Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.08.2016

20:00 Uhr

Subventionen in den USA

Ein Land versinkt im Käse

VonAxel Postinett

Mehr als eine Milliarde Pfund Käse stapeln sich in amerikanischen Kühlhäusern. Doch wer soll das alles essen? Um dem Käseberg Herr zu werden, verabschieden sich selbst die USA von der geliebten Marktwirtschaft.

Beim Käse hört selbst in den USA die Marktwirtschaft auf. getty Images

Überfluss an Leibern

Beim Käse hört selbst in den USA die Marktwirtschaft auf.

San Francisco„Trader Joe’s“ an der Hyde Street in San Francisco ist an diesem Mittwoch gut besucht – wie immer. Die große Käsetheke ist prall gefüllt mit Spezialitäten aus aller Welt. Hier gibt es alles, was das Herz begehrt – und noch mehr: Der billigste Double Cream Brie aus heimischer Produktion kostet 5,99 Dollar pro 450 Gramm, aber es geht auch teurer, 7,99 Dollar oder 8,99 Dollar sind normal für französischen Käse. Der frische Butterkäse, importiert aus Nürnberg, schlägt an der Kasse der amerikanischen Aldi-Tochter mit 4,99 Dollar pro 450 Gramm (ein Pfund in den USA) zu Buche.

Und wenn es nach dem US-Landwirtschaftsministerium geht, dann werden die Preise noch mal deutlich anziehen. Denn die US-Regierung kauft jetzt Käse-Überschüsse im Land auf, um das Angebot künstlich zu verknappen. Die USA verabschieden sich von der Marktwirtschaft.

Die Märkte für Milchprodukte sind seit Generationen außer Kontrolle und Spielball von Subventions- und Planwirtschaftsakrobaten in der ganzen Welt. „Milchsee“ und „Butterberg“ sind zwei deutsche Wortschöpfungen, die für fehlgeleitete EU-Subventionspolitik stehen.

USA: Wichtige Daten

Bevölkerung

Die 324,33 Millionen starke Bevölkerung der Vereinigten Staaten besteht aus einem bunten Mix verschiedenster Kulturen. So sind rund 72,4 Prozent der Gesamtbevölkerung weiß mit einer größtenteils europäischen Abstammung. Rund 13,3 Prozent sind Afroamerikaner und etwa 5,6 Prozent Asiaten.

Unabhängig davon sind 17,61 Prozent der Bevölkerung Lateinamerikaner, 82,39 Prozent Nicht-Hispanics.

Arbeitslosenquote

Die Arbeitslosenquote beträgt in den USA 4,85 Prozent (Juni 2016). Bei 324,33 Millionen Einwohnern sind das immerhin 15,73 Millionen Menschen ohne Job.

BIP

Das Bruttoinlandsprodukt der USA ist seit 2006 stetig gewachsen. So ist es in der Zeit von 13.855 Milliarden auf 17.947 Milliarden US-Dollar (2015) gestiegen. Für 2016 liegen die Prognosen bei 18.558 Milliarden US-Dollar.

Fläche

Die Vereinigten Staaten belegen mit ihrer Fläche von 9.984.670 Quadratkilometern Platz drei der größten Länder weltweit. Einzig Russland und Kanada liegen flächenmäßig noch vor dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten, China liegt auf Platz 4. Zum Vergleich: Das kleine Deutschland liegt mit seinen 357.168 Quadratkilometern weit hinter den Spitzenreitern.

Sprache

Der Großteil der amerikanischen Bevölkerung spricht zwar Englisch, allerdings ist das nicht die Amtssprache. Das liegt daran, dass die Vereinigten Staaten keine festgelegte Amtssprache haben. So wird zum Beispiel in den an Mexiko angrenzenden Staaten oftmals Spanisch ebenso häufig verwendet wie Englisch. Auch Chinesisch, Deutsch oder Französisch und viele weitere Sprachen sind im Land vertreten.

Dann kam 1985 die Milchquote in Europa. 30 Jahre lang bewirkte sie nichts, wurde dann wieder abgeschafft und hinterließ den Milch-Markt so desolat zurück wie zuvor. Nach dem Ende der Quotenregelung expandierte die Produktion munter weiter, alle setzen auf den Exportmarkt, zum Beispiel Russland. Aber der Markt brach mit den Sanktionen gegen Russland in sich zusammen, als die Russen den Import von Milchprodukten aus der EU stoppten. Der Ausweg für EU-Bauern: die USA.

Der mächtig angeheizte Import von billigen Milchprodukten bei billigem Euro in die USA setzte wiederum die dortige Industrie unter noch größeren Druck und zwingt jetzt die US-Regierung zum Handeln. Das Landwirtschaftsministerium USDA wird jetzt elf Millionen Pfund (4,9 Millionen Kilogramm) Käse aufkaufen. Das Ganze kostet zwar nur 20 Millionen Dollar, was eigentlich keinerlei Erwähnung wert wäre. Aber für die Verbraucher ist es mit einschneidenden Konsequenzen verbunden.

USA und die privaten Haftanstalten: Das lukrative Geschäft mit dem Knast

USA und die privaten Haftanstalten

Das lukrative Geschäft mit dem Knast

In den USA sitzen mehr Bürger im Gefängnis als in Russland und China zusammen. Viele davon in privaten Haftanstalten, denn das bringt das große Geld. Die Politik will das ändern – zum Ärger der Aktienbesitzer.

Diese planwirtschaftliche Maßnahme soll den Weg für Preissteigerungen bereiten, die sonst im Markt offenbar nicht durchzusetzen sind. Es geht dabei auch um weit mehr potenzielle Hilfe aus dem Steuertopf: Jim Mulhern, Chef der National Milk Producers Federation, hatte laut „Wall Street Journal“ von US-Landwirtschaftsminister Tom Vilsack im Vorfeld sogar den Ankauf von Käse für rund 150 Millionen Dollar verlangt. Doch auch das würde nicht viel bringen. Denn mehr als eine Milliarde Pfund Käse stapelt sich in amerikanischen Kühlhäusern. Dazu kommen noch hunderte Millionen Pfund „American Cheese“, das deutsche Pendant ist „Scheibletten-Käse“.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×