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31.05.2012

13:55 Uhr

Studie

Griechische Bank warnt vor Drachmen-Desaster

VonGerd Höhler

Die Drachme wieder einführen, das fordern auch manche Griechen. Die Konsequenzen skizziert nun eine Studie der griechischen Nationalbank. Ihr Fazit ist verheerend.

Einfach tauschen: Drachme gegen Euro. dpa

Einfach tauschen: Drachme gegen Euro.

AthenEin Ausstieg Griechenlands aus der Währungsunion und die Rückkehr zur Drachme wäre für das Land und seine Menschen eine wirtschaftliche Katastrophe. Die erhofften Abwertungseffekte würden verpuffen und die Wirtschaft noch tiefer abstürzen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der National Bank of Greece (NBG), des größten griechischen Kreditinstituts.

Mit der Wiedereinführung der Drachme werde das durchschnittliche Jahreseinkommen der Griechen um mehr als die Hälfte schrumpfen, prognostiziert die Untersuchung, nämlich von gegenwärtig 19.400 Euro auf umgerechnet 8.700 Euro. Es läge damit niedriger als in Kroatien, Polen oder Lettland. Der wirtschaftliche Abstieg des Landes, das wegen des harten Sparkurses seit 2008 bereits fast ein Fünftel seiner Wirtschaftsleistung einbüßte, würde sich weiter beschleunigen: bei einer Rückkehr zur Drachme werde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im kommenden Jahr mindestens um weitere 22 Prozent schrumpfen.

Dadurch sei mit einem Anstieg der Arbeitslosenquote von derzeit knapp 22 auf 34 Prozent zu rechnen, schreiben die Verfasser der NBG-Studie. Die neue Drachme würde schnell an Wert verlieren, gegenüber dem Euro um bis zu 65 Prozent. Die Inflationsrate setzen die Verfasser bei 32 Prozent an, den Leitzins bei 37 Prozent. Dies würde vor allem die Einkommensschwachen treffen, schreiben die Verfasser der Studie.

Ist ein Euro-Austritt Griechenlands möglich?

Vorbereitung auf den Notfall

Lange Zeit wurde es bestritten: Die Eurozone bereitet sich nun doch für den Notfall auf einen möglichen Austritt Griechenlands aus der Eurozone vor. Die Hoffnungen, dass Athen im Euroland wieder auf die Beine kommen kann und zu seinen Sparzusagen steht, schwinden. Doch ist ein solcher Schritt überhaupt möglich?

Rechtliche Grundlage

Die Rufe nach einem Austritt Griechenlands aus der Eurozone werden angesichts der tiefen Krise des Landes immer lauter. Nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) erstmals das Austrittsszenario angesprochen hatte, räumte auch Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker nach dem EU-Sondergipfel in Brüssel ein, dass Experten entsprechende Pläne für den Notfall ausarbeiten, sollte Athen nach den Neuwahlen vom Spar- und Reformkurs abweichen.
Allerdings ist ein direkter Rauswurf aus der Eurozone durch die anderen Mitgliedsländer nicht möglich. Das sehen die EU-Verträge nicht vor. Allerdings könnte Griechenland von sich aus erklären, sich vom Euro zu verabschieden. Aber auch in diesem Fall wäre dies Neuland für das gesamte Euro-System, das dafür keine Regelungen kennt.

Folgen für Griechenland

Mit großer Wahrscheinlichkeit würde der Euro-Abschied zunächst den kompletten wirtschaftlichen Zusammenbruch des Krisenlandes bedeuten. Ohne Euro müsste Griechenland wieder eine eigene Währung einführen, etwa die alte Drachme. Sie würde vermutlich drastisch an Wert verlieren, etliche Ökonomen schätzen um die 50 Prozent. Die Abwertungseffekte würden dann aber Exporte verbilligen und die Wettbewerbsfähigkeit Griechenland international steigern.

Parallelwährung

Von Ökonomen gibt es auch Vorschläge für die Einführung einer Parallelwährung, beispielsweise dem „Geuro“, wobei der Staat Schuldscheine an seine Bediensteten ausgeben könnte statt sie direkt zu bezahlen. Die Zweitwährung würde gegenüber dem Euro im Wert sinken. Auch in diesem Fall könnten griechische Exporteure im Ausland billiger anbieten, die griechische Wirtschaft könnte so ihre Konkurrenzfähigkeit steigern, was dringend nötig wäre, damit sie aus der Rezession herauskommt. Die Lösung einer Zweitwährung soll dabei dem Land die Rückkehr zu einer vollen Mitgliedschaft in die Eurozone sichtbar offenhalten.

Anstieg von Altschulden

Bei Einführung einer neuen Währung wäre besonders schwerwiegend, dass für Griechenland die in Euro aufgenommenen Altschulden infolge der Abwertungseffekte drastisch steigen würden. Das Bankensystem geriete ins Wanken, ein Ansturm der Sparer wäre programmiert. Deshalb sollte die Einführung einer neuen Währung nach Ansicht von Fachleuten nur geordnet verlaufen, wobei großzügige Überbrückungshilfen und Stützung der Banken notwendig wären.

