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25.11.2015

16:54 Uhr

Studie von Morgan Stanley

USA hinter Südeuropa am ungleichsten entwickeltes Land der Welt

Portugal, Italien, Griechenland und Spanien – die ungleichsten Länder der Welt liegen in Südeuropa. Das ist das Ergebnis einer Studie von Morgan Stanley. Direkt hinter den krisengeschüttelten Staaten folgen die USA.

Größere ökonomische Ungleichheit als in den USA gibt es sonst nur in Südeuropa. Reuters

Lebende Freiheitsstatuen

Größere ökonomische Ungleichheit als in den USA gibt es sonst nur in Südeuropa.

WashingtonIm seit Jahren krisengeschüttelten Süden von Europa finden sich einer Aufstellung der US-Investmentbank Morgan Stanley zufolge die ökonomisch ungleichsten Länder in der entwickelten Welt. Das geht aus einer am Dienstag in New York vorgelegten, neuen Studie der Bank hervor. Direkt hinter den südeuropäischen Ländern Portugal, Italien, Griechenland und Spanien folgen demnach die USA.

Die Analysten von Morgan Stanley orientierten sich bei ihrer Bewertung an verschiedenen ökonomischen und sozialen Indikatoren, darunter die Unterschiede bei Löhnen und Gehältern zwischen Männern und Frauen, die Quote unfreiwilliger Teilzeitarbeit und den Zugang zum Internet. Weiteres Ergebnis der Studie: Der wirtschaftliche Aufstieg von großen Schwellenländern wie China und Indien hat die Ungleichheit unter den Ländern zwar reduziert, aber trotzdem die individuelle Ungleichheit wachsen lassen.

Fahrplan bis zur Präsidentschaftswahl 2016

Die Ausgangssituation

Im November 2016 wählen die USA den Nachfolger von Präsident Barack Obama. Während bei Obamas Demokraten die frühere Außenministerin und ehemalige First Lady Hillary Clinton als große Favoritin für die Kandidatur gilt, zeichnet sich bei den Republikanern ein spannendes Nominierungsrennen ab.

Erstes Abtasten der Bewerber

Bei Demokraten und Republikanern hat das Rennen um das Weiße Haus in den vergangenen Monaten Fahrt aufgenommen. Die Bewerber sammelten Spenden, reisten zu Kundgebungen quer durch das Land und traten in parteiinternen TV-Debatten gegeneinander an. Die Präsidentschaftsanwärter konzentrieren sich vor allem darauf, die Basis der eigenen Partei von sich zu überzeugen.

Vorentscheidung beim Super-Dienstag

Am 1. Februar finden traditionell im ländlich geprägten Bundesstaat Iowa im Mittleren Westen die ersten Vorwahlen statt, gefolgt von den Abstimmungen in New Hampshire am 9. Februar. Die Ergebnisse aus Iowa: Bei den Demokraten lag Hillary Clinton hauchdünn vor Bernie Sanders, die Republikaner sehen Ted Cruz vor Milliardär Donald Trump.

Nach und nach stellen sich die republikanischen und demokratischen Bewerber in allen 50 Bundesstaaten dem Votum der Wähler. Die Abstimmungen ziehen sich bis in den Juni, meist stehen die Mehrheitsverhältnisse aber schon vorher fest. Eine Vorentscheidung könnte beim sogenannten Super-Dienstag am 1. März fallen, wenn 13 Bundesstaaten gleichzeitig abstimmen.

„Primary“- und „Caucus“-System

Bei manchen Vorwahlen dürfen nur registrierte Parteimitglieder teilnehmen, andere sind offen für alle Wahlberechtigten. Unterschieden wird je nach Bundesstaat auch zwischen dem „Primary“-System, bei dem Bürger den ganzen Tag ihre Stimme in einem Wahllokal abgeben können, und dem „Caucus“-System, bei dem sich Parteimitglieder zu abendlichen Diskussionsrunden auf Ortsebene treffen und dabei abstimmen.

Kandidatenkür bei den Parteitagen

Abschluss des Vorwahlprozesses sind die sogenannten Conventions, bei denen Delegierte aus allen Bundesstaaten den Kandidaten ihrer Partei ins Rennen schicken. Die Zahl der Vertreter, die jeder Staat entsenden darf, wird durch eine komplizierte Formel festgelegt und hängt vor allem von seiner Bevölkerungsstärke ab. Die meisten Delegierten sind an die Vorwahlergebnisse aus ihrem Heimatstaat gebunden.

Die Republikaner halten ihre Convention vom 18. bis 21. Juli in Cleveland im Bundesstaat Ohio ab. Der Nominierungsparteitag der Demokraten findet vom 25. bis 28. Juli in Philadelphia im Bundesstaat Pennsylvania statt.

Heiße Wahlkampfphase

Im Herbst 2016 liegen die entscheidenden Wochen des Wahlkampfes. Fast täglich erscheinen neue Umfrageergebnisse, mit denen Republikaner und Demokraten ihre Chancen abschätzen können. In drei Fernsehduellen am 26. September, 9. Oktober und 19. Oktober debattieren die Kandidaten innen- und außenpolitische Themen, während die Bevölkerung in besonders umkämpften Bundesstaaten wie Florida oder Ohio mit Wahlwerbespots überschwemmt wird. Beide Parteien sind auf der Hut vor einem „October Surprise“ – einem unerwarteten Ereignis im Oktober, das dem Präsidentschaftsrennen eine neue Dynamik geben könnte.

Seit Mitte der achtziger Jahre hat die Einkommensungleichheit in der entwickelten Welt am stärksten zugenommen in Schweden, wie die Studie überdies ergab. Trotz dieser Entwicklung weise Schweden gemeinsam mit den anderen skandinavischen Ländern weiterhin das niedrigste Ungleichheitsniveau auf.

Langfristig hemmt eine anhaltende Ungleichheit in einem Land das Wirtschaftswachstum, hieß es von Morgan Stanley. Mangelnde Chancengleichheit dämpfe die Neigung zu harter Arbeit, mehr Bildung und der gezielten Weiterentwicklung von Fähigkeiten. Überdies erodiere das Vertrauen in Politik und soziale Institutionen. Schließlich münde die soziale Ungleichheit in wirtschaftspolitischen Entscheidungen, die auf eine erhöhte Marktregulierung, Protektionismus und eine vermehrte Anti-Immigrationspolitik hinausliefen.

„Die früheren Generationen der Mittelklasse konnten sich wegen der Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg auf einen steigenden Lebensstandard mit angemessenen Häusern für ihre Familien und eine gute Bildung für ihre Kinder verlassen“, hieß es in der Morgan-Stanley-Studie. Es gab auch verlässlichere Altersvorsorgesysteme, hieß es. „Im Gegensatz dazu muss sich die Mittelklasse derzeit um die erhöhte Unsicherheit ihrer Arbeitsplätze und ihrer Altersrücklagen sorgen“.

Die Entwicklung zu wachsenden Einkommensunterschieden berge allerdings auch Anlagechancen, hieß es in der Studie. Ein Trend zu größerer Produktdifferenzierung mit höheren Qualitäts- und Preisunterschieden werde sich voraussichtlich fortsetzen, stellte Morgan Stanley fest. Davon profitieren Anbieter wie etwa Nestlé SA, die erfolgreich die verschiedenen Marktsegmente für Gutverdiener wie für Wenigverdiener gleichzeitig bedienen.

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