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14.09.2012

10:29 Uhr

Streit um Inselgruppe

China schickt Kriegsschiffe

Der Streit um ein paar unbewohnte Inseln stürzten Japan und China in einen schweren Konflikt. Während in China die Wut über den einstigen Aggressor wieder hochkocht, pocht Tokio trotzig auf seine Ansprüche.

Eine chinesisches Kriegsschiff kreuzt vor der Inselgruppe. Im China heißt sie Diaoyu und in Japan Senkaku. dapd

Eine chinesisches Kriegsschiff kreuzt vor der Inselgruppe. Im China heißt sie Diaoyu und in Japan Senkaku.

Tokio/PekingIm Streit zwischen China und Japan um eine unbewohnte Inselgruppe im Ostchinesischen Meer ist kein Ende in Sicht: China schickte am Freitag sechs Patrouillenschiffe in die Gewässer um die von Japan und China gleichermaßen beanspruchten Inseln und riskierte damit eine weitere Eskalation des Konflikts. Die Regierung in Tokio bestellte umgehend den chinesischen Botschafter ein, um scharf gegen das aus Sicht Tokios unrechtmäßige Eindringen in japanische Hoheitsgewässer zu protestieren. Die Inselgruppe, die in China Diaoyu und in Japan Senkaku heißt, liegt rund 200 Kilometer von Taiwan und rund 2000 Kilometer von Tokio entfernt. Vier der fünf Inseln sind bislang in japanischem Privatbesitz, eine gehört der Stadt Tokio. Die Inselgruppe ist von strategisch wichtiger Bedeutung, zudem werden auf dem Meeresboden Öl- und Gasvorkommen vermutet.

Chinas Vorgehen ist eine Reaktion auf die Ankündigung Japans vom Montag, drei der unbewohnten Inseln von ihren japanischen Privatbesitzern zu kaufen. Die Patrouille der Schiffe „demonstriert die Zuständigkeit unserer Regierung über die Diaoyu Inseln und angegliederte Inseln und sichert die maritimen Rechte unseres Landes“, teilte das chinesische Außenministerium in Peking mit. Es war das erste Mal, dass China Schiffe zu den umstrittenen Inseln schickte, seit Tokio kürzlich drei der Inseln vom japanischen Besitzer gekauft und so verstaatlicht hatte. Inzwischen hätten alle chinesischen Patrouillenschiffe Japans Hoheitsgewässer wieder verlassen, berichteten japanische Medien.

Nach Angaben der japanischen Küstenwache handelte es sich am Freitag um die bisher größte Anzahl chinesischer Schiffe, die nahe der Inseln in japanische Hoheitsgewässer eingedrungen seien. Der japanische Regierungschef Yoshihiko Noda sagte laut der Nachrichtenagentur Kyodo, Tokio werde „alle möglichen Maßnahmen“ ergreifen, um die Sicherheit der Senkaku zu gewährleisten. Seine Regierung sowie die Polizeibehörde richteten Krisenstäbe ein.

Bei der Einbestellung des chinesischen Botschafters in das japanische Außenministerium hätten beide Seite den Wunsch ausgedrückt, dass der Inselstreit nicht weiter eskaliert und sich nicht negativ auf die allgemeinen bilateralen Beziehungen auswirkt, wie Kyodo meldete. In China kam es erneut zu Protesten. Dutzende von Demonstranten hätten am Freitag in Peking vor der Botschaft Japans unter anderem zum Boykott japanischer Waren aufgerufen, berichtete die Agentur Kyodo.

Unterdessen riefen die Außen- und Verteidigungsminister Japans und Australiens bei einem Treffen am Freitag in Sydney China zu mehr „Offenheit und Transparenz“ bei der Modernisierung seines Militärs auf, wie Kyodo meldete. Tokio und Canberra einigten sich darauf, die Zusammenarbeit zwischen ihren Ländern sowie mit ihrer beider Sicherheitspartner USA in Verteidigungsfragen zu verstärken, hieß es.



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