Folgen für die Euro-Zone

Ob das Euro-Währungsgebiet einen Austritt der Hellenen verkraften würde, ist äußerst fraglich. Ökonomen warnen vor der Ansteckungsgefahr für weitere Sorgenkinder wie Spanien, Italien oder Portugal. Denn letztlich könnte sich kein Investor mehr darauf verlassen, dass nicht auch andere Länder aus dem Euroraum ausscheren.

Risikoaufschläge

Vermutlich würden die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder so stark steigen, dass diese ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit kämen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraum ins Wanken geraten. Aus Sicht von Politikern ist diese Gefahr jedoch deutlich geringer geworden, nachdem größere Euro-Rettungsschirme aufgespannt worden seien.

Eine Rückkehr zur Drachme würde bedeuten, dass Griechenland seine Auslandsschulden von 325 Milliarden Euro nicht mehr bedienen kann. Ein solcher Zahlungsausfall hätte negative Auswirkungen auf die Auslandsgeschäfte griechischer Unternehmen, heißt es in der 17-seitigen Untersuchung. Die Volkswirte der Bank erwarten auch Engpässe bei der Versorgung mit importierten Grundnahrungsmitteln, Treibstoffen, Pharmazeutika und anderen Importwaren.

Thomas Mayer: „Griechenland kann nur einen Blechschaden verursachen“

Thomas Mayer

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In diesem Jahr entscheidet sich die Zukunft des Euros, so Thomas Mayer. Der scheidende Chefvolkswirt der Deutschen Bank über Länder im Scheinwerferlicht und warum er sich um Italien mehr Sorgen macht als um Spanien.

Ein Ausstieg aus dem Euro sei „kein Planspiel mehr oder ein Szenario mit minimaler Wahrscheinlichkeit“, warnt die Untersuchung. Die Atmosphäre sei „so explosiv“, dass schon „eine Ungeschicklichkeit“ zu einem Ausscheiden aus der Währungsunion führen könne. Eine Einstellung der Hilfszahlungen der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) werde zu einem sofortigen Zahlungsausfall führen. Für einen solchen Fall müsse man mit „extremer Unsicherheit, sozialen Unruhen und Panik in der Wirtschaft“ rechnen.

„Geuro“ und „Neue Drachme“: Chancen und Risiken einer Zweitwährung für Griechenland

Wie soll der „Geuro“ funktionieren?

In seinem Modell geht Deutsche-Bank-Ökonom Mayer davon aus, dass der griechischen Regierung das Geld ausgeht, die internationalen Geldgeber aber weiterhin für die Schulden des Landes geradestehen und den Bankensektor stützen. In diesem Fall könnte Athen Staatsangestellten wie etwa Polizisten Schuldscheine geben, statt sie nicht zu bezahlen. Der Beamte könne diese Schuldscheine (Geuro) gegen Euro tauschen.

Was bringt eine Parallelwährung?

Allmählich würde eine Zweitwährung entstehen, deren Kurs zum Euro sinkt. In der Folge könnten griechische Exporteure ihre Preise in Euro senken und so wieder besser ins Geschäft mit Partnern im Ausland kommen. Die Ökonomen Lucke/Neumann erklären: „Unser Vorschlag, die ND als eine zweite, gleichberechtigte Landeswährung einzuführen, soll es Griechenland erleichtern, durch einen Kurs größerer Flexibilität den wirtschaftlichen Wiederaufstieg zu erreichen. Aber es geht auch um den politisch-psychologischen Aspekt, dem Land die Rückkehr zur vollen Mitgliedschaft in der Euro-Union sichtbar offenzuhalten.“

Würden so die Probleme der griechischen Wirtschaft gelöst?

Wohl kaum. Die griechische Wirtschaft hat ein strukturelles Problem: Das Land lebt vor allem vom Tourismus und Waren wie Oliven, Feta und Wein. „Griechenland fehlen hochwertige, international wettbewerbsfähige Beschäftigungsstrukturen“, urteilten Ökonomen des Instituts für Weltwirtschaft (IfW/Kiel) in einer Anfang 2012 veröffentlichten Studie. Im Vergleich zu anderen Euro-Sorgenländern wie Portugal und Spanien sei Griechenland „seit jeher ausgesprochen schwach industrialisiert“.

Wo liegen die Risiken einer Parallelwährung?

Ein griechischer Sonderweg könnte ein fatales Signal an andere Wackelkandidaten senden. Die Sorge ist groß, dass die Bereitschaft zu Reformen in den Ländern sinkt, sobald der Druck nachlässt. Viele Experten sehen die Gefahr, dass die Tage der Europäischen Währungsunion (EWU) dann gezählt sind. „Der einzige momentan vorstellbare Weg, auf dem die EWU mit allen Mitgliedern fortbestehen kann, scheint uns in einer zeitlichen Streckung der Konsolidierungsvorgaben zu liegen - ohne Aufgabe ihrer absoluten Verbindlichkeit, die auch von den Problemländern ohne Wenn und Aber anerkannt werden müsste“, analysiert die DZ Bank.

