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27.05.2013

12:43 Uhr

Streit über Inflationsziel

Machtkampf in Japans Notenbank

Führende japanische Finanzexperten streiten um das Setzen einer Inflationsgrenze. Dabei geht es vor allem um einen flexibleren Zeitkorridor. Der Streit geschieht im Lichte von im April beschlossenen extremen Maßnahmen.

Der Hauptsitz der Bank of Japan in Tokio. dpa

Der Hauptsitz der Bank of Japan in Tokio.

TokioDer aggressive Kurs der japanischen Notenbank ist nicht nur im Ausland umstritten, sondern auch intern. Mehrere Mitglieder des neunköpfigen Führungsgremiums machten gegen das Erreichen einer Inflationsrate von zwei Prozent binnen zwei Jahren mobil und setzten einen flexibleren Zeitkorridor durch, der maximal drei Jahre erlaubt.

Die Notenbanker Takahide Kiuchi und Tekehiro Sato sehen die Glaubwürdigkeit der Bank of Japan auf dem Spiel, sollte das Ziel verfehlt werden. Das geht aus dem am Montag veröffentlichten Protokoll der Zinssitzung vom 26. April hervor. Dabei wurde beschlossen, den umstrittenen Kauf von Staatsanleihen auf jährlich umgerechnet gut 536 Milliarden Euro hochzufahren.

„Einige Mitglieder halten es für schwierig, das Inflationsziel von zwei Prozent am Ende der Prognose-Periode zu erreichen, da es Unsicherheit gibt, wie die künftigen Inflationserwartungen die Preise erhöhen werden”, heißt es in dem Protokoll. Die Notenbank pumpt in den kommenden beiden Jahren umgerechnet mehr als eine Billion Euro in die Wirtschaft, um ihr Inflationsziel zu erreichen.

Die Skeptiker innerhalb der Notenbank zweifeln, ob dies nach einer 15-jährigen Phase der Deflation - also auf breiter Front sinkenden Preisen - realistisch ist. Sie feierten schließlich einen Teilerfolg: Das Inflationsziel soll nun in der „zweiten Hälfte” des knapp drei Jahre laufenden Prognose-Zeitraums erreicht werden. Diese Kompromissformel wählte die Notenbank auch in ihrem Ende April veröffentlichten Konjunkturausblick.

„Angesichts der extremen Maßnahmen, die im April beschlossen wurden, sind Unstimmigkeiten normal”, sagte der Chefvolkswirt des NLI-Forschungsinstituts in Tokio, Yasuhide Yajima. „Sollte das Inflationsziel verfehlt werden, wird die Glaubwürdigkeit der Notenbank infrage gestellt.”

Eckpunkte der neuen japanischen Geldpolitik

Festes Inflationsziel

Die Bank von Japan legt sich fest: Innerhalb von zwei Jahren wird sie eine Inflationsrate von zwei Prozent erreichen.

Verdoppelung der Geldbasis

Die Geldbasis soll von jetzt 138 Billionen Yen auf 270 Billionen Yen im Jahr 2014 steigen. Umgerechnet geht es um eine Steigerung von 1,05 Billionen Euro auf 2,05 Billionen Euro.

Kauf von Staatsanleihen

Die Bank von Japan will 77 Prozent des frischen Zentralbankgelds in Staatsanleihen mit langer Laufzeit investieren. Die durchschnittliche Laufzeit ihrer Staatsanleihen soll von drei auf sieben Jahre steigen.

Dauer der Maßnahmen

Die Zentralbank legt sich darauf fest, so lange an der expansiven Geldpolitik festzuhalten, bis sie ihr Inflationsziel erreicht hat.

Aussetzung des Banknoten-Prinzips

Die Bank von Japan setzt zeitweilig das Banknoten-Prinzip außer Kraft, wonach sie nicht den Wert der im Umlauf befindlichen Banknoten überschreiten darf.

Die Geldflut hat in den vergangenen Monaten zu einer massiven Abwertung des Yen geführt, was der Exportnation Japan Vorteile im internationalen Handel verschafft. Gleichzeitig schossen die Aktienkurse nach oben. Die Börsengewinne wiederum kurbelten den privaten Konsum an. Wegen der aggressiven Wirtschaftspolitik wächst Japan derzeit so schnell wie kein anderes großes Industrieland. Allerdings ist der Kurs im Ausland sehr umstritten, zumal das am höchsten verschuldete Industrieland auch noch milliardenschwere Konjunkturprogramm auf Pump beschlossen hat. Und der Leitindex Nikkei brach in den vergangenen drei Handelstagen um neun Prozent ein - vor allem wegen Sorgen um die Konjunktur in China und um einen Ausstieg der US-Notenbank aus ihrer ebenfalls extrem lockeren Geldpolitik.

Die Industriestaaten-Organisation OECD verteidigt unterdessen die Notenbank-Maßnahmen in vielen Ländern und fordert von der EZB notfalls noch mehr Einsatz im Kampf gegen die Krise. Sollte sich die wirtschaftliche Lage in Europa nicht bessern, „muss auch die EZB bereit sein, eine noch aktivere Rolle zu spielen”, sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurria dem „Tagesspiegel”. Die Euro-Zone hängt seit langem wegen der scharfen Sparpolitik in der Rezession fest. Der Mexikaner Gurria verteidigte die im Vergleich mit der Europäischen Zentralbank (EZB) noch wesentlich aggressiveren Maßnahmen in den USA, Großbritannien und Japan. Mit den Instrumenten der Notenbanken versuchten diese Länder, wieder auf den Wachstumspfad zu kommen: „Davon wird jeder etwas haben.”

Von

rtr

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

27.05.2013, 13:09 Uhr

Japan hat sich mit den Abenomics die Pistole an den Kopf gesetzt und abgedrückt. Die Kugel könnte aber 2 Jahre brauchen um anzukommen.

Danach wird nur noch totale Verwüstung bleiben.

Account gelöscht!

27.05.2013, 16:31 Uhr

Ich kann mich noch genau erinnern, wie in den 1980er Jahren Deutschland abgeschrieben wurde, beerdigt durch die japan. Wirtschaftsdampfwalze.

Dann kamen die Nachteile Japans gnadenlos zum Vorschein: Im Vergleich zu deutschen Firmen haben sie sich international nur in Ausnahmefällen geöffnet. Daneben die bigotte, heuchlerische Managementkultur (immer gnadenlos abgeschottet, Sony ist eine seltene Ausnahme)

Was kommt nach der Inzucht? Der Untergang.

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