch die Straße von Hormus ist entscheidend für den Wohlstand der Region und der Welt“, sagte Rebarich weiter.

Die Fünfte US-Flotte „bekennt sich zum Schutz maritimer Freiheiten, die die Basis des globalen Wohlstands sind. Das ist einer der Hauptgründe dafür, dass unsere Streitkräfte in dieser Region operieren“, betonte Leutnant Rebarich. Die US-Marine unterhalte „eine robuste Präsenz in der Region, um destabilisierende Aktivitäten zu verhindern und ihnen entgegenzuwirken“. Am Wochenende hatten iranische Streitkräfte ein großangelegtes Manöver in dem Seegebiet begonnen.

Kommentare (36)

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Account gelöscht!

28.12.2011, 20:11 Uhr

Wir werden keine Störungen des Schiffverkehrs in der Straße von Hormus hinnehmen
-----------------------
Na also , geht doch !!!
Auf diesen Satz hat die Welt gewartet .

christoph

28.12.2011, 21:25 Uhr

@Energieelite

Die Welt wartet auf was den thermonuklearen,dritten Weltkrieg?

Die Eskalationen im nahen Osten und der Raketenabwehrschirm
im europäischen Osten, dienen langfristig einzig allein der Isolierung von Russland, China, Japan und Indien dessen wirtschaftliche Stärke dem schwächelnden westlichen Wirtschaft gefährlich werden wird aber sich nicht politisch von den USA und Großbritannien kontrollieren lassen will.

touspourun

28.12.2011, 23:25 Uhr

Auszüge von Reflexionen des Major General Smedley Butler der zum Zeitpunkt seines Todes 1940 der meist dekorierte Marine der Geschichte der USA:
“Krieg ist Abzocke. Es ist es schon immer gewesen. Es ist wahrscheinlich die älteste Form der Betrügerei, die am profitabelsten und ganz sicher die bösartigste. Es ist die einzige in der Gewinne in Dollars und Verluste in Menschenleben gezählt werden. Eine Abzocke nach meinem Verständnis ist am besten erklärt als etwas was nicht das ist, was eine Mehrheit der Menschen glauben das es ist. Nur eine kleine Gruppe weiß worum es geht. Es wird auf Kosten der Allermeisten zum Nutzen einer Handvoll geführt, einige werden durch Kriege immens reich.
Ich habe 33 Jahre und 4 Monate gedient und in dieser Zeit war ich meistens im Dienste von Big Business, Wall Street oder die Bankers. Zusammengefasst war ich ein Gauner, ein Gangster für das Kapital.
Ich habe in Mexico und insbesondere in Tampico die Interessen von American Oil in 1914 geschützt. Ich habe geholfen Haiti und Cuba zu einem angenehmen Ort für die National City Bank Boys zu machen damit Sie ihre Umsätze eintreiben konnten. Ich war an der Vergewaltigung von mehreren Ländern Mittelamerikas zum Vorteil der Wall Street beteiligt. Ich habe Nicaragua für das internationale Bank Syndikat der Brown Brothers in 1902-1912 gereinigt. Ich habe die Dominikanische Republik für die Interessen von American Sugar in 1916 vorbereitet, habe geholfen Honduras für die American Fruit Companies in 1903 zu "öffnen". 1927 habe ich Standard Oil Geleitschutz in China gegeben.
Al Capone habe ich ein paar Hinweise gegeben. Das Beste war er tun konnte war seine Betrügereien in drei Stadtteile auszuführen. Ich habe es auf drei Kontinente getrieben.“

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