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02.01.2006

20:25 Uhr

Streit Moskau-Kiew

Gazprom pumpt zusätzlich für Europa

Der Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine gibt Rätsel auf: Erst drehte der Gazprom-Konzern dem slawischen Nachbarn den Hahn ab, dann kam aus Moskau der Vorwurf, die Ukrainer zweigten Gas ab. Kiew wies das erwartungsgemäß zurück. Bleibt die Frage, warum in Westeuropa plötzlich der Druck in den Pipelines fällt. Gazprom will jedenfalls erst einmal "nachliefern".

Mehr Gas in Richtung Westen: Gazprom erhöht trotz Streits mit der Ukraine die Liefermengen in den Westen. Foto: dpa

Mehr Gas in Richtung Westen: Gazprom erhöht trotz Streits mit der Ukraine die Liefermengen in den Westen. Foto: dpa

HB MOSKAU. Nach dem Rückgang der Gaslieferungen über die Ukraine in die EU hat Russland eine Wiederherstellung des normalen Niveaus zugesichert. Bis Dienstagabend werde Europa wieder voll versorgt werden, wurde der Stellvertretende Vorsitzende des Staatskonzerns Gasprom, Alexander Medwedew, am Montag von russischen Nachrichtenagenturen zitiert. Die Ukraine wies den von Gasprom erhobenen Vorwurf zurück, sie habe für Mittel- und Westeuropa bestimmtes Gas zur eigenen Verwendung abgezweigt.

Die Ukraine selbst wird von Gasprom seit Sonntag nicht mehr beliefert. 80 Prozent der für die EU und Südosteuropa bestimmten russischen Gasexporte fließen jedoch über ihr Territorium. Gasprom zufolge schöpfte die Ukraine 95 Mill. Kubikmeter Gas aus den Pipelines ab, dies entspreche einem Wert von umgerechnet 21 Mill. Euro. Der ukrainische Energieminister Iwan Platschkow versicherte indes, die russischen Exporte nach Europa würden vollständig weitergeleitet.

Hintergrund: Die Abnehmer vom Erdgas aus Russland

Ein Abfall der Gasmenge in den über die Ukraine führenden Pipelines wurde am Montag in Deutschland, Österreich, Frankreich, Ungarn, Polen, der Slowakei, Kroatien, Slowenien und Serbien registriert. Der größte deutsche Importeur von russischem Erdgas, Wintershall, sprach von einer spürbaren Verringerung der Liefermengen. Die Versorgung der Haushalte und auch der Großabnehmer sah das Unternehmen dennoch nicht gefährdet.

Von den Ausfällen am schwersten betroffen war Serbien, das nur noch halb so viel Gas aus Russland erhielt wie sonst. Hier drohten auch Versorgungsengpässe, Srbija Gas teilte mit, vorrangig würden jetzt Krankenhäuser und Schulen bedient. Die Gasknappheit in Serbien war offenbar auch dadurch bedingt, dass der nördliche Nachbar Ungarn aus Sorge um die eigene Versorgungssicherheit die Liefermengen Richtung Süden reduzierte.

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