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01.07.2011

14:21 Uhr

Strauss-Kahn treibt Bestseller-Autor an

"Manchmal reicht die Phantasie nicht aus"

VonOliver Stock

Markus Will ist Autor des Bestsellers „Bad Bankers“. In seinem neuen Buch widmet er sich der Schuldenkrise. Darin muss er gerade einiges neu formulieren, weil ihn die Wirklichkeit überholt.

Markus Will: "Da gab es einen Epilog, auf den ich ein wenig stolz bin." Quelle: PR

Markus Will: "Da gab es einen Epilog, auf den ich ein wenig stolz bin."

Handelsblatt Online: Herr Will, Sie müssen ihr neuestes Buch „Der Schwur von Piräus“ umschreiben, weil Dominique Strauss-Kahn erst verhaftet wurde und nun womöglich wieder freikommt?

Markus Will: Wie heisst es so schön: "The jury is still out", aber es ist ganz klar eine dramatische Wende zu seinen Gunsten. Das muss ich beschreiben, klar! Ich mache das Ganze in einem Dialog meiner Figuren, in dem im Prinzip alle Seiten zu Wort kommen, weil die nicht einer Meinung sind.

Wird das ein Sachbuch?

Nein, ein Thriller. Aber eben einer, dem ein realer Zeitstrang zu Grunde liegt, auf dem die Fiktion aufgebaut ist.

Verstehe ich nicht . . .
Es geht um den Weltwährungskrieg, um die Krise in der Eurozone und die Währungsspekulationen zwischen China und den USA. Die Handlung beginnt im Jahr 2010 und reicht in die Gegenwart, nimmt also auch noch die aktuellen Debatten und Demonstrationen in Athen im Parlament und davor auf dem Syntagma-Platz auf. Die Treffen der Wirtschaftsführer in Davos, die Verhandlungen um den Euro-Rettungschirm – all das kommt vor. Der IWF spielt dabei natürlich auch eine zentrale Rolle und damit auch Strauss-Kahn. Fiktion ist, dass ich einen Büroleiter von Strauss-Kahn erfunden habe, der einer der Hauptfiguren in dem Roman ist.

Und da sind Sie von der Wirklichkeit überholt worden?
Für das, was wirklich geschieht, reicht die Phantasie manchmal gar nicht aus. Sowohl in New York als aber auch in Athen. Gucken Sie sich doch die Situation in Griechenland an: Da wird der Verteidigungsminister mit einmal Finanzminister und sagt so einen Satz wie: „Jetzt ziehe ich in den wirklichen Krieg.“ Das kann man gar nicht besser erfinden.

An welche Strauss-Kahn-Version glauben Sie? Ist er schuldig oder war es eine Verschwörung?
Das lasse ich offen, auch nach der aktuellen Entwicklung, ich bin kein Richter, ich berichte nur, aber es sich sicher eine Entwicklung, die den "Verschwörern" Nahrung gibt. Was für eine Geschichte, das muss man sich einmal vorstellen!. Aber Sie können als Romanautor ja nicht über real existierende Figuren urteilen, sie verurteilen oder freisprechen.

Wenn Sie so aktuell sind - wird ihr Buch dann nicht ganz schnell alt?
Nein, die eigentliche Romanhandlung ist zeitunabhängig. Erstens gibt es immer wieder einige Spione und ein paar Morde auf der Strecke und zweitens geht es um das Thema eines Weltwährungssystems, und das ist in fünf Jahren auch noch interessant. Egal, ob eine der Währungen auf der Welt dann noch Euro heißt oder nicht.

Weltwährungssystem klingt nicht gerade nach einer Thriller-Handlung . . .
Ich setze da an, wo ich bei meinem vorherigen Buch, dem „Bad Banker“ aufgehört habe. Da gab es einen Epilog, auf den ich ein wenig stolz bin, weil da eine Formulierung steht, die "Lehmans griechische Stiefbrüder" lautet. Die Hauptfiguren aus dem Buch, die Journalistin Carla Bell und der Bankmanager Carl Bensien sind wieder dabei. Bensien ist Auftraggeber eines Quartetts, das sich als Studenten geschworen hat, ein stabiles Währungssystem zu schaffen. Bensien aktiviert angesichts der Währungskrisen diese Viererbande.

Wie kommen Sie auf das Thema?
Ich habe Währungspolitik studiert. Die Theorie kann ich noch ganz gut. Und dann müssen Sie ja nur zuschauen, was um uns herum passiert. Und sich solche Sätze wie den von  Weltbankpräsident Robert Zoellick merken, der dafür plädiert hat, einen Goldstandard wieder einzuführen.

Kommentare (4)

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01.07.2011, 15:18 Uhr

Ja, in diesem Land werden noch einige überholt und deshalb wohl noch mehr Überrollt.
.

Account gelöscht!

01.07.2011, 16:07 Uhr

10.2.2011 - UK Telegraph

"Dominique Strauss-Kahn, managing director of the International Monetary Fund, has called for a new world currency that would challenge the dominance of the dollar and protect against future financial instability.....

He suggested adding emerging market countries' currencies, such as the yuan, to a basket of currencies that the IMF administers could add stability to the global system....Strauss-Kahn saw a greater role for the IMF's Special Drawing Rights, (SDRs) which is currently composed of the dollar, sterling, euro and yen, over time but said it will take a great deal of international cooperation to make that work."

http://www.telegraph.co.uk/finance/currency/8316834/International-Monetary-Fund-director-Dominique-Strauss-Kahn-calls-for-new-world-currency.html

Account gelöscht!

01.07.2011, 16:22 Uhr

1.7.2011 - Bloomberg

Strauss-Kahn Prosecutors Said to Agree to Release on His Own Recognizance

Prosecutors agreed to release former International Monetary Fund chief Dominique Strauss-Kahn on his own recognizance, two people familiar with the matter said.

http://www.bloomberg.com/news/2011-07-01/strauss-kahn-prosecutors-said-to-agree-to-release-on-his-own-recognizance.html

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