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29.04.2017

09:24 Uhr

Streit mit den USA

Nordkorea feuert erneut Rakete ab

Nordkorea testet abermals trotz internationaler Untersagungen eine ballistische Rakete - der Test schlägt laut verschiedener Berichte jedoch fehl. Unklar ist, was das geplante Ziel der Rakete war.

Streit mit USA

Nordkorea testet trotz Warnungen erneut Rakete

Streit mit USA: Nordkorea testet trotz Warnungen erneut Rakete

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SeoulEine nordkoreanische ballistische Mittelstreckenrakete ist nach Angaben Südkoreas und der USA am Samstag offenbar kurz nach dem Start gescheitert. Für Nordkorea ist es der dritte Test-Misserfolg in diesem Monat. Er sendet zugleich eine klare Botschaft des Trotzes angesichts Übungen eines US-Flugzeugträgers in nahegelegenen Gewässern. US-Präsident Donald Trump schrieb auf Twitter, Nordkorea habe „die Wünsche Chinas & seines hoch respektierten Präsidenten“ mit dem fehlgeschlagenen Raketentest missachtet.

Nordkoreanische Tests ballistischer Raketen sind von den Vereinten Nationen verboten, weil sie als Teil des Strebens des Nordens nach einer mit einem Atomsprengkopf ausgestatteten Rakete gesehen werden, die das US-Festland erreichen kann. Das Timing des Tests war auffällig: Nur Stunden zuvor hatte der UN-Sicherheitsrat ein Ministertreffen zu Pjöngjangs wachsendem Waffenprogramm abgehalten. Nordkoreanische Vertreter boykottierten das Treffen, das von US-Außenminister Rex Tillerson geleitet wurde.

Nach Angaben des südkoreanischen Militärs flog die Rakete mehrere Minuten lang und erreichte eine maximale Höhe von 71 Kilometern, bevor sie offenbar scheiterte. Aus US-Behördenkreisen verlautete, dass es sich wahrscheinlich um eine ballistische Rakete vom Typ KN-17 mit mittlerer Reichweite gehandelt habe. Sie sei wenige Minuten nach dem Start zerbrochen. Der japanische Chefkabinettssekretär Yoshihide Suga sagte nach einem Treffen des japanischen Nationalen Sicherheitsrats, die Rakete sei vermutlich rund 50 Kilometer gereist und landeinwärts in Nordkorea abgestürzt.

Nordkorea: Drohung im Gleichschritt

Nordkorea

Drohung im Gleichschritt

Zum 105. Geburtstag des Staatsgründers Kim Il-sung protzt Nordkorea mit einer Militärparade. Das Regime zeigt unter anderem eine neue Interkontinentalrakete – und verschärft den Ton gegenüber den USA.

Laut Analysten ist die KN-17 eine neue Rakete vom Typ Scud, die von Nordkorea entwickelt wurde. Der Norden hatte die gleiche Raketenart am 16. April abgefeuert, doch bezeichneten US-Vertreter diesen Start als gescheitert. Analysten zufolge könnte auch eine Rakete, die der Norden am 5. April testete, eine KN-17 gewesen sein. US-Vertreter hatten die Rakete als eine Scud-Variante identifiziert und erklärt, dass das Geschoss außer Kontrolle geraten und ins Meer gestürzt sei.

Der südkoreanische Analyst und Ex-Militäroffizier Moon Seong Mook sagte, der Norden würde wertvolle Kenntnisse auch aus gescheiterten Raketenstarts gewinnen. „Sie könnten verschiedene Dinge testen, wie den Schub des Raketenantriebs“, sagte Moon. „Ein Scheitern ist ein Scheitern, aber das bedeutet nicht, dass der Start bedeutungslos war.“

Die beiden vorherigeren Starts waren von einer Ostküstengegend ausgeführt worden, die Rakete am Samstag wurde aber im Westen abgefeuert, von einer Gegend nahe Pukchang, nördlich der Hauptstadt Pjöngjang.

Das südkoreanische Außenministerium verurteilte den Start als „offensichtliche“ Verletzung von UN-Resolutionen und jüngste Zurschaustellung von Nordkoreas „Kriegslust und Rücksichtslosigkeit“.

Trump, Nordkorea und Raketen – eine Chronik

28. Januar

Experten berichten, dass Nordkorea den umstrittenen Atomreaktor in Yongbyon wieder in Betrieb genommen habe.

Quelle: dpa

12. Februar

Pjöngjang testet eine ballistische Mittel-Langstreckenrakete. Bei Tausenden Kilometern Reichweite könnte sie einen Atomsprengkopf transportieren. Zur gleichen Zeit besucht der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe Trump in Washington.

