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28.12.2013

16:19 Uhr

Student getötet

Zusammenstöße an Universität in Kairo

Islamisten setzten ein Gebäude der Universität in Kairo in Brand, woraufhin ein Student beim Zusammenstoß mit der Polizei ums Leben kam. Die Muslimbruderschaft erklärte man derweil zur Terrororganisation – mit Folgen.

Das brennende Gebäude der Al-Azhar Universität in Kairo. Nachdem die Muslimbrüder zur Terrororganisation erklärt worden, nehmen die Behörden Hunderte Mitglieder und Demonstranten fest. dpa

Das brennende Gebäude der Al-Azhar Universität in Kairo. Nachdem die Muslimbrüder zur Terrororganisation erklärt worden, nehmen die Behörden Hunderte Mitglieder und Demonstranten fest.

Bei Zusammenstößen zwischen islamistischen Studenten und Sicherheitskräften ist am Samstag auf dem Gelände der Al-Ashar-Universität in Kairo ein 19-jähriger Student getötet worden. Vier weitere Personen erlitten Verletzungen, bestätigten das Gesundheitsministerium und Studentengruppen. Der Student wurde erschossen, als die Polizei gegen die Unruhestifter vorging. Zwei Etagen des Gebäudes wurden verwüstet, bevor die Feuerwehr den Brand unter Kontrolle brachte.

Zu den Unruhen kam es, als Anhänger der verbotenen Muslimbruderschaft am ersten Tag der Prüfungszeit die Zugänge zur Universität blockierten. Die Polizei nahm nach eigenen Angaben 60 Studenten fest. Sie sollen mit Schrotgewehren und Brandsätzen bewaffnet gewesen sein. Nach einem Bericht der staatlichen Zeitung „Al-Ahram“ hatten Polizisten Tränengas eingesetzt, um Anhänger der Muslimbrüder zu vertreiben, die anderen Studenten den Zutritt zur Universität verwehrt hatten. Die Demonstranten hätten Steine auf die Polizisten geworfen und Reifen angezündet.

Die Al-Ashar-Universität, ein Zentrum sunnitsch-islamischer Studien, war in den vergangenen Wochen ein Brennpunkt des Protests der Muslimbrüder gegen die Absetzung des Präsidenten Mohammed Mursi im Juli, die sie als Putsch bezeichnen.

Am Freitag wurden bei Zusammenstößen zwischen Polizisten und Anhängern der Muslimbruderschaft mindestens vier Menschen getötet. Sicherheitskräfte nahmen mehr als 260 Anhänger der islamistischen Bewegung fest, die zu Protesten nach den Freitagsgebeten aufgerufen hatte. In der Hauptstadt Kairo und in mindestens vier weiteren Städten kam es zu Krawallen.

Der Aufstieg und Fall von Mohammed Mursi

4. November

In Kairo beginnt der Strafprozess gegen Mursi. Anhänger haben im Vorfeld zu Protesten aufgerufen.

28. und 29. Oktober

Mursi lehnt eine Woche vor Beginn des Prozesses gegen ihn die Rechtmäßigkeit des Gerichts ab. Einen Tag später platzt ein Prozess gegen die Führungsriege der Muslimbrüder wegen Anstiftung zum Mord. Die Richter erklären sich für befangen.

4. Oktober

Muslimbrüder beginnen dreitägige Proteste gegen Mursis Entmachtung, in Ägypten werden dabei mehr als 50 Menschen getötet.

23. September

Ein Gericht in Kairo erklärt die Muslimbruderschaft und alle Ableger der Organisation für illegal.

19. August

Die Staatsanwaltschaft leitet gegen Mursi Ermittlungen wegen Verantwortung für die Tötung von Demonstranten im Dezember 2012 ein. Später folgt eine Anklage wegen Beleidigung der Justiz.

14. August

Bei der Räumung von Protestlagern mit Tausenden Mursi- Anhängern gibt es nach Regierungsangeben mehr als 600 Tote. Eine Verhaftungswelle hochrangiger Muslimbrüder setzt ein.

8. August

Zum Ende des Fastenmonats Ramadan fordern Zehntausende Islamisten die Wiedereinsetzung Mursis.

3. August

Die Muslimbrüder bestehen darauf, dass Mursi wieder als Präsident eingesetzt wird.

26. und 27. Juli

Mursi wird des Landesverrats beschuldigt und kommt in Untersuchungshaft.

3. und 4. Juli

Nach den Massenprotesten setzt das Militär Mursi ab und stellt ihn unter Arrest. Der oberste Verfassungsrichter Adli Mansur wird Übergangspräsident. Mursi-Anhänger beginnen einen Dauerprotest.

30. Juni

Eine Unterschriftenkampagne der Initiative „Tamarud“ (Rebellion), mit der Mursi zum Rücktritt gezwungen werden soll, gipfelt in Massenprotesten Hunderttausender.

2. Juni

Das oberste Verfassungsgericht verkündet, dass die von Mursi durchgeboxte Verfassung unter nicht gesetzeskonformen Umständen zustande gekommen ist.

29. November 2012

Im Eilverfahren peitscht das von Islamisten dominierte Verfassungskomitee Mursis Entwurf einer neuen Verfassung durch. In Massenprotesten demonstriert die Opposition gegen eine schleichende Islamisierung.

24. Juni 2012

Die Wahlkommission erklärt den Kandidaten der Muslimbruderschaft, Mohammed Mursi, zum Sieger der Präsidentenwahl. Quelle: dpa

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) kritisierte indes die Einstufung der Muslimbruderschaft als terroristische Vereinigung scharf. „Die Regierung (in Kairo) scheint allein vom Wunsch motiviert zu sein, eine große Oppositionsbewegung zu zerschlagen“, hieß es in einer Presseerklärung, die am Samstag am Sitz der Organisation in New York veröffentlicht wurde.

Die ägyptische Regierung hatte die islamistische Muslimbruderschaft am vergangenen Mittwoch zur terroristischen Vereinigung erklärt. Seitdem haben die Behörden Hunderte Mitglieder und Demonstranten der Bruderschaft festgenommen. Darüber hinaus schlossen sie Dutzende karitative Einrichtungen und Stiftungen der verbotenen Organisation.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier zeigte sich besorgt über die jüngste Entwicklung. „Ich befürchte nur, dass die Einstufung der gesamten Muslimbruderschaft als Terrororganisation und die Kriminalisierung aller ihrer Mitglieder Ägypten dem inneren Frieden nicht näher bringen wird“, sagte Steinmeier „Spiegel Online“.

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