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21.05.2015

13:50 Uhr

Streit im Südchinesischen Meer

China warnt US-Überwachungsflugzeug

Die Lage im Südchinesischen Meer ist heikel. China baut Einrichtungen auf umstrittenen Inseln, während die USA ihre militärische Präsenz demonstrativ verstärken. Wachsen die Spannungen zwischen den Rivalen?

Sechs Länder erheben ganz oder teilweise Anspruch auf die Spratly-Inselgruppe im Südchinesischen Meer: China, Vietnam, Taiwan, Brunei, Malaysia und die Philippinen. ap

Umstrittene Inseln

Sechs Länder erheben ganz oder teilweise Anspruch auf die Spratly-Inselgruppe im Südchinesischen Meer: China, Vietnam, Taiwan, Brunei, Malaysia und die Philippinen.

PekingIm Territorialstreit zwischen China und seinen Nachbarn um Inseln und Riffe im Südchinesischen Meer ist es zu einem Zwischenfall zwischen China und den USA gekommen. Die chinesische Marine warnte ein amerikanisches Überwachungsflugzeug am Mittwoch achtmal und forderte es auf, das umstrittene Gebiet um neu aufgeschüttete Inselposten zu verlassen, wie der US-Fernsehsender CNN am Donnerstag berichtete. Der Pilot des P8-A-Poseidon-Fliegers weigerte sich demnach und verwies darauf, dass er sich in internationalem Luftraum befinde.

Das US-Militär hatte ein CNN-Team an Bord des Flugzeugs genommen, um Bewusstsein für seine Herausforderungen in dem strittigen Seegebiet zu schaffen. Chinas Außenministerium verteidigte das Vorgehen an den Inseln, über die China „unbestreitbare Souveränität“ ausübe. China habe das Recht, das Gebiet zu überwachen, „um die nationale Sicherheit zu wahren und Zwischenfälle auf See zu vermeiden“, sagte Außenamtssprecher Hong Lei in Peking. Andere Länder sollten Chinas Position respektieren, und die Lage nicht komplizierter machen.

China gewinnt verstärkt Land an kleinen Atollen und Riffen oder baut Anlagen, um seine territorialen Ansprüche zu bekräftigen, während die USA demonstrativ ihre Präsenz mit Flugzeugen ausweiten und möglicherweise auch Schiffe schicken wollen. „Hier ist die chinesische Marine ... hier ist die chinesische Marine ... gehen sie bitte schnell weg ... um Missverständnisse zu vermeiden“, zitierte CNN aus den englischsprachigen Funksprüchen. „Gehen sie weg!“

China im Streit mit den Nachbarn

Streitpunkt Aufrüstung

Chinas Aufrüstung wird von den Nachbarländern kritisch verfolgt. Peking streitet über Territorien im Ostchinesischen und Südchinesischen Meer. Zudem ist das Tauziehen um Nordkoreas Atomwaffenprogramm ein Dauerthema.

Quelle: dpa

Ostchinesisches Meer

Die chinesisch Diaoyu und japanisch Senkaku genannten Inseln 200 Kilometer nordöstlich von Taiwan sind nur unbewohnte Felsen. Angesichts großer Fischbestände und vermuteter Gas- und Ölvorkommen sind sie aber von strategischer Bedeutung. China macht alte Ansprüche auf das heute von Japan verwaltete Territorium geltend. Der Streit flammte 2012 neu auf, als Japans Regierung drei Inseln von privater Hand kaufte. In China gab es heftige japanfeindliche Proteste. Die Fronten sind verhärtet.

Südchinesisches Meer

China streitet mit Vietnam um die Paracel genannten 130 Korallen-Inseln südöstlich von Hainan. Außerdem ringt China mit seinen Nachbarn um die Spratly-Inseln genannten 200 Korallenriffe und Sandbänke, die ganz oder teilweise von Vietnam, Taiwan, den Philippinen, Malaysia und Brunei beansprucht werden. In dem Gebiet an wichtigen Schifffahrtswegen werden Öl- und Gasvorkommen vermutet. Die Philippinen haben 2013 den Seegerichtshof in Den Haag angerufen. Doch erkennt China das Verfahren nicht an.

