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28.08.2015

18:27 Uhr

Streit um „Schwarzen Piet“

Niederländer müssen ihre Tradition verändern

Der Nikolaus kommt in die Niederlande und mit ihm Jahr für Jahr der Streit. Denn sein schwarz angemalter Helfer, der „Schwarze Piet“, wird oft als diskriminierend empfunden. Nun zieht die Uno Konsequenzen.

Ein Mann in Verkleidung von „Sinterklaas“ (Nikolaus) fährt neben seinen Helfern, den „Zwarten Pieten“ (Schwarzer Piet) durch Amsterdam: Die schwarzen Helfer des Nikolauses sorgen für Streit. dpa

Ein Mann in Verkleidung von „Sinterklaas“ (Nikolaus) fährt neben seinen Helfern, den „Zwarten Pieten“ (Schwarzer Piet) durch Amsterdam: Die schwarzen Helfer des Nikolauses sorgen für Streit.

Genf/Den HaagDie Niederlande müssen nach einem UN-Bericht ihre umstrittene Nikolaus-Tradition verändern. Die schwarz angemalten Helfer des Nikolauses, die „Zwarten Pieten“, würden zu oft als diskriminierend erfahren, urteilte der UN-Ausschuss gegen Rassendiskriminierung in seinem am Freitag in Genf vorgelegten Bericht.

Viele schwarze Bürger würden die negativen Stereotypen der Piet-Figur als Erbe der Sklaverei erfahren. „Auch eine alte und tief verwurzelte Tradition kann diskriminierende Praktiken und Stereotypen nicht rechtfertigen“, heißt es in dem Bericht.

Seit Jahren protestieren vor allem schwarze Niederländer gegen die Tradition. Der „Sinterklaas“ wird bei öffentlichen Umzügen von einer Schar Helfer begleitet. Die Pieten sind tiefschwarz geschminkt, mit dicken roten Lippen, tragen Kraushaarperücken und bunte Fantasiekostüme.

Die königlichsten Orte der Niederlande

Amsterdam

Hauptstadt und mit etwa 800 000 Einwohnern auch die größte Stadt der Niederlande, jedoch nicht Regierungssitz. Weil Amsterdam die Hauptstadt ist, wird der Thronwechsel hier vollzogen. Die Stadt ist berühmt für ihre von Bäumen und Bürgerhäusern gesäumten Kanäle und stolz auf ihre Tradition der Toleranz - jahrhundertelang zog sie Freigeister und Verfolgte an. Heute kommen jedes Jahr Millionen Touristen - die einen besuchen Museen mit Meisterwerken von Rembrandt und van Gogh, die anderen Rotlichtviertel oder Haschisch-Cafés.

Delft

In der kleinen Stadt befindet sich die Totengruft der Oranier. Der einzige Grund dafür ist, dass 1584 hier ein Attentäter Wilhelm von Oranien - den Stammvater des Oranier-Hauses - erschoss. Der Einfachheit halber begrub man ihn in der größten Kirche der Stadt, die dadurch zur Grabkirche der Oranier wurde. Zuletzt wurde dort 2004 der Vater von Beatrix, Prinz Bernhard, beigesetzt.

Den Haag

Wie Parlament und Regierung residiert auch der Monarch in Den Haag. Willem-Alexander wird zunächst noch im Vorort Wassenaar wohnen bleiben, später übernimmt er dann die Residenzen von Beatrix: das Wohnschloss Huis ten Bosch und das Arbeitsschloss Noordeinde. Beatrix selbst zieht nach Kasteel Drakensteyn bei Utrecht. Die Residenzen sind verglichen mit denen anderer Königshäuser bescheiden: Sie liegen schwer auffindbar in engen Straßen oder weggeduckt hinter Bäumen.

Der königliche Palast

Im Königlichen Palast wird Königin Beatrix am 30. April offiziell abdanken. Kurioserweise wurde das Gebäude als das genaue Gegenteil eines Königspalastes konzipiert. Es war das Rathaus von Amsterdam, und alle seine Skulpturen und Gemälde feiern ein republikanisches Staatswesen. 1806 jedoch machte Napoleon die Niederlande zum Königreich und setzte seinen Bruder Louis auf den Thron. Ein König braucht einen Palast - und so funktionierte er das Rathaus kurzerhand dazu um. Allerdings merkte er schnell, dass man in so einem Verwaltungsgebäude schlecht wohnen kann - zu ungemütlich! Dabei ist es geblieben: Der Palast steht die meiste Zeit leer.

Die Nieuwe Kerk

In der Nieuwe Kerk von Amsterdam wird der neue König Willem-Alexander am 30. April offiziell in sein Amt eingeführt. Die „Neue Kirche“ ist nicht mehr so richtig neu, sondern fast 600 Jahre alt. Sie wird heute nicht mehr für Gottesdienste genutzt, sondern für Konzerte und Ausstellungen. Das Auffälligste an ihr ist, dass der Turm fehlt. Ursprünglich war einer geplant, doch dann gaben die Amsterdamer ihr Geld lieber dafür aus, das größte Rathaus Europas zu bauen. Die Kirche sollte das öffentliche Leben lieber nicht zu stark dominieren.

Die niederländische Regierung will sich für eine Veränderung des Festes einsetzen. „Auch wenn es eine alte Tradition ist, muss der Staat sich darum bemühen, dass es ein Fest für alle ist“, sagte Sozialminister Lodewijk Asscher in Den Haag.

Von

dpa

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