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30.05.2011

21:56 Uhr

Strauss-Kahn-Nachfolge

Lagarde will IWF-Reformen weiterführen

IWF-Chefposten-Bewerberin Christine Lagarde will die begonnenen Reformen des IWF weiter vorantreiben. Nun wirbt sie in Brasilien um Zustimmung zu ihrer Kandidatur. Dabei ist sie in Frankreich ins Visier der Ermittler geraten.

Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde mit ihrem brasilianischen Amtskollegen Guido Mantegna. Quelle: Reuters

Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde mit ihrem brasilianischen Amtskollegen Guido Mantegna.

BrasilaFrankreichs Finanzministerin Christine Lagarde will im Falle ihrer Wahl zur IWF-Chefin die Reformen fortsetzen, um das Gewicht der Schwellenländer beim Internationalen Währungsfonds zu stärken. Das versicherte sie am Montag in Brasilien. Sie werde sich dafür einsetzen, die Prioritätensetzung beim IWF zu überdenken.

„Der Fonds muss seine Rolle kontinuierlich überprüfen, um sich anzupassen, wenn Umstände sich ändern“, sagte Lagarde nach einem Treffen mit Brasiliens Finanzminister Guido Mantega. Der hatte zuletzt klar gemacht, dass die Zeiten vorbei seien, in denen der IWF-Topjob automatisch einem Europäer zufalle. Lagarde, die in Brasilien auch Notenbankchef Alexandre Tombini traf, sagte mit Blick auf ihre Bewerbung: „Meine Kandidatur ist ein offener und transparenter Prozess. Die Wahl wird auf Verdienst beruhen. Die Tatsache, Europäerin und Französin zu sein, ist kein Vorteil, darf aber auch kein Nachteil sein.“

Im Rahmen ihrer Bewerbungskampagne will Lagarde auch China, Indien und den Nahen Osten besuchen. Am Mittwoch wird Mexikos Zentralbank-Chef Agustín Carstens in Brasilien erwartet. Auch er bewirbt sich um die Nachfolge des wegen eines Sexskandals zurückgetretenen Dominique Strauss-Kahn.

Brasiliens Finanzminister Mantega sperrte sich bei dem Treffen nicht kategorisch gegen eine neuerliche europäische Lösung an der IWF-Spitze. Auf mittlere und längere Sicht sei bei der Besetzung des Postens aber ein Wechsel zwischen fortgeschrittenen Ländern und Schwellenländern wünschenswert. „Die Tatsache, dass der Fonds dabei ist, die europäische Krise zu lösen, bedeutet nicht, dass ein Europäer der geeignetste ist, um ihn (den IWF) zu führen“, sagte Mantega. Zugleich räumte er ein, dass die BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) keinen gemeinsamen Personalvorschlag haben. „Es gibt derzeit keinen Kandidaten der Schwellenländer.“

Während Lagarde auf Bewerbungstour weilt, werden aus ihrem Heimatland Frankreich neue Vorwürfe gegen sie laut. Ein französischer Geschäftsmann hat die Staatsanwaltschaft zu einer Untersuchung wegen Amtsmissbrauchs Lagardes aufgefordert. Jean-Marie Kuhn wirft der Ministerin vor, ihre Autorität bei einem Unternehmensverkauf ausgenutzt zu haben, wie aus seinem Schreiben an die Staatsanwaltschaft hervorgeht. Ein Mitarbeiter ihres Ressorts wies am Montag die Vorwürfe als „pure Fantasie“ zurück.

Es geht um den Verkauf des 25-prozentigen Anteils am Gasnetz des französischen Strom- und Gasproduzenten GDF Suez an die Staatsbank Caisse des Depots. Laut Kuhn wurden dabei Staatsgelder für eine Investition verwendet, die weder strategisch für das Finanzinstitut noch im öffentlichen Interesse war. Er wolle, dass die Rolle Lagardes bei dem Geschäft überprüft werde.

Lagarde befindet sich bereits im Visier der Justiz. Dabei geht um Beihilfe zur Veruntreuung öffentlicher Gelder in der Affäre um den Geschäftsmann Bernard Tapie. Ob es zu einem formalen Verfahren kommt, wird am 10. Juni entschieden.

Von

rtr

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