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10.03.2016

19:21 Uhr

Sturz von Gaddafi

Obama kritisiert Europas Vorgehen in Libyen-Krise

Fünf Jahre nach dem Sturz des libyschen Machthabers Muammar Gaddafi übt Barack Obama harte Kritik: Erst mangelndes Engagement der Europäer habe den IS erstarken lassen, so der US-Präsident.

Weite Teile Libyens sind seit dem Sturz des ehemaligen Diktators Gaddafi zerstört. dpa

IS in Libyen

Weite Teile Libyens sind seit dem Sturz des ehemaligen Diktators Gaddafi zerstört.

WashingtonUS-Präsident Barack Obama hat Versäumnisse der europäischen Verbündeten als eine der Ursachen für die Krise in Libyen nach dem Sturz von Machthaber Muammar Gaddafi vor knapp fünf Jahren bezeichnet. „Wenn ich zurückblicke und mich frage, was schiefgelaufen ist, dann gibt es Raum für Kritik, weil ich mehr Vertrauen in die Europäer hatte, was das Engagement im Nachgang angeht angesichts der Nähe zu Libyen“, sagte Obama in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview des US-Magazins „The Atlantic“.

Ein internationaler Militäreinsatz hatte 2011 maßgeblich zum Sieg der Gegner Gaddafis beigetragen. Seitdem steckt das nordafrikanische Land aber immer noch im politischen Chaos. Das Machtvakuum nutzen extreme Gruppe zunehmend aus, um sich breitzumachen. Dazu zählt auch die vornehmlich in Syrien und im Irak aktive sunnitische Extremistenmiliz IS. Diese werde in Libyen von Tag zu Tag stärker, sagte der in einem Interview der IS-Publikation „al-Naba“ als neuer Anführer des libyschen IS-Ablegers bezeichnete Abdul Kadr al-Nadschdi. Im November war der libysche IS-Chef Abu Nabil bei einem US-Luftangriff im Osten des Landes getötet worden.

Chaos und Gewalt: Libyen nach Gaddafi

7. Juli 2012

Vor knapp drei Jahren haben libysche Revolutionäre Diktator Muammar al-Gaddafi nach einem Bürgerkrieg gestürzt. Doch Chaos und Gewalt herrschen weiter: Am 7. Juli 2012 geht die liberale Allianz der Nationalen Kräfte als Sieger aus der ersten libyschen Parlamentswahl hervor.

11. September 2012

Bei einem später als Terroranschlag eingestuften Angriff von Demonstranten auf das US-Konsulat in Bengasi werden Botschafter Chris Stevens und drei weitere Amerikaner getötet.

14. Oktober 2012

Das Parlament wählt nach wochenlanger Verzögerung den Abgeordneten Ali Seidan zum Ministerpräsidenten.

9. Juni 2013

Bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und bewaffneten Milizen kommen in Bengasi mindestens 31 Menschen ums Leben. In den folgenden Tagen gibt es weitere Gefechte mit Todesopfern.

10. Oktober 2013

Bewaffnete Ex-Revolutionäre bringen Seidan für mehrere Stunden in ihre Gewalt. Das Geiseldrama endet mit seiner Befreiung durch Kämpfer einer anderen Revolutionsbrigade.

15. November 2013

Mehr als 40 Menschen sterben bei blutigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Milizen in Tripolis.

26. Februar 2014

Extremisten behindern erneut die Wahl zur verfassungsgebenden Versammlung. Es war bereits der zweite Anlauf, nachdem viele Wahllokale am eigentlichen Wahltag am 20. Februar wegen Drohungen von Milizen nicht hatten geöffnet werden können.

11. März 2014

Das libysche Parlament setzt Regierungschef Ali Seidan per Misstrauensvotum ab.

13. April 2014

Nach Drohungen von islamistischen Milizionären kündigt Übergangsregierungschef Abdullah al-Thinni seinen Rückzug an.

4. Mai 2014

Der Unternehmer Ahmed Maitieg wird Ministerpräsident.

16. Mai 2014

Bei bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Milizen und Soldaten unter dem Kommando eines abtrünnigen Generalmajors kommen Dutzende Menschen ums Leben. Die Unruhen weiten sich in den kommenden Tagen auf andere Städte aus.

9. Juni 2014

Das Oberste Gericht Libyens erklärt die umstrittene Wahl Maitiegs wegen Unregelmäßigkeiten für verfassungswidrig.

25. Juni 2014

Zum zweiten Mal seit Gaddafis Sturz wählen die Libyer ein neues Parlament. Die Beteiligung ist gering.

13. Juli 2014

Blutige Kämpfe rivalisierender Milizen um den Flughafen von Tripolis legen den Luftverkehr weitgehend lahm.

17. Juli 2014

Libyens Regierung bittet die UN um militärische Hilfe.

27. Juli 2014

Bei neuen Kämpfen in Bengasi sterben mindestens 38 Menschen. Berlin ruft alle Deutschen zur Ausreise aus Libyen auf. Am Tag darauf zieht Deutschland seine Diplomaten aus Tripolis ab.

Von

rtr

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