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02.02.2011

19:46 Uhr

Straßenschlachten in Ägypten

Obama verlangt den sofortigen Wandel

In Kairo regieren Angst und Gewalt. Nach den schweren Zusammenstößen zwischen Anhängern und Gegnern von Präsident Mubarak droht dem Land ein blutiger innerer Konflikt. Die US-Regierung reagiert und fordert einen unverzüglichen demokratischen Wandel in Ägypten. Oppositionspolitiker ElBaradei fordert den Einsatz der Armee.

Pro-Mubarak-Demonstranten stürmen den Tahrir-Platz und schlugen mit Knüppeln um sich. dpa

Pro-Mubarak-Demonstranten stürmen den Tahrir-Platz und schlugen mit Knüppeln um sich.

HB KAIRO/WAHINGTON. Ägypten am Scheideweg: Anhänger von Staatschef Husni Mubarak sind am Mittwoch mit brutaler Gewalt auf Regimegegner losgegangen. Nach der Ankündigung Mubaraks, sich zurückzuziehen, eskalierte die Lage. Die Armee ist nun für viele Ägypter die letzte Hoffnung, einen Bruderkampf und Blutvergießen zu verhindern. Mindestens drei Tote und mehr als 600 Verletzte, lautete die offizielle Bilanz der Übergriffe am Mittwoch auf dem Tahrir-Platz. US-Präsident Barack Obama drängte Mubarak in einem Gespräch zum sofortigen Rückzug. Die Staatengemeinschaft reagiert entsetzt auf die Exzesse.

Außenminister Guido Westerwelle warnte Vizepräsident Omar Suleiman vor weiteren Übergriffen gegen Demonstranten. „Das Niederknüppeln von friedlichen Demonstransten ist nicht akzeptabel“, sagte er in der „ARD“. Das würde zu Konsequenzen von Seiten der internationalen Gemeinschaft führen.

US-Präsident Barack Obama habe in seinem Gespräch mit dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak vom Dienstag klar gemacht, „dass die Zeit für einen Übergang gekommen ist“, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Robert Gibbs. Das Telefonat beschrieb er als „direkt und offen“. Zu der Erklärung Obamas vom Vortag, dass ein geordneter Übergang „jetzt“ beginnen müsse, sagte der Präsidentensprecher am Mittwoch: „„Jetzt“ hat gestern angefangen.“

Die USA verurteilten außerdem die Eskalation der Gewalt in in dem Krisenland. „Die Anwendung von Gewalt zur Einschüchterung des ägyptischen Volkes muss aufhören“, sagte der Sprecher des Außenministeriums, Philip Crowley. Washington sei tief besorgt über Angriffe auf friedliche Demonstranten sowie auf Medienvertreter.

Inmitten des dramatischen Krise in Ägypten suchen die USA weiter Einfluss auf die Regierung in Kairo zu nehmen. Am Mittwoch (Ortszeit) telefonierte US-Außenministerin Hillary Clinton mit dem neuen ägyptischen Vizepräsidenten Omar Suleiman, Verteidigungsminister Robert Gates sprach mit seinem Amtskollegen in Kairo, meldete der US-Fernsehsender CNN. Es sei der dritte Kontakt des Pentagon-Chefs mit Mohammed Hussein Tantawi innerhalb weniger Tage gewesen, hieß es. Clinton habe derweil von Suleiman eine Untersuchung der Übergriffe in Kairo verlangt. Die Außenministerin habe dabei abermals die Gewalt verurteilt und die Verantwortung der ägyptischen Regierung betont, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, sagte ein Außenamtssprecher.

Kommentare (5)

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Mona

02.02.2011, 21:10 Uhr

Die 2 Millionen ägyptischen Polizisten sind in den letzten Tagen spurlos verschwunden und nun als Schlägertrupps wieder aufgetaucht. Mit Messern, Stöcken und brandsätzen gehen sie auf die Demonstranten der Opposition los. Und was macht der "christliche" Westen? Er versteckt sich hinter Worthülsen. Unser Außenminister Westerwelle ist einfach nur peinlich. Anscheinend ist er seit kurzem Außenminister von israel. ich schäme mich für diese Regierung!

Triefauge

02.02.2011, 22:10 Uhr

ich verstehe gar nicht diese unsachliche Aufregung von Mona über Herrn Westerwelle. Er hat doch heute in den Abendnachrichten mit fester Stimme angekündigt, daß er ohne Verzug von Herrn Mubarak das freie Demonstrations-recht einfordern werde und daß der ganze Westen eine behinderung freier
Demonstrationen in Ägypten nicht dulden werde.Und im ZDF hat ein Mann mit
Anfang 30, der bisher nur durch ein buch über Geld und Macht als ein Mitarbeiter der Stiftung Politik und Wissenschaft in Erscheinung getreten ist,
als der bundesdeutsche Ägyptenfachmann sehr lichtvolle Erkenntnisse von
sich gegeben. Sein institut wird u. a. vom Kanzleramt finanziert. Also alles auf dem besten Wege. Und Herr Westerwelle soll schon für saudiarabische Demonstranten Geld für Zelte und Decken sammeln, denn da müssen ja nun
ohne Zeitverzug auch demokratische Verhältnisse hergestellt werden, wie wir sie Gott sei Dank in so vorbildicher Weise u. a. Dank des damaligen Engagements der Zeitschrift Stern im iran haben.

AndreAdrian

02.02.2011, 22:27 Uhr

Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.

Mubarak lässt gegen das Volk kämpfen und das Volk wird gewinnen. Ob im September 2011 der bürgerkrieg Mubarak-Schläger gegen Demonstranten schon zu Ende sein wird ist ungewiss, das Endergebnis wird wieder einmal das Gandhi Zitat bestätigen.

Und wenn Mubarak die schönen Abrams Panzer, ein Geschenk der USA, gegen das eigene Volk einsetzt, dann wird dieses Volk nach dem Sieg nicht gut auf den Diktatoren mit Waffen unterstützenden Westen zu sprechen sein. Deshalb ist Obama ja so nervös.

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