Nordkorea

Trotz diplomatischer Isolation und Armut im Lande baut Nordkorea eine Atomstreitmacht auf, die als große Bedrohung angesehen wird. Nordkorea hat seit 2006 drei Atomtests durchgeführt. Nach US-Einschätzung ist Nordkorea heute prinzipiell in der Lage, einen Atomsprengkopf für eine Interkontinentalrakete zu bauen. Die Sechser-Gespräche über ein Ende des Atomprogramms mit Nordkorea, China, den USA, Russland, Südkorea und Japan sind seit 2009 eingefroren. Pjöngjang unterstellt den USA eine feindselige Politik.

Die USA erkennen den Territorialanspruch Chinas weit ab von seiner Küste nicht an. In dem Gebiet werden große Bodenschätze vermutet, liegen wichtige Schifffahrtswege. Auch Vietnam, die Philippinen, Malaysia, Brunei und Taiwan erheben ganz oder teilweise Ansprüche auf die Inseln, Korallen-Riffe oder Sandbänke.

„Beide Seiten sind ziemlich zurückhaltend und nehmen defensive Haltungen ein - keiner ist offensiv“, sagte der Militärexperte Zhao Chu, Vizedirektor des Shanghaier Instituts für Strategie und Verteidigung der Deutschen Presse-Agentur. Von einem militärischen Konflikt wollte der Experte nicht sprechen: „Es ist eher symbolisch.“

Nach US-Angaben hat China damit begonnen, bei den Spratly-Inseln an fünf Stellen Land zu gewinnen und Konstruktionen zu errichten, wo vorher nur Korallenriffe und Sandbänke waren. Nach Angaben der US-Denkfabrik Foreign Policy Research Institut (FPRI) wurden in zwei Jahren 800 Hektar neues Land geschaffen.

US-Experten gehen davon aus, dass Hafeneinrichtungen, Kommunikations- und Überwachungsanlagen und mindestens eine Landbahn gebaut werden. Außenamtssprecher Hong Lei sprach von Einrichtungen für Meeresforschung, Fischerei, Wetterbeobachtung und Katastrophenschutz. Auch hat China seine Präsenz mit Schiffen verstärkt.

2001 entwickelte sich eine Krise zwischen den USA und China aus einem Zwischenfall mit einem Aufklärungsflugzeug in dem Gebiet. Nach einer Kollision mit dem US-Flieger war ein chinesischer Kampfjet abgestürzt und die amerikanische Maschine auf der südchinesischen Insel Hainan notgelandet. Die 24-köpfige Besatzung wurde elf Tage festgehalten.

Zahlen und Fakten zu China

Bevölkerung

China ist mit 1,37 Milliarden Menschen das bevölkerungsreichste Land der Erde.

Fläche

Auf einer Fläche von rund 9,5 Millionen Quadratkilometern ist China in 22 Provinzen und fünf Autonome Regionen gegliedert.

Sonderverwaltungszonen

Dazu kommen die beiden Sonderverwaltungsregionen Hongkong und Macau.

Hauptstadt

Die Hauptstadt des Reichs der Mitte ist Peking. Dort allein leben mehr als 20 Millionen Menschen – und das sind nur die offiziellen Zahlen.

Han und Minderheiten

Die große Mehrheit der Bevölkerung sind Han-Chinesen (91,6 Prozent), dazu kommen 55 Minderheiten.

Religion

Rund ein Fünftel der Bevölkerung hängt Volksreligionen an, dazu kommen sechs Prozent Buddhisten und 2,4 Prozent Muslime.

Stadt und Land

Mit 749 Millionen Menschen lebt die Mehrheit der Bürger (55 Prozent) in Städten.

Von

dpa

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