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03.04.2014

07:31 Uhr

Studie des Weltwirtschaftsforums

Lieber bewahren, statt ständig neu bauen

Ob BER, Stuttgart 21, neue Bosporus-Brücke oder Kingdom-Tower in Saudi-Arabien: Neu gebaut sieht toll aus – Regierende wollen sich profilieren, statt alte Infrastruktur zu pflegen. Eine Studie sieht darin große Gefahren.

Das Neue macht eh nur Ärger: Bisher müssen die Berliner mit den bestehenden Flughäfen auskommen, der Tower des Großflughafens BER in Schönefeld macht sich einen faulen Lenz. dpa

Das Neue macht eh nur Ärger: Bisher müssen die Berliner mit den bestehenden Flughäfen auskommen, der Tower des Großflughafens BER in Schönefeld macht sich einen faulen Lenz.

BerlinWeltweit müssten jährlich 3,7 Billionen Dollar in Straßen, Brücken, Wasserwege oder Strom- und Telekommunikationsnetze investiert werden. Tatsächlich sind es aber nur 2,7 Billionen Dollar. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Boston Consulting Group im Auftrag des Weltwirtschaftsforums, die dem „Handelsblatt“ (Donnerstagausgabe) vorliegt.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Staaten künftig stärker in die Qualität ihrer bestehenden Infrastruktur investieren sollten als ständig neu zu bauen. „Wenn ein Staat seine bestehende Infrastruktur vernachlässigt, gefährdet er den Wohlstand in seinem Land“, sagte Co-Autor Philipp Gerbert, Senior-Partner der Boston Consulting, dem „Handelsblatt“. „Zwar gewinnt kein Politiker auf der Welt leicht Wahlen, indem er sich um den Betrieb und die Pflege von Infrastruktur kümmert“, sagt Gerbert. Ohne die Instandhaltung entstünden aber enorme Folgekosten.

Der Status quo der deutschen Infrastruktur ist aus Sicht der Gutachter im internationalen Vergleich noch gut. Allerdings werde unzureichend in das bestehende Netz investiert. „Andere Länder holen bei der Qualität auf“, sagte Gerbert. Die bestehenden Mittel könnten „intelligenter“ verwendet werden. Dies sei oft „effektiver als schwierige neue Großprojekte“.

Die Gutachter haben mehr als 200 Projekte weltweit untersucht. Sie empfehlen, Infrastruktur künftig über den gesamten Lebenszyklus zu betrachten und so rechtzeitig in die Erneuerung zu investieren. Dann würden etwa Sperrungen von Brücken nicht mehr nötig sein.

Von

HB

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

03.04.2014, 09:02 Uhr

"Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Staaten künftig stärker in die *Qualität* ihrer bestehenden Infrastruktur investieren sollten als ständig neu zu bauen."
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Vielleicht mal gedankliche Anleihen bei den ollen Römern nehmen? Die wußten, wie man qualitativ hochwertig baut: Ihre Straßen und Viadukte waren teilweise Jahrhunderte in Betrieb und bilden noch heute die Basis für manche Fernstraße.
Btw., wieso sind französische Straßen oft deutlich robuster? Weil die Decklage sehr viel relativ groben Quarzkies enthält, der nicht nach einem Jahr schon wieder tiefe Spurrillen aufweist!

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