1. März

Die USA und Südkorea beginnen ihre jährlichen gemeinsamen Militärübungen, die bis zum 30. April dauern sollen.

6. März

Nordkorea feuert vier ballistische Raketen ab – drei davon seien erst in der 200-Seemeilen-Zone vor Japan ins Meer gestürzt, heißt es aus Tokio. Nach Angaben nordkoreanischer Staatsmedien richtet sich die Übung gegen US-Stützpunkte in Japan.

7. März

Die US-Streitkräfte teilen mit, dass mit der umstrittenen Stationierung eines neuen Raketenabwehrsystems in Südkorea begonnen worden sei. Die ersten Elemente des Systems seien eingetroffen.

16.-19. März

Auf seiner Reise nach Japan, Südkorea und China erklärt US-Außenminister Rex Tillerson die bisherige „Politik der strategischen Geduld“ gegenüber Pjöngjang als gescheitert. Zwar sagt er, das Land müsse sich vor den USA „nicht fürchten“, schließt aber ein militärisches Vorgehen prinzipiell nicht aus. Die USA wollten in dem Konflikt enger mit China zusammenarbeiten.

22. März

Das südkoreanische Verteidigungsministerium teilt mit, dass dem nördlichen Nachbarn offensichtlich ein neuerlicher Raketentest misslungen sei. Nach Angaben von US-Medien scheint die Rakete „innerhalb von Sekunden nach dem Start explodiert zu sein“.

2. April

Trump kündigt in einem Interview der „Financial Times“ an, Nordkoreas Atomwaffenprogramm notfalls im Alleingang zu stoppen.

6. April

Beim Besuch des chinesischen Staatschefs Xi Jinping in den USA erklären beide Seiten, dass das nordkoreanische Atomprogramm ein „ernstes Stadium“ erreicht habe.

10. April

China und Südkorea kündigen bei weiteren Raketen- und Atomtests Nordkoreas neue Sanktionen an. Gleichzeitig droht Pjöngjang den USA wegen der Entsendung von Kriegsschiffen mit „härtesten Gegenmaßnahmen“. Die Volksrepublik sei für jede Art von Krieg bereit.

11. Aprl

Trump fordert China auf, seinen Einfluss auf Nordkorea geltend zu machen. „Andernfalls lösen wir das Problem ohne sie.“ Tags darauf lobt er China dafür, Schiffe mit Kohlelieferungen aus Nordkorea zurückgeschickt zu haben. Dies sei ein „großer Schritt“.

16. April

Von Entspannung keine Spur: Kurz vor der Ankunft von US-Vizepräsident Pence in Südkorea schießt Pjöngjang eine Rakete in den Himmel. Da sich Kim Jong-un von Drohungen unbeeindruckt zeigt, ist ein amerikanischer Schlag gegen Nordkoreas Atomanlagen nicht mehr undenkbar.

20. April

Die Anspannung zwischen Nordkorea und den Vereinigten Staaten spitzt erneut sich zu. Während US-Außenminister Rex Tillerson gegen das Atom- und Raketenprogramm vorgehen will, spricht Nordkorea eine letzte Warnung aus und demonstriert in einer Videosimulation anlässlich der Geburtstagsfeier des Staatsgründers Kim Il-sung die Vernichtung der USA durch nordkoreanische Atombomben.
Kurz nach den Kriegsdrohungen ist in Pjöngjang ein US-Bürger in Gewahrsam genommen worden.

Trotz UN-Verboten testet der Norden regelmäßig verschiedene ballistische Raketen als Teil seiner Waffenentwicklung. Während Raketen mit kürzerer Reichweite gewissermaßen Routine sind, gibt es bei Beobachtern starke Besorgnis wegen jedem nordkoreanischen Test einer ballistischen Rakete mit längerer Reichweite. Der Start vom Samstag kommt zu einer Zeit besonders hoher Spannungen. Trump hat ein nuklear betriebenes U-Boot und den Flugzeug-Superträger „USS Carl Vinson“ in koreanische Gewässer geschickt. Nordkorea führte diese Woche umfangreiche Schussübungen an seiner Ostküste aus. Die USA und Südkorea haben auch damit angefangen, ein Raketenabwehrsystem einzurichten, das innerhalb von Tagen teilweise betriebsfähig sein soll.

Trump setzt für eine friedliche Lösung der Atomkrise mit Nordkorea Hoffnungen auf China, ein Land, über das 90 Prozent des nordkoreanischen Handels läuft.

Von

ap

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