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18.09.2012

16:02 Uhr

Streit mit China

Konflikt bedroht Japans Wirtschaft

VonMartin Kölling, Finn Mayer-Kuckuk

Immer besorgter schaut die Welt nach Asien. Im Streit um eine Inselgruppe verhärten sich die Fronten zwischen Japan und China. Japan will seien Seewege schützen und fürchtet ernsthafte Schwierigkeiten für die Wirtschaft.

Anti-Japan-Demonstranten zerstören ein Nissan-Autohaus in Qingdao. Reuters

Anti-Japan-Demonstranten zerstören ein Nissan-Autohaus in Qingdao.

Der eskalierende Konflikt zwischen China und Japan um eine unbewohnte Inselgruppe hat nun auch konkrete Auswirkungen auf das Wirtschaftsleben. In mehreren chinesischen Städten wurden japanische Einrichtungen zum Ziel von Anschlägen. Der Kamera- und Druckerhersteller Canon schloss gestern sogar drei wichtige Werke und wollte sie frühestens am heutigen Dienstag wieder anfahren. „Damit wollen wir die Sicherheit von allen unseren Angestellten sicherstellen, inklusive chinesischer Mitarbeiter“, sagte ein Canon-Sprecher.

Auch eine Fabrik des Elektronikherstellers Panasonic in der ehemaligen deutschen Kolonie Qingdao steht still. Der Grund ist hier Brandstiftung durch einen nationalistischen Mob. Das Unternehmen prüfe derzeit noch, wie lange die Reparaturen dauern werden, teilte ein Sprecher mit. Derweil standen Autohäuser des japanischen Autokonzerns Toyota in Flammen.

Auch Kleinunternehmer litten unter der antijapanischen Stimmung: Sushi-Restaurants in der Nähe der Brennpunkte von Protesten bleiben in diesen Tagen geschlossen. Eine aufgebrachte Menge verwüstete ein japanisches Kaufhaus in Suzhou.

Die Senkaku-Inseln sind seit mehreren Jahren das Objekt eines Streits zwischen China und Japan: Beide Seiten beanspruchen die unwirtlichen Felsen für sich. Die Konfrontation hat sich zuletzt zugespitzt, nachdem Japan die Inseln von einem Privatmann gekauft hatte. Die Regierung überwies umgerechnet 20 Millionen Euro an die Besitzer, die Familie Kurihara. Die Absicht war zwar, einem konkurrierenden Angebot von Nationalisten zuvorzukommen – doch Peking fasste die Verstaatlichung als Provokation auf.

Die Drohung mit einem Handelskrieg alarmiert Japan nun – China ist der wichtigste Handelspartner. Der Export in das Nachbarland ist ein wichtiger Hoffnungsträger für die lahmende Konjunktur: Im vergangenen Jahr stieg der gegenseitige Handel um 14 Prozent auf 345 Milliarden Dollar. Außenminister Gemba versicherte daher eilig, dass die Regierung die größtmöglichen Anstrengungen unternehmen werde, um zu verhindern, dass der Streit das "große Bild" beeinträchtige, sprich die engen wirtschaftlichen Beziehungen.

Vor allem die Industrie ist auf China angewiesen. Autobauer Toyota hat erst vorigen Monat erklärt, dass er seinen Absatz in China bis 2015 auf 1,8 Millionen Autos verdoppeln und damit die am meisten verkaufte Marke werden will. Nissan hat sogar das Hauptquartier für seine Luxusmarke Infiniti von Yokohama nach Hongkong verlegt, um dem Schlüsselmarkt nahe zu sein.

Kommentar: Gefährliche Zündelei

Kommentar

Gefährliche Zündelei

China und Japan steuern im Streit um die unbewohnte Inselgruppe hartnäckig auf eine Konfrontation zu – weil sie glauben, den Konflikt klein halten zu können. Doch der Funke könnte alte Streitpunkte wieder neu entfachen.

Das Reich der Mitte ist zugleich einer der wichtigsten Abnehmer für High-Tech-Bauteile, Maschinen und Produktionsanlagen. Zusätzlich drängen auch Konsumgüterhersteller und Dienstleister nach China, um profitabel zu wachsen. Restaurantketten etwa expandieren von ihrem alternden Heimatmarkt aus in das schnell wachsende Nachbarland und haben dort bisher großen Erfolg. Der Sushi-Riese Sushiro will in den kommenden Jahren Hunderte Filialen in China aufbauen.

Kommentare (1)

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Michigan

19.09.2012, 17:27 Uhr

Ha,ha da hat Toyota Pech gehabt. GM verkauft in China die meisten Autos und wird von dem Konflikt profitiren. Sehr wahrscheinlich das GM deswegen auch 2012 Weltmarktführer bleibt nachem VW in Euro weniger Autos verkauft.

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