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19.05.2011

15:48 Uhr

Strauss-Kahn-Nachfolge

Frankreichs Finanzministerin Lagarde soll IWF führen

ExklusivNach dem Rücktritt des IWF-Chefs Dominique Strauss-Kahn zeichnet sich eine überraschend schnelle Einigung auf eine europäische Kandidatin ab. Doch noch gibt es ein ernsthaftes Hindernis.

Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde (links) und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Quelle: Reuters

Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde (links) und Bundeskanzlerin Angela Merkel.

BerlinIm Rennen um die Nachfolge des zurückgetretenen IWF-Chefs Dominique Strauss-Kahn verzichtet Deutschland offenbar auf die Benennung eines eigenen Bewerbers. Derzeit zeichnet sich ab, dass die Bundesregierung eine Kandidatur der französischen Finanzministerin Christine Lagarde unterstützt. Noch ist nichts entschieden, aber es läuft alles auf die Französin hinaus. Dies erfuhr das Handelsblatt aus Berliner Koalitionskreisen. Auch die USA sprechen sich für die Französin aus.

Kanzlerin Angela Merkel betrachte die französische Finanzministerin Christine Lagarde als international respektierte Finanzpolitikerin, mit der die Bundesregierung gut zusammenarbeite, hieß es am Donnerstag in den Kreisen. Lagarde gilt als fachlich exzellent und als international erfahren. Die Europäer verbinden mit Lagarde die Erwartung, dass sie als IWF-Chefin die Euro-Krise vordringlich managt. Ihre Benennung steht noch unter dem Vorbehalt, dass Lagarde wegen der Affäre Tapie in Frankreich nicht angeklagt wird. Nach Strauss-Kahn müsse der nächste Chef des IWF frei von juristischen Verwicklungen sein, heißt es in Berlin und Washington.

Lagarde wird in Paris Amtsmissbrauch vorgeworfen. Sie hatte vor Jahren dem Ex-Minister und Geschäftsmann Bernard Tapie durch Anrufung einer zivilen Schiedsstelle eine lange gerichtliche Auseinandersetzung mit dem französischen Staat erspart. Da der Staat aber das Verfahren vor der Schiedsstelle verloren hatte und seine Ansprüche gegen Tapie nicht mehr durchsetzen konnte, wird Lagarde Begünstigung vorgehalten.

Die Favoritin schweigt zu ihren Ambitionen. Auf die Frage, ob sie sich eine Kandidatur vorstellen könne, antwortete sie am Donnerstag nur mit einem Lächeln und einem kurzen „Vive l'Europe!“ (Es lebe Europa). Zuvor hatte sie allgemein gesagt: „Jede Kandidatur, welche auch immer es sein mag, wird von den Europäern ausgehen müssen. Sie müssen sich zusammentun.“

Ein französischer Staatssekretär hatte Lagarde als „sehr gute Kandidatin“ bezeichnet. Es werde allerdings schwierig für Frankreich werden, diesen Posten erneut französisch zu besetzen, sagte Thierry Mariani. „Nicht nur Frankreich träumt davon, den IFW-Direktor zu stellen.“

Kommentare (23)

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Max

19.05.2011, 15:38 Uhr

Schön langsam wird es nur noch Peinlich. War es nicht Frau Lagarde, die Deutschlands leistungsfähige Wirtschaft offen kritisierte?

Natürlich drängt Frankreich auf die Führung im IWF, da man offensichtlich ua. französische Banken über den IWF und Rettungsschirm sanieren möchte. Dieser Umstand dürfte auch unserer Regierung bekannt sein. Bleibt nur die Frage offen, warum man dennoch mitspielt.

Prenden

19.05.2011, 15:51 Uhr

Die hatte doch vorgeschlagen, dass Deutschland sein Defizit verringert, am besten über weniger Export oder Export seiner Technologie ins Ausland, damit sich alle annähern auf Kosten anderer.

Frankreich sollte aber als Kriegstreiber nicht auch wieder den Vorsitz des IWF annehmen und Frau Lagarde ist bisher nicht durch besondere Lösungvorschläge aufgefallen, eher sone Sitzenbleiberin wie Mutti.

R.Ruf

19.05.2011, 15:59 Uhr

In welcher merkwürdigen Position befindet sich Deutschland, das glaubt bei der Besetzung aller wichtigen internationalen und europäischen Führungsposten, zurückweichen und zurückstecken zu müssen? Ist das eine Strategie oder ist es kennzeichnend für die tatsächliche Macht- und Einflusslage?

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