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06.09.2011

13:50 Uhr

Streit eskaliert

Erdogan stoppt Handel mit Israel

Die Türkei gibt im Gaza-Streit nicht nach. Ministerpräsident Erdogan will die Sanktionen gegen Israel noch verschärfen. Nun sollen auch Handelsbeziehungen ausgesetzt werden.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. dpa

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan.

IstanbulDer Streit zwischen der Türkei und Israel um den blutigen israelischen Militäreinsatz gegen ein Schiff der Gaza-Flotte eskaliert. Nach der militärischen Kooperation der bisherigen Verbündeten würden jetzt auch die Handelsbeziehungen auf Eis gelegt, sagte der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan am Dienstag in Ankara. Zugleich bestätigte er, dass er einen Besuch im Gazastreifen plane. Stattfinden könnte dieser während eines für den 12. September angekündigten Aufenthaltes Erdogans in Kairo. Darüber müsse aber noch mit Ägypten gesprochen werden.

„Immer spielt Israel die Rolle des verzogenen Sohnes“, sagte Erdogan. Die Türkei stehe entschlossen gegen das Land, dessen Vorgehen den „Geruch von Staatsterrorismus“ trage. Ankara werde verschiedene weitere Sanktionen nutzen. Die Türkei hatte am Freitag den israelischen Botschafter ausgewiesen und alle Militärabkommen mit Israel auf Eis gelegt. Auslöser war ein Untersuchungsbericht der Vereinten Nationen über die blutige Erstürmung eines Schiffes der Hilfsflotte für den Gazastreifen. Dabei hatten israelische Elitesoldaten am 31. Mai 2010 neun türkische Aktivisten getötet. In dem Untersuchungsbericht wird Israels Position in wesentlichen
Punkten gerechtfertigt.

Erdogan kündigte auch an, dass türkische Schiffe im östlichen Mittelmeer mehr Präsenz zeigen würden. Genauere Angaben machte er dazu nicht. Türkische Medien hatten berichtet, geplant sei eine häufigere Entsendung von Marineschiffen. Inzwischen hat der Streit auch Auswirkungen auf den Reiseverkehr zwischen beiden Staaten. Touristen beider Seiten beklagen Schikanen und Demütigungen an den Flughäfen. So seien sie von Sicherheitsleuten gezielt herausgesucht und gezwungen worden, sich für Untersuchungen zu entkleiden. Ein türkischer Flughafenmanager sagte Medienberichten zufolge, die Vorgehensweise sei Reaktion auf eine israelische Praxis.

Von

dpa

Kommentare (12)

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flyingfridge

06.09.2011, 14:10 Uhr

"Dabei hatten israelische Elitesoldaten am 31. Mai 2010 neun türkische Aktivisten getötet."
Das stimmt doch gar nicht. Die Untersuchung hat eindeutig gezeigt, dass sich die Elitesoldaten nur selbst verteidigt haben und die türkischen Aktivisten bei dieser Notwehr leider tödlich verunglückt sind. Auch das Abseilen aus Hubschraubern auf das Schiff war ein Akt purer Verteidigung.

CoRo11

06.09.2011, 14:16 Uhr

Die Ironie Deines Kommentares ist schon zum schmunzeln - traurigerweise glauben so auch viele daran.

Wie dem auch sei - es wagt sich endlich mal einer der "Freunde" einem Staat wie der-sich-einfach-alles-erlauben-kann und sich-über-alles-in-dieser-welt-hinwegsetzt Israel paroli zu bieten - und das völlig zurecht!

Account gelöscht!

06.09.2011, 14:36 Uhr

Es soll bloss keiner sagen, dass Politiker nicht wie Kindergartenkinder agieren. Das hier ist das beste Beispiel. Es gibt in der Region wahrhaft größere Probleme als die überzogene Attacke Israels auf auf Konfrontation gebürstete Pseudofriedensaktivisten. Also zusammensetzen, türkischen Mokka trinken, Baklavas essen und die Sache friedlich beilegen.

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