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07.10.2015

14:02 Uhr

Studie der syrischen Opposition

Flüchtlinge wollen bei Assad-Abtritt zurückkehren

Die meisten Syrer flüchten vor dem Machthaber ihres Landes. Das ist das Ergebnis einer Studie der syrischen Oppositionellen. In Deutschland wollen offenbar nur wenige bleiben – allerdings nur sofern Assad abtritt.

Russen gegen Rebellen

Syrien: Oppositionelle melden erstmals von der russische Bodenoffensive

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BerlinDer Hauptgrund für die Flucht von Syrern nach Deutschland ist einer von syrischen Oppositionellen initiierten Befragung unter syrischen Flüchtlingen zufolge die Gewalt seitens der Regierung von Syriens Machthaber Bashar al-Assad. 92 Prozent der Befragten hätten angegeben, vor bewaffneten Auseinandersetzungen geflohen zu sein, wie die Organisation Adopt a Revolution am Mittwoch in Berlin mitteilte. „In einer breiten Mehrheit“ machen die Flüchtlinge demnach das Assad-Regime für die Kämpfe verantwortlich.

70 Prozent sehen die Schuld dafür der Umfrage zufolge bei der syrischen Regierung, 32 Prozent bei der Dschihadistenorganisation Islamischer Staat (IS) und 18 Prozent bei der Freien Syrischen Armee (Mehrfachnennungen möglich). Gut drei Viertel der Flüchtlinge gaben als Fluchtgrund zudem die Befürchtung an, vom Assad-Regime festgenommen zu werden, 42 Prozent fürchteten in Syrien eine Entführung durch den IS.

Weniger als jeder zehnte syrische Flüchtling plant laut der Befragung, dauerhaft in Deutschland zu bleiben – allerdings ist für gut die Hälfte von ihnen der Abtritt von Assad die Bedingung für eine Rückkehr nach Syrien.

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Woher kommt die Terrormiliz?

Die Miliz ist die Nachfolge-Organisation von al-Qaida im Irak, einer radikalen Widerstandsbewegung, die sich Gebiete im Westen des Landes einverleibte, nachdem die Amerikaner den Diktator Saddam Hussein gestürzt hatten, ohne das Machtvakuum zu füllen.

Es handelt um einen Zusammenschluss von sunnitischen Dschihadisten, ehemaligen Anhängern von Saddam Hussein und von Stammesmitgliedern. Die Zahl der Kämpfer wird neuerdings auf rund 30.000 geschätzt. In ihrem Herrschaftsgebiet haben die Extremisten ein Verwaltungssystem aufgebaut, das jeden Aspekt des Alltags kontrolliert.

Welche Gebiete kontrolliert IS?

Die Terrormiliz hat Schätzungen zufolge rund ein Drittel des syrischen Staatsgebietes eingenommen. Dabei gelang es ihr, einen Korridor zwischen ihren westlichsten Eroberungen nahe Aleppo über nördliche Landstriche bis zu östlichen Landesteilen nahe der Grenze zum Irak zu schaffen.

In der Provinz Aleppo stehen unter anderem die größeren Orte Manbidsch und Al-Bab unter ihrem Kommando, dort weht die schwarze Flagge der Miliz auf Regierungsgebäuden und großen Plätzen. Da die Terrormiliz auf beiden Seiten der syrisch-irkanischen Grenze nahtlos Gebiete kontrolliert, kann sie relativ leicht Kämpfer, Waffen und Güter zwischen beiden Ländern hin- und hertransportieren.

Zuletzt stockt der Vormarsch des IS allerdings. Die Miliz verlor etwa die strategisch wichtige Stadt Tikrit, ebenso wie das über Monate umkämpfe Kobane an der türkischen Grenze.

Was ist die „Hauptstadt“ des Islamischen Staats?

Die IS erklärte Rakka, eine Stadt am Euphrat im Nordosten Syriens mit einer halben Million Einwohner, zur Hauptstadt ihres Kalifats und Sitz ihrer Machtzentrale. IS-Kämpfer aus aller Welt strömten dorthin, einige mit ihren Familien. Obwohl schon immer konservativ und unter großem Einfluss von Stämmen, war Rakka früher ein lebendiges und wirtschaftlich blühendes Zentrum.

Heute patrouilliert rund um die Uhr die Sittenpolizei der IS – die sogenannte Hisba – durch die Straßen. Diese bewaffneten Kämpfer in langen Roben kontrollieren, ob ihre strenge Auslegung des Korans auch umgesetzt wird. Die IS hat Musik und Rauchen verboten. Frauen wurden von der Sittenpolizei angewiesen, sich zu verhüllen. Wer gegen die Scharia verstößt, läuft Gefahr, enthauptet oder ans Kreuz gehängt zu werden. Den Schulen der Stadt diktierte die Miliz kürzlich die Inhalte und strich Fächer wie Philosophie oder Chemie.

Wie stark sind die Kämpfer des IS?