Darf Griechenland überhaupt einfach eine neue Währung einführen?

Helmut Siekmann, Professur für Geld-, Währungs- und Notenbankrecht an der Universität Frankfurt und Direktor des Institute for Monetary and Financial Stability (IMFS) betont: „Alle Verbindlichkeiten auch innerhalb Griechenlands sind in Euro zu begleichen, nicht in einer neuen Kunstwährung.“ Selbst neue Forderungen könnten nicht ohne Rechtsbruch auf eine andere Währung als den Euro lauten: „Griechenland hat die Währungshoheit an die EU abgetreten. Das Land kann legal keine neue Währung einführen.“ Privatpersonen, Unternehmen und Investoren im In- und Ausland wären an eine illegal eingeführte Währung nicht gebunden. Der Vorschlag sei insofern sehr kurz gedacht, sagt Siekmann: „Wenn man diese Konsequenzen bedenkt, sehe ich keinen großen Fortschritt außer vielleicht etwas Zeitgewinn.“

Gibt es Beispiele für derartige Parallelwährungen?

De facto habe es in erheblichem Umfang im Sozialismus westliche Währungen als Parallelwährungen gegeben, zum Teil sogar offiziell anerkannt, sagt Ökonom Siekmann. Auch kleinere Länder hätten fremde Währungen ohne formelle Absprache übernommen, etwa Balkanstaaten den Euro. In Zeiten der Hyperinflation habe man immer wieder wie 1923 in Deutschland auch mit US-Dollar bezahlen können. Und immer wenn Kalifornien in Zahlungsschwierigkeiten geriet, wurden dort Schuldscheine ausgegeben.

Kommentare (6)

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ForzaEURO

31.05.2012, 14:53 Uhr

Griechenland ist mit dem EURO zum Erfolg verdammt.

Die Griechen würden sowieso Schwarzhandel mit EUROs betreiben, wenn ihr Staat eine andere Währung einführen würde. Wer bitteschön würde einer griechischen Währung Vertrauen schenken? Die Griechen würden sich schwarz in EURO bezahlen lassen und ebenso zahlen und sparen.

Der Staat könnte mit der Drachme dann sowieso keine politische Lenkungspolitik mit einer eigenen Währung durchführen.

Mit der Wiedereinführung der Drachme würde sich der griechische Staat eher von seinen Bürgern abkoppeln als die Griechen vom EURO.

Für eine derartige Logik wundert es mich schon, dass eine Studie notwendig war.

Pro-D

31.05.2012, 15:30 Uhr

WOW welche geniale Erkenntnis, dass sich die GR-Situation ohne unsere Steuergelder verschlechtern würde.

Für uns aber nicht.

Der Versuch ein Volk von Bauern und Fischer auf den Level einer höchst entwickelten Industrienation zu heben, musste schief laufen. Nun aber haben die GR wieder die Chance von Hirse und Metaxa zu leben.

Der Tourismus ist dann eh weg, weil die GR frech und faul sind und noch über die schimpfen, die sie ernähren.

"Wessen Brot du isst, dessen Diener du bist"

Evtl. sollten die GR das erst mal lernen und bis dahin bleiben die dt. Touristen weg und die anderen haben eh bald kein Geld mehr, fürs Reisen.

Account gelöscht!

31.05.2012, 17:39 Uhr

Ich frage mich langsam immer mehr, warum die Wirtschaftsleistung von Griechenland selbst im Handelsblatt nicht näher untersucht wird.
Bei einer derart hohen Abhängigkeit vom Tourismus, ist in den aktuellen Krisenzeiten und bei den Affronts gegen EU-Nordländer insbesondere - doch auch kein Wunder, warum dieser 'Industriezweig' völlig zusammenbricht.
Natürlich hängen daran eine Menge Arbeitslöhne und reisst die gesamten Innenwirtschaft ganze herunter.

Ständig nur pauschal davon zu reden, die Wirtschaftsleistung in Griechenland nimmt wegen der Verschuldung ab, ohne Analyse wieso denn genau - ist meines Erachtens journalistisch unqualifiziert.

Gäbe es nicht die großen Affronts gegenüber Geberländern, denen als Gläubiger die Buhmann-Rolle zugeordnet wird - wären die Umsätze durchaus im Rahmen geblieben.

Konkrete Hilfsprogramme für die griechische Bevölkerung, wurden auch noch von keiner Seite aufgelegt .. Dabei sind es für mich genau diejenigen (das griechische Volk), die ich als Europäer sehr gerne unterstützen würde.

Die griechischen Bänker, Reeder, Beamten eher weniger.

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