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09.01.2016

17:38 Uhr

Streit mit Iran

Golfländer stellen sich hinter Saudi-Arabien

Im Streit um die Exekution des Schiiten-Führers Nimr al-Nimr haben sich die Golfstaaten hinter Saudi-Arabien gestellt. Der Kooperationsrat rügte den Iran für eine „unverhüllte Einmischung“. Riad prüft weitere Sanktionen.

Die Spaltung der Schiiten und Sunniten

Frühe Spaltung

Nach dem Tod des Propheten Mohammed im Jahr 632 traten die Sunniten dafür ein, dass dessen Nachfolger als Anführer der Muslime durch die Gemeinschaft der Gläubigen gewählt wird. Die Schiiten dagegen beharrten darauf, dass nur Mohammeds Nachfahren zur Führung der Muslime berechtigt seien. Der Konflikt führte im Jahr 680 zur Schlacht bei Kerbela, in welcher der sunnitische Kalif Jasid den Propheten-Enkel Hussein und dessen Anhänger töten ließ. Seitdem gehört das Gefühl der Verfolgung zur Identität der Schiiten, die Verehrung der Märtyrer und ihrer Grabmäler ist ein fester Bestandteil ihrer Religion.

Religiöse Unterschiede

Viele Bräuche wie das fünfmalige Beten pro Tag und die Pilgerreise nach Mekka einmal im Leben werden von Sunniten und Schiiten befolgt. Für Schiiten gibt es allerdings noch mehrere weitere Wallfahrtsorte und zudem andere Feiertage, die der Verehrung von Nachfahren des Propheten gewidmet sind. Unterschiede gibt es auch bei Rechtsvorstellungen und der Rolle des Klerus, der bei den Schiiten eine strengere Hierarchie aufweist. Radikale Sunniten wie die Anhänger der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat betrachten die Schiiten als Ketzer und wollen deren Heiligtümer zerstören.

Zahlenmäßige Diskrepanz

Einer Studie des US-Instituts Pew aus dem vergangenen Jahr zufolge gibt es weltweit knapp 1,6 Milliarden Muslime, von denen etwa 90 Prozent den Sunniten und die übrigen zehn Prozent diversen schiitischen Strömungen zugerechnet werden. Im Nahen Osten und in der Golfregion driftet das Verhältnis jedoch weniger stark auseinander – im Iran, im Irak und in Bahrain stellen Schiiten die Mehrheit. Als sunnitisches Machtzentrum gilt Saudi-Arabien, wo sich die Pilgerorte Mekka und Medina befinden. Als oberste religiöse Instanz der Sunniten wird die Al-Ashar-Universität in Ägypten angesehen.

Riad/Abu DhabiIm Streit zwischen dem Iran und Saudi-Arabien droht eine weitere Eskalation. Der saudi-arabische Außenminister Adel al-Dschubeir erklärte am Samstag nach einer Sondersitzung mit Kollegen des Golf-Kooperationsrates (GCC), sein Land prüfe weitere Maßnahmen für den Fall, dass der Iran seine Politik fortsetze. Zudem verurteilte der Rat in einer gemeinsamen Erklärung eine Einmischung der Regierung in Teheran in die inneren Angelegenheiten Saudi-Arabiens. Im Text wird von „Terrorakten“ gesprochen, für die der Iran verantwortlich sei.

Die Golfstaaten haben sich einhellig hinter das sunnitische Saudi-Arabien gestellt. Die Außenminister des GCC verurteilten die „unverhüllte Einmischung“ des Irans in saudische Angelegenheiten und die Übergriffe auf die saudische Botschaft in der iranischen Hauptstadt Teheran. GCC-Generalsekretär Abdul Latif bin Raschid al-Sajani kündigte zugleich an, die Golfstaaten würden mehrere Maßnahmen gegen die „iranischen Angriffe“ ergreifen. Details nannte er nicht.

Saudi-Arabien hatte vor einer Woche den prominenten schiitischen Geistlichen Nimr al-Nimr und 46 weitere Menschen hingerichtet. Eine aufgebrachte Menge stürmte danach aus Protest die saudische Botschaft in Teheran. Riad und andere arabische Staaten brachen danach ihre diplomatischen Beziehungen zum Iran ab oder stuften sie herab. Dem von Saudi-Arabien dominierten GCC gehören noch Kuwait, Katar, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate und der Oman an.

Vor der Botschaft Saudi-Arabiens in der iranischen Hauptstadt kam es nach der Hinrichtung al-Nimrs mehrfach zu heftigen Protesten. Riad verurteilte die Angriffe. dpa

Saudi-arabische Botschaft in Teheran

Vor der Botschaft Saudi-Arabiens in der iranischen Hauptstadt kam es nach der Hinrichtung al-Nimrs mehrfach zu heftigen Protesten. Riad verurteilte die Angriffe.

Von

dpa

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