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19.09.2012

15:30 Uhr

Strategiepapier abgelehnt

Japan rudert beim Atomausstieg wieder zurück

Offenbar meint es Japan mit dem Atomausstieg doch nicht ernst. Ein entsprechendes Strategiepapier wurde am Mittwoch überraschend vom Kabinett abgelehnt. Die Industrie jubelt.

Japan wird nun doch nicht auf absehbare Zeit aus der Atomenergie aussteigen. dpa

Japan wird nun doch nicht auf absehbare Zeit aus der Atomenergie aussteigen.

TokioNach der Vorstellung von Plänen zum Atomausstieg ist die japanische Regierung wieder zurück gerudert. Überraschend sprach sich das Kabinett am Mittwoch nicht für ein entsprechendes Strategiepapier eines Regierungsausschusses aus. In der vergangenen Woche hatten japanische Medien berichtet, der Atomausstieg sei bereits beschlossene Sache.

Nun hieß es lediglich, das Kabinett werde die Erkenntnisse des Ausschusses „berücksichtigen“. Der Minister für Nationale Strategie, Motohisa Furukawa, erklärte, es sei immer noch das Ziel, aus der Atomenergie auszusteigen. Dieser Prozess könne allerdings lange dauern. In dem Entwurf des Regierungsausschusses war ein Ausstieg aus der Kernenergie bis in die 2030er Jahre vorgesehen. Zudem sollte verstärkt in erneuerbare Energien investiert werden.

Als weiterer Hinweis auf einen Meinungsumschwung in Tokio könnte die Gründung einer neuen Behörde für Nuklearsicherheit gelten. Das Amt für Atomregulierung nahm am Mittwoch nach mehrmonatiger Verzögerung offiziell seine Arbeit auf. Geleitet wird die Behörde mit fünf Mitarbeitern von dem Atomwissenschaftler Shunichi Tanaka.

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Atomgegner bezweifeln, dass die Regierung es mit dem Atomausstieg wirklich ernst meint.

Nach dem Atomunglück von Fukushima im vergangenen Jahr war Kritik laut geworden, dass eine mangelhafte Abstimmung zwischen den Behörden und den Betreibern des Kraftwerks zu der Kernschmelze beigetragen hatte.

Nach der Havarie des Kernkraftwerks Fukushima-Daiichi im März 2011 waren alle Atomkraftwerke des Landes heruntergefahren und überprüft worden. Um Energieengpässen im Sommer vorzubeugen, hatte Ministerpräsident Yoshihiko Noda im Juli allerdings die Wiederinbetriebnahme von zwei Meilern genehmigt.

Die Industrie begrüßte der Rückzug der japanischen Regierung aus den Ausstiegsplänen. „Es sieht so aus, als ob das Kabinett keinen spezifischen Zeitrahmen wie bis in die 2030er Jahre oder ein Ziel von null Prozent genannt hat, also gehen wird davon aus, das wir das Problem erstmal abgewehrt haben“, sagte der Vorsitzende der einflussreichen Lobbygruppe Keidanren, Masahiro Yonekura.

Bereits am Dienstag hatte er den Atomausstieg als „vollkommen inakzeptabel“ bezeichnet und für den Fall einer entsprechenden Kabinettsentscheidung mit seinem Rückzug aus einem Regierungsausschuss für Wirtschaftsfragen gedroht.

Von

dapd

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

19.09.2012, 17:38 Uhr

Die Japaner machen sich um ihre Energieversorgung eben mehr Gedanken als die Deutschen und sie sind sehr viel realistischer in der Einschätzung des machbaren .
Japan ist eine (einige)gebirgige Insel in der es sehr wenig nutzbare Flächen gibt , Landwirtschaft wird auf Terrassierten Flächen betrieben, sie müssten diese Flächen aufgeben wenn sie mit EE in die selbe Pleite rutschen wollen wie Deutschland . Dann allerdings hätten sie nichts zu essen !

Account gelöscht!

19.09.2012, 18:18 Uhr

@Energieelite:
Stimmt !

caesar4441

19.09.2012, 20:11 Uhr

Könnte es einen inneren Zusammenhang geben zwischen einem Nutzungsverbot für Kernenergie und dem Verlieren des 2.WK ?
Wieviel % der Bevölkerung Kernenergie in germany und in Japan tatsächlich ablehnen ,wissen wir nicht.Es wird auch nicht wirklich geprüft ,z.B. durch eine Volksabstimmung,bei der auch die Konsequenzen - und zwar die echten ,die jetzt nur scheibchenweise ans Licht kommen-aufgezeigt und zur Abstimmung vorgelegt werden.
Wenn für die Einspeisung von Solarstrom der zehnfache Preis gegenüber den Herstellkosten bei Einsatz von Kernenergie bezahlt werden muß ,dann kann dieser Strom nur teuerer werden ,daß hatten sogar die Leute in Schilda begriffen.
Übrigens lag Schilda nicht umsonst in Deutschen Landen.

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