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16.05.2011

22:08 Uhr

Strauss-Kahn bleibt in U-Haft

„Wir werden beweisen, dass er unschuldig ist“

Eine Millionen-Kaution und sogar elektronische Fußfesseln hatten seine Anwälte angeboten - doch es half nichts: IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn bleibt in U-Haft. Hoffnung gibt den Anwälten ein angebliches Alibi.

New YorkDer graue, verregnete Himmel über New York dürfte dem Gemütszustand von Dominique Strauss-Kahn an diesem Montag entsprochen haben: Der Spitzenpolitiker wirkte übermüdet und verbittert, als er im Gerichtssaal in Downtown Manhattan auf seine Anhörung wartet. Mit steinerner Miene verfolgt er, wie der Staatsanwalt die lange Liste an Vorwürfen gegen ihn vorliest.

Nach wenigen Minuten ist klar: Strauss-Kahn bleibt vorerst in Haft, die Richterin lehnt eine Kaution ab. Die Anwälte Strauss-Kahns plädierten später für ihren sichtlich übermüdeten Mandanten auf nicht schuldig. "Wir werden beweisen, dass er unschuldig ist", sagte einer der Anwälte vor dem Gerichtsgebäude nach der kurzen Anhörung. "Wir müssen jetzt dafür sorgen, dass er einen fairen Prozess bekommt. Dann werden wir alle Vorwürfe gegen unseren Mandanten entkräften." Die Anwälte hatten auch angeboten, dass Strauss-Kahn eine elektronische Fußfessel tragen werde, sollte er auf Kaution freikommen.

Rätsel gaben derweil Berichte über ein angebliches Alibi auf. Schon in den frühen Morgenstunden war der 62-Jährige in das Gericht gebracht worden, um mit den Vorwürfen konfrontiert zu werden: Versuchte Vergewaltigung, sexueller Missbrauch und Nötigung. Das Opfer ist laut Anklageschrift ein 32-jähriges Zimmermädchen des Sofitel-Hotels in Midtown Manhattan, in dem Strauss-Kahn am Wochenende übernachtet hatte. Strauss-Kahn erwarten nun laut Staatsanwaltschaft bis zu 25 Jahre Gefängnis, sollte er schuldig gesprochen werden.

So läuft das Verfahren gegen Strauss-Kahn

Verlesung der Anklage

Der Beschuldigte erscheint erstmals vor Gericht, wo die Vorwürfe formell vorgelesen werden. Dies geschieht üblicherweise binnen 24 Stunden nach einer Festnahme. Bei Strauss-Kahn wurde die Frist um einen Tag verlängert, um genug Zeit für gerichtsmedizinische Untersuchungen zu gewinnen. Der Beschuldigte bekennt sich bei dem Termin schuldig oder nicht schuldig. Strauss-Kahns Anwalt hat erklärt, der IWF-Chef werde auf nicht schuldig plädieren.

Festsetzung der Kaution

Während der Sitzung entscheidet der Richter über eine Kaution. Die Staatsanwaltschaft kann Reisebeschränkungen beantragen wie das Einziehen des Passes oder elektronische Überwachungsmaßnahmen. Strauss-Kahns Anwälte könnten wegen dessen internationalen Rufs mildere Maßnahmen beantragen.  Die Richter in New York haben in der Vergangenheit bei Fluchtgefahr auch ungewöhnliche Schritt angeordnet. So zogen beidem mutmaßlichen Betrüger Marc Dreier 2009 bewaffnete Wachen ein mit der Anweisung, bei einem Fluchtversuch „angemessene Gewalt“ anzuwenden

Anklagejury

Sollte der Verdächtigte auf nicht schuldig plädieren, legt die Staatsanwaltschaft die Hinweise auf eine Straftat einer Anklagejury von 23 Geschworenen vor. Diese „grand jury“ entscheidet, ob genug belastendes Material für ein Verfahren vorliegt. Die Geschworenen beraten hinter verschlossenen Türen. Sie können den Fall abweisen oder formell Anklage erheben (“indictment“). Ihr Votum muss dabei nicht einstimmig sein, es reicht die einfache Mehrheit. Das System der Anklagejury soll die Macht des Staates begrenzen und verhindern, dass Bürger ungerechtfertigt vor Gericht gezerrt werden.

Das Verfahren

Sollte gegen Strauss-Kahn Anklage erhoben werden, würde sein Fall vor dem New York Supreme Court im Bezirk New York landen. Trotz seines Namens ist das Gericht nicht die oberste Instanz des Bundesstaates, eine Funktion, die vom Court of Appeals ausgeübt wird.
Anwälte beider Seiten legen dann ihre Argumente für eine Einigung ohne Verfahren (“plea bargin“), eine Abweisung des Verfahrens oder ein volles Gerichtsverfahren vor. Der letzte Schritt ist vergleichsweise selten: Von mehr als 300.000 Fällen in der Stadt New York landeten 2009 weniger als 500 vor Gericht. In 258 dieser Fälle kam es zu einer Verurteilung. Sollte Strauss-Kahn eine Verständigung ablehnen und der Richter den Fall nicht verwerfen, würde es zu einer Verhandlung vor Geschworenen kommen. Bei einer Verurteilung drohen dem IWF-Chef nach New Yorker Recht zwischen 15 und 20 Jahren Haft.

Strauss-Kahn war im hellblauen Hemd und mit dunkler Jacke vor der Richterin erschienen. Ihm zur Seite stand sein Anwalt Benjamin Brafman, der schon Michael Jackson und Rapper P. Diddy vertreten hatte. "Unsere Absicht ist es, seinen Namen reinzuwaschen", sagte Anwalt Brafman später in die zahlreichen Fernsehkameras, die vor dem Gerichtsgebäude warteten. Eine erfahrene Gerichtsreporterin sagte, einen dermaßen großen Auflauf an internationaler Presse habe sie noch nicht erlebt.

Strauss-Kahn hatte am späten Vormittag New Yorker Zeit wie alle Angeklagten auf einer Bank im Gerichtssaal Platz nehmen müssen, um darauf zu warten, dass sein Fall aufgerufen wird. Neben ihm saßen mutmaßliche Drogendealer und andere Verdächtige. Der Top-Banker schwieg.

Kommentare (12)

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10075

16.05.2011, 20:46 Uhr

Nähere Auskünfte zu dieser Inszenierung sind bei der CIA zu erfragen.

Soll der so blöd sein, eine dieser siliconösen Amerikanerinnen zu überfallen, wenn er eine hübsche Französin für ein paar Geschenke gefahrlos kriegen kann?

Wahrscheinlich wird er aus Versehen erschossen und bekommt dann eine Seebestattung vom Flugzeugträger aus...

Peter

16.05.2011, 21:44 Uhr

unabhängig ob DSK schuldig oder nicht schuldig ist - die Affäre zeigt, dass ein Trinkgeld von $2000+ (?) an das Hotel-personal ausreicht um einen (männlichen) Businessreisenden für einige Zeit aus dem Gefecht zuziehen ;)

Lumberjack

16.05.2011, 21:52 Uhr

Muss das ein Zimmermädchen sein. Und die blieb so lange unbelästigt?

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