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20.05.2012

14:00 Uhr

Studie zur Jugendarbeitslosigkeit

Europa droht eine „verlorene Generation“

ExklusivDie Internationale Arbeitsorganisation ILO warnt vor der Jugendarbeitslosigkeit in Europa. Vor allem die Sparmaßnahmen behinderten eine Erholung der Arbeitsmärkte. Jetzt drohe dem Kontinent eine „verlorene Generation“.

Demonstranten in Spanien: Das Land hat mit extrem hoher Jugendarbeitslosigkeit zu kämpfen. Reuters

Demonstranten in Spanien: Das Land hat mit extrem hoher Jugendarbeitslosigkeit zu kämpfen.

Die mit der Finanz- und Wirtschaftskrise drastisch gestiegene Jugendarbeitslosigkeit in Europa wird nach einer Studie der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) mindestens bis 2016 auf „dramatisch hohen Niveaus“ verharren. Es drohe deshalb eine „verlorene Generation“ heranzuwachsen, warnt die ILO in dem Report „Global Employment Trends Youth 2012“, der dem Handelsblatt vorliegt. Die in Genf ansässige UNO-Organisation empfiehlt den Regierungen daher einen Ausbau der aktiven Arbeitsmarktpolitik. „Der seit der Wirtschaftskrise eingeschlagene Sparkurs behindert eine rasche Erholung der Arbeitsmärkte für Jugendliche“, heißt es in der 56-seitigen Studie, die am Dienstag offiziell vorgestellt werden soll.

Im Durchschnitt der Europäischen Union und der anderen entwickelten Industrieregionen hat sich die Arbeitslosenquote in der Gruppe der 15- bis 24-Jährigen nach den Berechnungen der ILO von 2008 bis 2011 um 26,5 Prozent erhöht. Der Anstieg war damit in diesen drei Jahren so stark wie in keiner anderen Weltregion. Im globalen Durchschnitt habe die Jugendarbeitslosigkeit seit Beginn der Krise um 5,3 Prozent zugenommen, weist die Studie aus. Nach den jüngsten Daten der europäischen Statistikbehörde Eurostat hatte die Quote der arbeitslosen Jugendlichen in den 17 Ländern der Euro-Zone im März 2012 das Rekordniveau von durchschnittlich 22,1 Prozent erreicht.

Die reale Lage ist nach der Analyse der ILO „noch schlechter, weil sich junge Menschen in massiver Zahl vom Arbeitsmarkt zurückgezogen haben“. Die Arbeitsorganisation mahnt daher an, Beschäftigungspolitik für junge Menschen „zu einer Priorität auf der politischen Agenda“ der Regierungen zu machen.

In der Debatte über die Sparpolitik in den Euro-Krisenstaaten gibt die Analyse der ILO damit den Befürwortern einer stärkeren Wachstumsförderung Rückenwind. SPD-Chef Sigmar Gabriel stufte die Analyse als „alarmierend“ ein. „Wir brauchen vor allem ein Sofortprogramm zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit in Ländern wie Griechenland oder Spanien, wo inzwischen jeder zweite Jugendliche keine Arbeit hat“, sagte Gabriel dem Handelsblatt. Insgesamt zeige sich nun für die SPD, „dass wir mit unserer Forderung, die Konsolidierungspolitik um einen Pakt für Wachstum und Beschäftigung zu ergänzen, richtig liegen“, betonte der Parteichef.

Die europäischen Staats- und Regierungschefs wollen sich am Mittwochabend in Brüssel treffen und sich darüber abzustimmen, wie der EU-Fiskalpakt um einen Wachstumspakt ergänzt werden könnte.

Von

dc

Kommentare (19)

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Pinin

20.05.2012, 14:17 Uhr

Klar, der Gabriel will natürlich noch mehr Flughäfen, Autobahnen und Häuser in Spanien bauen.
Hauptsache Deutschlands Sparguthaben werden geplündert.

roluebb

20.05.2012, 14:20 Uhr

Die hier erwähnte „verlorene Generation“, diese Generation ist das Opfer starrsinnigen Poltiker, die lieber das Rentenalter hoch setzen anstatt die Jugend in Arbiet zu bringen. Wer solche Poltiker wählt, bzw. solche Politik unterstützt, soll hier nicht rumjammern! Kinder in die Welt setzen, zur Erhöhung von Geburtenraten anstacheln ist das eine, das andere ist, sich um diese geborenen dann auch zu kümmern. „Aller Eigensinn beruhr darauf, dass der Wille
sich an STATT der Erkenntnis setzt.“
(Schopenhauer)

PowerplayAC

20.05.2012, 14:23 Uhr

Und wieder einmal wird Ursache mit Wirkung verwechselt. Die Jugendarbeitslosigkeit in Europa hat eine Reihe von Ursachen und existierte bereits lange vor dem Sparkurs der letzten wenigen Jahre. Es ist aber recht und billig, diesen traurigen Sachverhalt vor den Karren der Argumentation zu spannen.

Fehlende Arbeitsmarktreformen, schwacher industrieller Kern und fehlendes Ausbildungssystem (außerhalb der Hochschulen) sind immer schon das Kreuz der Südeuropäer gewesen. Doch niemand will den Systemgeinnlern weh tun, also bleibt alles beim Alten.

Die Merkelsche Austerität zwingt jetzt zu Reformen und diese werden halbherzig umgesetzt.

Konjunkturprogramme und endlose Schuldenberge sind nicht die Lösung, sondern funktionierende Strukturen, die dem weltweiten (!) Wettbewerb standhalten können.

Merkel-Bashing ist aber doch State of the Art, also warum die wirklichen Probleme angehen. Die Deutschen werden doch zahlen und mit untergehen.

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