Seit Anfang 2014 führt die Miliz mit den gemäßigten und vom Westen unterstützten Rebellen in Syrien einen Zermürbungskrieg. Dabei stürmen IS-Kämpfer Außenposten der Rebellen und nehmen ihnen Ort für Ort durch Gewalt und Einschüchterung ab.

Die Zahl der Kämpfer lässt sich nur schätzen. Fest steht jedoch, dass die Extremisten seit Beginn ihres Vormarsches im Irak Anfang Juni 2014 starken Zulauf bekommen haben. Der US-Geheimdienst CIA geht davon aus, dass die Gruppe in Syrien und im Irak zwischen 20.000 und 31.500 Kämpfer hat. Diese Zahl unterscheidet sich deutlich von den Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Sie schätzt die Zahl der IS-Kämpfer allein in Syrien auf rund 50.000, davon etwa 20.000 aus dem Ausland. Die Menschenrechtler stützen sich bei ihren Informationen auf ein Netz von Aktivisten in Syrien.

Welche Rohstoffe hält IS in der Hand?

Die Terrormiliz hatte im bis Herbst 2014 faktisch alle größeren Ölfelder im Osten Syriens, darunter das landesweit größte namens Omar mit einer Förderkapazität von 75.000 Barrel pro Tag erobert. Der IS nahm die Produktion teilweise auf und finanzierte sich auch über den Verkauf von Rohöl unter Marktpreisen. Das geförderte Öl werde über Mittelsmänner an die Türkei und den Irak geliefert.

Doch nach dem Verlust von Tikrit Anfang April 2015 hat die Terrororganisation auch mindestens drei Ölfelder verloren. Damit bleibt der Miliz im Irak nur noch ein einziges Ölfeld: Qayara mit einer Förderkapazität von gerade einmal 2000 Barrel am Tag. Das seien gerade noch fünf Prozent der zuvor vom IS innerhalb des Irak kontrollierten Menge.

Wie verhält sich der syrische Diktator Assad?

Syriens Präsident hat vor kurzem die Luftangriffe auf IS-Hochburgen verstärken lassen. Die Regierung öffnete die Türen für eine mögliche Kooperation mit den USA im Kampf gegen IS, sie stellte aber zugleich klar, dass jeglicher Angriff mit Damaskus abgestimmt sein müsse. Für die US-Regierung ist dies allerdings ein Problem: Sie möchte nicht an Assads Seite erscheinen, zumal sie dessen Rücktritt seit Jahren verlangt. Unter der Hand machte das Assad-Regime lange sogar Geschäfte mit den Terroristen nach dem Motto: Strom gegen Öl.

Was können die USA mit Luftschlägen ausrichten?

Jedweder Luftschlag der USA in Syrien würde sich wahrscheinlich auf Gebiete nahe der Grenze zum Irak sowie militärische Ziele wie Trainingslager in Rakka konzentrieren. Dort verfügt Assad kaum über Luftabwehr.

In jedem Fall werden sich Luftangriffe schwieriger gestalten als im Irak: Dort segnet Bagdad das Vorgehen ab, zudem verlaufen die Frontlinien deutlicher. In Syrien hingegen gibt es auf engem Raum verschiedene Fraktionen, zu denen neben IS auch der al-Qaida-Ableger Nusra-Front, die vom Westen unterstützten Rebellen der Freien Syrischen Armee und die Regierungstruppen gehören. Während die gemäßigten Rebellen US-Luftschläge fordern, lehnen die extremeren Kämpfer ein Engagement der USA ab.

Das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) unterstützte die der syrischen Opposition nahestehende Organisation Adopt a Revolution bei der Befragung von fast 900 Flüchtlingen in fünf deutschen Städten. Die meisten von ihnen seien in diesem Jahr geflohen, sagte WZB-Mitarbeiter Heiko Giebler. Ob sie wirklich alle aus Syrien stammen, ist allerdings nicht klar, da sich die Befragung auf eigene Aussagen der Befragten verlässt. Auch sind die Ergebnisse der Umfrage nicht repräsentativ.

Trotzdem seien die starken Tendenzen in den Angaben der Befragten überraschend, sagte der Sprecher der Organisatoren, Elias Perabo. Sie machten klar, „wie drastisch die Eindämmungsstrategie der Bundesregierung und auch der EU eigentlich gescheitert ist“. Syrien „einfach herumdümpeln zu lassen“ habe nicht funktioniert. „Der Kampf gegen den Terror der IS löst das Problem in Syrien nicht“, sagte Perabo. Es gehe darum, wie „Assad das Land verlassen kann, oder zumindest die Hauptregierung in Damaskus“.

Adopt a Revolution versteht sich als Unterstützerorganisation des „syrischen Frühlings“. Sie gilt als gemäßigten Rebellengruppen nahestehend.

Auch der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir forderte eine politische Kursänderung. „Die Bundesregierung und die EU müssen anerkennen, dass die größte Fluchtursache in Syrien Assad und seine Fassbomben sind“, sagte er. Zwar müsse der „brutale Terror“ des IS beendet werden, aber „Frieden in Syrien kann es nur ohne Assad geben“.

Von

afp

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