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18.03.2017

16:36 Uhr

Streit mit Nordkorea

Tillerson drängt China zur Zusammenarbeit

Die USA wollen das nordkoreanische Atomprogramm stoppen und hoffen dabei auf die Unterstützung Chinas. Doch die Führung in Peking verfolgt eigene Interessen und will eine Eskalation um jeden Preis vermeiden.

Atomprogramm

Neue Raketenentwicklung – Nordkorea ist „bereit für einen US-Krieg“

Atomprogramm: Neue Raketenentwicklung – Nordkorea ist „bereit für einen US-Krieg“

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PekingUS-Außenminister Rex Tillerson hat China zu einer engeren Zusammenarbeit gegenüber Nordkorea aufgefordert. Gemeinsam müssten Lösungen gefunden werden, um Pjöngjangs Atomprogramm zu stoppen, sagte Tillerson am Samstag nach einem Treffen mit seinem chinesischen Kollegen Wang Yi in Peking. Tags zuvor hatte der US-Außenminister in Seoul auch einen Präventivangriff gegen Nordkorea nicht mehr ausgeschlossen und gesagt: „Alle Optionen liegen auf dem Tisch“.

Trotz einiger Verstimmungen ist China nach wie vor der wichtigste Unterstützer Nordkoreas, sowohl auf diplomatischer als auch auf wirtschaftlicher Ebene. Die Führung in Peking will einen Sturz von Staatschef Kim Jong Un um jeden Preis verhindern, weil dann Hunderttausende Flüchtlinge über die gemeinsame Grenze strömen und die USA und Südkorea ihre Truppen noch näher an China stationieren könnten. Das Land ruft deshalb immer wieder zur Deeskalation von beiden Seiten auf. Vergangene Woche sprach Wang von „zwei beschleunigenden Zügen“, die aufeinander zurasten.

Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm (2016)

6. Januar 2016

Nordkorea führt seinen vierten Nukleartest aus. Nach eigenen Angaben wurde eine „miniaturisierte“ Wasserstoffbombe getestet. Experten ziehen die Angaben in Zweifel. (Quelle: AP)

7. Februar 2016

Nordkorea schießt nach eigenen Angaben eine Langstreckenrakete ins All.

9. März 2016

Machthaber Kim Jong Un erklärt, sein Land habe verkleinerte Atombomben entwickelt, die auf Raketen platziert werden können.

18. März 2016

Zum ersten Mal seit 2014 feuert Nordkorea eine Mittelstreckenrakete vom Typ Rodong ab. Das Geschoss fliegt rund 800 Kilometer weit, ehe es östlich des Landes ins Wasser fällt.

23. April 2016

Nordkorea schießt eine Rakete von einem U-Boot ab. Aus dem südkoreanischen Verteidigungsministerium heißt es daraufhin, das Geschoss habe eine Strecke von knapp 30 Kilometern zurückgelegt. Pjöngjang erklärt, der Start ziele darauf ab, die Atomsprengkopftechnologien voranzubringen.

22. Juni 2016

Washington und Seoul melden, dass Nordkorea zwei mutmaßliche Mittelstreckenraketen vom Typ Musudan abgefeuert hat. Diese Raketen könnten eines Tages in der Lage sein, weit entfernte Militärbasen der USA in Asien zu treffen. Pjöngjang gibt später bekannt, erfolgreich eine Mittelstreckenrakete getestet zu haben. Diese habe eine Höhe von 1400 Kilometern erreicht, bevor sie wie geplant in 400 Kilometer entfernten Gewässern gelandet sei.

19. Juli 2016

Nordkorea schießt drei Raketengeschossen ab. Zwei davon fliegen 500 bis 600 Kilometer weit. Die Tests sind nach Angaben der Führung in Pjöngjang Teil eines simulierten Präventivschlags auf südkoreanische Häfen und Flugplätze.

3. August 2016

Regierungsbeamten aus Südkorea und Japan zufolge legt eine nordkoreanische Mittelstreckenrakete einen Weg von rund 1000 Kilometern zurück und landet in der Nähe von japanischen Hoheitsgewässern. Es handelt sich vermutlich um eine Rodong-Rakete.

24. August 2016

Eine erneut von einem U-Boot abgefeuerte Rakete ist 500 Kilometer unterwegs, ehe sie nahe Japan ins Wasser stürzt. Kim erklärt, sein Land habe die Fähigkeit erlangt, einen vollausgerüsteten Atomangriff auszuführen. Auch das US-Festland befinde sich in Schlagdistanz.

5. September 2016

Wieder fliegen drei mutmaßliche Mittelstreckenraketen Nordkoreas fast 1000 Kilometer weit, ehe sie in Gewässern nahe Japan landen.

9. September 2016

Nordkorea hat nach eigenen Angaben einen nuklearen Sprengkopf erfolgreich zur Explosion gebracht.

Auch am Samstag appellierte Wang wieder für einen Dialog mit Nordkorea. Er sagte, sein Treffen mit Tillerson bereite den Boden für das im April geplante Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dessen chinesischem Kollegen Xi Jinping.

Tillerson erklärte, die USA und China stimmten im Bezug auf Nordkorea bereits in einigen Dingen überein. Beide seien sich einig, dass Pjöngjang eine Kurskorrektur vollziehen müsse. „Wir haben unsere Entschlossenheit zur Zusammenarbeit bekräftigt, um Nordkorea zu überzeugen, einen besseren Pfad und eine andere Zukunft für sein Volk zu wählen“, sagte der US-Außenminister.

Neben Wang sprach Tillerson auch mit dem außenpolitischen Berater von Präsident Xi. Den Staatschef selbst wollte er am Sonntag treffen, bevor er wieder nach Washington zurückreist.

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Nordkoreas Kim Jong-Un provoziert mit Raketentests und droht mit Atomschlägen. Die USA erwägen als Antwort nun eigene Militärschläge. Für Präsident Trump könnte der Konflikt mit einem unliebsamen Deal enden. Eine Analyse.

Auf seiner Tour durch Asien hatte der US-Außenminister zuvor Japan und Südkorea besucht. Dort wie in China war Nordkorea das bestimmende Thema. Auch den Territorialkonflikt im Südchinesischen Meer wollte Tillerson in Peking ansprechen, öffentlich äußerte er sich aber nicht dazu.

Das kommunistische, abgeschottete Nordkorea hat die Entwicklung von Waffen beschleunigt und dabei unter anderem mit Raketentests wiederholt gegen Resolutionen des UN-Sicherheitsrates verstoßen. Allein 2016 unternahm Nordkorea zwei Atomwaffentests und 24 Raketentests. Experten schließen nicht aus, dass die Regierung in Pjöngjang in wenigen Jahren über Raketen mit atomaren Sprengköpfen verfügt, die sogar die USA erreichen könnten.

Von

ap

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