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21.02.2016

16:30 Uhr

Streit mit US-Investoren

Argentinien sieht sich vor Lösung

Das Erbe der Regierung Kirchner lastet auf Argentiniens neuem Staatschef Macri. Vor allem der Schuldenstreit mit US-Investoren blockiert den Weg an den Kapitalmarkt. Die Regierung sieht sich nun vor einem Durchbruch.

„Macri raus“ steht an einer Bushaltestelle in Buenos Aires. Der argentinische Präsident Mauricio Macri steht vor einem schwierigen Neustart. ap

Mauricio Macri

„Macri raus“ steht an einer Bushaltestelle in Buenos Aires. Der argentinische Präsident Mauricio Macri steht vor einem schwierigen Neustart.

Buenos AiresArgentinien steht nach eigenen Angaben im milliardenschweren Streit mit ausländischen Gläubigern vor einem Durchbruch. Die Regierung von Präsident Mauricio Macri habe eine positive Bewertung des zuständigen US-Richters Thomas Griesa für den gemachten Vorschlag bekommen, sagte Kabinettschef Marcos Peña am Samstag dem Radiosender „Mitre“.

Es geht um die Rückzahlung alter Anleiheschulden, die aus der Staatspleite 2001 stammen. In den meisten Fällen hat die Regierung einen 27,5-prozentigen Abschlag auf die Schuldensumme angeboten, die sich auf rund neun Milliarden US-Dollar beläuft. Die Anleihen waren unter US-Recht ausgegeben worden, um sie für Investoren attraktiver zu machen - daher kommt Griesas Bewertung eine Schlüsselrolle zu.

Südamerika: Das Ende des Booms

Sinkende Rohstoffpreise belasten

Noch vor fünf Jahren war Südamerika eine der am schnellsten wachsenden Regionen weltweit. Sechs Prozent legten die Ökonomien südlich des Panamakanals 2010 zu. Doch dann begannen die Rohstoffpreise zu sinken: Eisenerz, Öl und Kupfer beendeten ihren Superzyklus, der Südamerika über Jahre hohe Exporteinnahmen und Kapitalzufuhren gesichert hatte. Inzwischen sieht es düster aus: Die UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (Cepal) rechnet damit, dass Südamerika dieses Jahr stagnieren wird. Die ausländischen Investitionen haben sich im vergangenen Jahr um 16 Prozent verringert. In einigen Staaten verstärken eine chaotische Wirtschaftspolitik und politische Krisen die Rezession.

Venezuela

Dort ist die Lage am schlechtesten: Die Wirtschaft des Öllandes schrumpft seit 2013, dieses Jahr wohl um ganze sieben Prozent laut IWF-Prognose. Die Inflation dürfte dieses Jahr auf über 100 Prozent steigen. Mit immer neuen Verstaatlichungen und Preiskontrollen versucht die diktatorisch agierende Regierung die Versorgung mit Nahrungsmitteln und Konsumgütern zu sichern – das gelingt immer weniger. Wenn der Ölpreis weiterhin so niedrig bleibt, könnte Venezuela sich bald gezwungen sehen, die Zahlungen der Auslandsschulden einzustellen. Der politische und wirtschaftliche Zusammenbruch wäre da kaum noch zu vermeiden.

Argentinien

Das Land ist nun schon seit über einer Dekade von den internationalen Finanzmärkten ausgeschlossen. Der Regierung von Präsidentin Cristina Kirchner bleibt nur noch wenig Zeit vor den Wahlen im Oktober. Bis dahin wird sich am protektionistischen Kurs und der harten Haltung gegenüber den Gläubigern nichts ändern. Die Wirtschaft stagniert dieses Jahr, könnte sich aber unter einer neuen Regierung erholen, weil die Agrarindustrie hochproduktiv ist. Entscheidend für eine Erholung ist neben einer neuen Wirtschaftspolitik vor allem die Höhe des Sojapreises.

Chile

Es galt seit Jahrzehnten als Musterland Lateinamerikas: Geringe Korruption, starkes Wachstum und Regierungen mit wirtschaftlicher Kompetenz. Doch nun sind Staat und Unternehmen in mehrere große Korruptionsskandale verwickelt. Und auch die Wirtschaft schwächelt. Weniger als drei Prozent dürfte Chile dieses Jahr wachsen – viel zu wenig für das Land in den Anden, das seit zwei Dekaden durchschnittlich um 4,5 Prozent wächst. Mit dem vorläufigen Ende des Rohstoffbooms wird die weiterhin hohe Abhängigkeit der chilenischen Wirtschaft vom Exportprodukt Kupfer deutlich. Positiv wirken sich jedoch die weiterhin hohen ausländischen Direktinvestitionen von 22 Milliarden Dollar 2014 aus – fast so viel wie im viel größeren Mexiko.

Peru

Die dortige Wirtschaft hält sich trotz seiner dominierenden Bergbauindustrie überraschend stabil, trotz der sinkenden Rohstoffpreise. Die Binnenkonjunktur brummt weiterhin. 3,8 Prozent wird das Land dieses Jahr wachsen, 2016 vielleicht sogar um 4,5 Prozent schätzt Cepal.

Kolumbien

Das Land entwickelt sich in Südamerika zunehmend als Stabilitätsinsel, obwohl die Wirtschaft des Landes auch stark abhängig ist von den sinkenden Ölexporten. Ausländische Investoren setzen weiterhin auf das Land, welches immer noch unter schlechter Infrastruktur nach dem jahrzehntelangen Bürgerkrieg leidet. Dieses Jahr dürfte Kolumbien um 3,4 Prozent wachsen.

Einige kleine Gläubiger haben die Offerten bereits akzeptiert, sechs Großgläubigern hat die Regierung 6,5 Milliarden Dollar geboten. Nur zwei dieser Kläger haben das Angebot Argentiniens bisher akzeptiert.

Die wichtigsten - die New Yorker Hedgefonds NML Capital und Aurelius - sind nicht darunter. Nach einer möglichen Einigung muss auch noch das Parlament in Buenos Aires den Weg freimachen. Damit könnte der Zustand einer technischen Zahlungsfähigkeit aufgehoben werden. Die Vorgängerregierung von Präsidentin Christina Kirchner hatte sich geweigert, zu zahlen und die Hedgefonds als Aasgeier beschimpft.

Von

dpa

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