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12.11.2015

13:22 Uhr

Streik in Griechenland

Tsipras bekommt die Wut der Griechen zu spüren

Die linke Regierung in Athen gerät unter Druck: Mit einem massiven 24-Stunden-Streiks wollen die Gewerkschaften den Sparkurs des Krisenlandes stoppen. Bei einer Demo in Athen fliegen Steine und Brandsätze.

Experte zu Griechenland-Krise

„Tsipras ist mächtiger als Frau Merkel“

Experte zu Griechenland-Krise: „Tsipras ist mächtiger als Frau Merkel“

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AthenEin landesweiter Streik gegen die griechische Sparpolitik hat das öffentliche Leben in dem Krisenland am Donnerstag weitgehend lahm gelegt. Der „Generalstreik“, wie ihn die Gewerkschaften nannten, sollte 24 Stunden dauern. Es ist der erste größere Streik gegen die Politik des linken Regierungschefs Alexis Tsipras. „Wir kämpfen gegen die Verelendung - stoppt das Sparprogramm jetzt“, skandierten die Demonstranten. Am Rande einer Demonstration in Athen mit mehreren Tausend Teilnehmern bewarf eine Gruppe von etwa 300 Vermummten die Polizei mit Brandsätzen und Steinen. Die Beamten antworteten mit Tränengas und Blendgranaten, berichteten Augenzeugen.

Bestreikt wurden Ministerien, Behörden, Schulen, Theater, der Nahverkehr sowie die Bahnen und Fähren, teilten die Gewerkschaftsverbände des staatlichen und privaten Bereichs (ADEDY und GSEE) sowie die kommunistische Gewerkschaft (PAME) mit. Auch fast alle Inlandsflüge fielen aus, internationale Flüge wurden hingegen normal abgefertigt, sagte eine Sprecherin des Flughafens Athen. 

Das verlieren die Euro-Länder, wenn Griechenland pleitegeht

Deutschland

88,7 Milliarden Euro

Frankreich

67,9 Milliarden Euro

Italien

59,2 Milliarden Euro

Spanien

40,5 Milliarden Euro

Niederlande

19,3 Milliarden Euro

Belgien

11,9 Milliarden Euro

Österreich

9,4 Milliarden Euro

Finnland

6 Milliarden Euro

Portugal

4,5 Milliarden Euro

Slowakei

2,9 Milliarden Euro

Irland

2,7 Milliarden Euro

Slowenien

1,6 Milliarden Euro

Quellen

IWF, EU-Kommission, EFSF, ESM, EZB, Bank of Greece, Berechnungen des ifo Instituts.

Ärzte in staatlichen Krankenhäusern behandelten nur Notfälle. „Wir brauchen dringend Personal. Die Krankenhäuser brechen zusammen“, sagte der Orthopäde Giorgos Tagaris der Deutschen Presse-Agentur. Auch die meisten archäologischen Stätten wie die Akropolis von Athen und Museen blieben geschlossen. Die Müllabfuhr streikte. Sogar die Musikkapelle der Stadt Athen war bei den Protesten dabei und begleitete sie mit Musik. Radio und Fernsehen sendeten ab 06.00 Uhr Ortszeit (05.00 MEZ) keine Nachrichten mehr, weil auch die Journalisten streiken. Aus diesem Grund sollten am Freitag auch keine Zeitungen erscheinen.

Tsipras hatte zum Beginn seiner ersten Amtszeit im Januar versprochen, er werde das Sparprogramm in harten Verhandlungen mit den Gläubigern beenden. Im Juli musste er dann aber angesichts der Gefahr eines Staatsbankrotts ein neues Sparprogramm akzeptieren, um Milliardenhilfen der europäischen Geldgeber zu erhalten. Anschließend rief er Neuwahlen für den 20. September aus, die er trotz der Kehrtwende gewann. Athen soll im Gegenzug für weitere harte Sparmaßnahmen - darunter die weitere Kürzung von Renten und Gehältern - mit bis zu 86 Milliarden Euro unter die Arme gegriffen werden.

Analysten sahen in dem Streik ein Kräftemessen zwischen Regierung und Gewerkschaften. Zahlreiche Demonstranten hatten in Athen Luftballons dabei, auf denen geschrieben stand: „Die Worte (Wahlversprechen) des Alexis Tsipras“. Damit meinten sie, die Versprechen von Tsipras seien nicht viel mehr als Luft.

Von

dpa

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