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10.01.2009

19:07 Uhr

Streit zwischen Russland und Ukraine

Wer zwinkert zuerst beim Gas-Poker?

VonThomas Wiede

Russland hat einer Vereinbarung mit der EU zugestimmt. Doch damit ist im Gasstreit mit der Ukraine die Kuh noch nicht vom Eis. Das Misstrauen sitzt tief zwischen Russland und der Ukraine. Trotz kleiner Fortschritte sind die Fronten noch verhärtet. Eindrücke vom Verhandlungspoker.

MOSKAU. Russlands starker Mann ist erkennbar schlecht gelaunt, als er am ovalen Verhandlungstisch in seiner Residenz Nowo Ogarjowo vor den Toren Moskaus Platz nimmt. Wladimir Putin gegenüber sitzt der amtierende EU-Ratspräsident, der tschechische Premier Mirek Topolanek, und versucht, eine lockere Gesprächsatmosphäre in Gang zu bringen. Im Eiertanz um die Beobachtermission im Gasstreit hat die EU eine Mittlerrolle eingenommen - Topolanek kommt gerade aus Kiew, wo er mit dem ukrainischen Präsidenten Viktor Juschtschenko den inzwischen fünften Entwurf zu der geplanten Mission durchgekaut hat, die den Transit von russischem Gas durch die Ukraine nach Europa wieder möglich machen soll.

Dabei hatten sich alle Seiten ja schon am Donnerstag in Brüssel auf die Eckpunkte verständigt. Als Topolanek dem russischen Ministerpräsidenten die Details der aktuellen Version darlegen will, blafft der nur kurz dazwischen: "Und haben die Ukrainer jetzt unterschrieben?" Haben sie natürlich nicht: Denn Juschtschenko, so heißt es in Verhandlungskreisen, habe sich geweigert, ein Papier zu unterschreiben, das Putin noch nicht gesehen habe. So vergeht ein neuer Tag, in dem weite Teile Europas frieren müssen.

Im vergoldeten Sitzungssaal, den noch ein nadelnder, rot geschmückter Weihnachtsbaum ziert, umgibt die russische Delegation, der auch Putins für Energiefragen zuständige Stellvertreter Igor Setschin sowie der übernächtigt wirkende Gazprom-Chef Alexej Miller angehören, ein Frosthauch. So kalt wie in dem tief verschneiten Birkenwäldchen, das die Residenz umgibt, wird es zwar nicht. Doch auch weitere Vorstöße seines tschechischen Amtskollegen Topolanek, die Atmosphäre aufzulockern, lässt Putin abblitzen: Als Topolanek mit einem leichten Lächeln erwähnt, dass es den Russen nun doch gelungen sei, die beiden bis aufs Blut zerstrittenen führenden Politiker der Ukraine, Präsident Juschtschenko und seine Regierungschefin Julia Timoschenko, wieder zusammenzubringen, knurrt Putin nur: "Das ist nicht möglich".

Länger als sonst dürfen die Journalisten im Verhandlungsraum bleiben. Als der Tscheche erklärt, er werde einige Positionen erst erläutern, wenn die Presse den Saal verlassen habe, wirft Putin ein, dass die Medien doch eigentlich dabei bleiben sollten - denn es gebe ja ein "großes öffentliches Interesse" an dem Thema. Erst vor zwei Tagen, einen Raum weiter, hatte er auf einem eilig anberaumten Presse-Gespräch aber vor allem die westlichen Journalisten scharf angegriffen: "Wie so oft" würden die meisten Medien im aktuellen Konflikt fälschlicherweise Russland die Schuld geben, kritisierte er barsch.

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