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21.02.2014

07:16 Uhr

Studie aus Cambridge

Finanzkrise schlägt auf die Gesundheit der Griechen

Die Finanzkrise in Griechenland schadet auch der Gesundheit der Bürger. Laut einer Studie der Uni Cambridge stieg die Zahl der HIV-Infektionen, der psychischen Leiden und der Totgeburten seit Beginn der Krise sprunghaft.

Die sozialen Probleme sollen die Griechen krank machen. dpa

Die sozialen Probleme sollen die Griechen krank machen.

LondonDie schwere Finanzkrise in Griechenland hat auch dramatische Auswirkungen auf die Gesundheit der Bürger. Das geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Studie von Forschern um den Soziologen Alexander Kentikelenis hervor. Demnach ist die Zahl der HIV-Infektionen, Tuberkulosefälle, psychischen Leiden und sogar Totgeburten seit Beginn der Krise sprunghaft angestiegen.

Besonders alarmierend ist die weite Verbreitung von Depressionen. Allein zwischen 2008 und 2011 hätten sich die Fälle psychischer Niedergeschlagenheit wegen der schweren wirtschaftlichen Lage mehr als verdoppelt, hieß es.

Wenn Massenproteste außer Kontrolle geraten

Türkei

Die gewaltsame Räumung eines Protestcamps in Istanbul, mit dem die Zerstörung eines Parks am Taksim-Platz verhindert werden sollte, löst im Mai 2013 eine landesweite Protestwelle aus. Mittlerweile richten sich die andauernden Proteste vor allem gegen den autoritären Regierungsstil des islamisch-konservativen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Mehrere Menschen kamen bisher ums Leben, Hunderte wurden verletzt.

Bulgarien

Nach Massenprotesten und schweren Ausschreitungen in der Hauptstadt Sofia tritt die bulgarische Regierung im Februar 2013 zurück. Die Proteste richteten sich zunächst gegen hohe Strompreise, wandten sich dann aber immer stärker gegen Ministerpräsident Boiko Borissow. Hintergrund war die Unzufriedenheit über geringe Einkommen, hohe Arbeitslosigkeit und Korruption.

Griechenland

Bei Massendemonstrationen von Hunderttausender gegen das massive Sparprogramm der Regierung sterben in der griechischen Hauptstadt Athen im Mai 2010 drei Menschen. Vermummte Randalierer hatten mit Molotowcocktails eine Bank in Brand gesetzt.

Serbien

Rund 200.000 Menschen demonstrieren im Februar 2008 gegen die Unabhängigkeit des Kosovos in der serbischen Hauptstadt Belgrad. Mehrere tausend Randalierer demolieren Botschaften, plündern Geschäfte, zünden Autos und Busse an. Mindestens ein Mensch kommt ums Leben, mehr als 150 Menschen werden verletzt.

Frankreich

Der Tod zweier Jugendlicher, die auf der Flucht vor der Polizei nahe Paris tödlich verunglückten, löst im Herbst 2005 eine Welle der Gewalt in französischen Einwanderervorstädten aus. Sporthallen, Geschäfte und tausende Autos gehen in Flammen auf. Tausende Randalierer werden festgenommen. Nach drei Wochen erklärt die Polizei die Unruhen offiziell für beendet.

Italien

Das Gipfeltreffen der führenden Industrieländer in Genua wird im Juli 2001 von der schwersten Welle der Gewalt in seiner Geschichte überschattet. Ein 23-jähriger Italiener stirbt bei den Straßenschlachten durch eine Polizeikugel. Globalisierungsgegner demolieren Büros, Geschäfte und Bankautomaten. Hunderte Menschen werden verletzt. Kritiker werfen der Polizei übertriebene Härte vor.

Schon frühere Studien hatten ergeben, dass die Zahl der Selbstmorde in Griechenland zwischen 2007 und 2011 um 45 Prozent gestiegen sind. Das Problem sei „womöglich nur die Spitze des Eisbergs“, sagte Kentikelenis, der an der Universität Cambridge lehrt.

Der Forscher und sein Team stellten zudem fest, dass die Zahl der Totgeburten um 21 Prozent angestiegen sei. Etliche Schwangere hätten keinen Zugang zur Gesundheitsversorgung mehr und litten daher im Verlauf ihrer Schwangerschaft unter mehr Komplikationen. Für den Zeitraum von 2008 bis 2010 registrierten die Forscher auch eine signifikante Zunahme von Kindstoten.

Von

ap

Kommentare (15)

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wirtschaft

21.02.2014, 07:55 Uhr

Das die Gesundheit der griechischen Bürger unter der Wirtschaftskrise leidet, ist so eine massive Schande, dass man es gar nicht in Worte fassen kann. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass es so etwas auch in einem EU-Land geben kann. Da helfen auch irgendwelche Zahlen zu vermeintlichem Wirtschaftswachstum nicht, wenn der Preis für die Krise die Gesundheit der Menschen ist. Zumal die psychischen Auswirkungen von Totgeburten und Kindstoten bei den Müttern auch enorm sind.

Angesichts dessen finde ich es vollkommen widerlich, wenn sich dann irgendwelche Politiker zu vermeintlichen Erfolgen durch Spar-Reformen gratulieren. Dabei hat man richtig das Gefühl, dass es denen vollkommen am Allerwertesten vorbeigeht, welches Leid dadurch angerichtet wird.

Sarina

21.02.2014, 08:09 Uhr

Finanzkrise schlägt auf die Gesundheit der Griechen
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Ist den Griechen auch das Schuldenmachen in obszöner Größenordnung auf die Gesundheit geschlagen?

DifferenzierenBitte

21.02.2014, 08:17 Uhr

Das Volk hat sich den damals eingeleiteten Schuldenkurs nicht ausgesucht. Lockere Kreditvergabe kam zwar (auch) dem Volke "vermeintlich" zu Gute...die Ursache jedoch liegt bei korrupten Staatsmännern.

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