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15.12.2012

15:26 Uhr

Südafrika

„Am Rande des Wirtschaftskriegs“

VonWolfgang Drechsler

Massive Streiks in Bergbau und Landwirtschaft legen Südafrikas massive Probleme offen. Doch vor dem ANC-Parteitag drückt Präsident Zuma die Streitpunkte weg - und treibt das Land in eine gefährliche Zerreisprobe.

Nelson Mandela, der Held Südafrikas. dapd

Nelson Mandela, der Held Südafrikas.

KapstadtSüdafrika durchlebt die schwersten Zeiten seit dem Ende der Apartheid. Ausgerechnet der Bergbau, eine tragende Säule seiner Wirtschaft, ist in den letzten Monaten von einer Reihe blutiger Streiks schwer erschüttert worden. Die hohen Lohnforderungen der Bergleute von mehr als 20 Prozent, verbunden mit einer Kostenexplosion bei Strom und Diesel sowie einer geringeren Rohstoffnachfrage, haben den Konzernen schwer zugesetzt - und dürften diese schon bald zum Abbau Zehntausender von Arbeitsplätzen zwingen. So machen derzeit rund die Hälfte aller Platinminen am Kap keinen Gewinn.

Inzwischen haben die willkürlichen Streiks auch die kaum minder wichtige Landwirtschaft erfasst: Erst letzten Monat wurden im Fruchtgürtel um Kapstadt Dutzende von Weinstöcken aber auch Lagerhallen und Traktoren abgefackelt. Tagelang musste die Autobahn zwischen Kapstadt und Johannesburg geschlossen werden, weil Farmarbeiter sie mit Felsbrocken und brennenden Autoreifen blockierten, um ihren Lohnforderungen dadurch Nachdruck zu verleihen.

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Als Reaktion auf die politische Instabilität und die Sorgen um den künftigen Wirtschaftskurs der Regierung haben gleich zwei große Ratingagenturen ihre Bewertung für das Land gesenkt - und den Ausblick auf „negativ“ gestellt. Ganz unerwartet kam das harte Urteil nicht: Während die meisten Staaten in Afrika in den letzten zehn Jahren im Schnitt um rund 6 Prozent wuchsen, waren es in Südafrika nur 3,5 Prozent – die Hälfte dessen, was zu einem spürbaren Abbau der Arbeitslosigkeit von offiziell 25 Prozent benötigt wird. Aber auch die ausländischen Direktinvestitionen versiegen.

Besonders beunruhigend ist für viele Beobachter, dass Südafrikas Präsident Jacob Zuma die gegenwärtige Misere nicht als Teil eines weit größeren, strukturellen Problems erkennt. Statt dessen versucht er alle potenziellen Streitpunkte bis zum Parteitag des regierenden Afrikanischen Nationalkongress (ANC) aufzuschieben, der nächste Woche in Blomfontein (Mangaung) stattfindet - dem Ort, wo die frühere Widerstandsbewegung vor genau 100 Jahren gegründet wurde.

Sollte der von mehreren Skandalen geplagte Zuma dort abermals zum Parteivorsitzenden gewählt werden, hat er gute Aussichten, in zwei Jahren auch Präsidentschaftskandidat des ANC zu werden und bis 2019 am Ruder zu bleiben. Südafrika würde dann womöglich sieben weitere Jahre von einem führungsschwachen Präsidenten regiert werden. Auch dürften unter Zuma die internen Machtkämpfe fortdauern, die den ANC seit Jahren lähmen und eine vernünftige Regierungsarbeit unmöglich machen.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

15.12.2012, 16:03 Uhr

So wie es aussieht geht Südafrika den Weg aller schwarzafrikanischen Staaten nach dem Ende der Kolonialzeit. Da dieses Land den Löwenanteil der börsennotierten Wirtschaft (Schwarz)Afrikas darstellt, dürfen die Mutigen gerne in Afrikafonds investieren.

Verkneifen möchte ich mir hingegen die Bemerkung, daß man an Südafrika auch schon die künftigen praktischen Folgen unserer "Energiewende" studieren kann.

BRichert

16.12.2012, 07:52 Uhr

Diese Partei hat auch in 20Jahren der Freiheit,die sie zweifellos erkämpft hat,nicht begriffen,das kämpfen für Freiheit und Menschenrechte eine Sache ist und ein Land
zu führen und erfolgreich in die Zukunft zu bringen eine total andere Aufgabe darstellt.das braucht ein bischen mehr als Wiederstand nämlich verstand und soziologischen und ecologischen durchblick,daran hapert es bei fast allen im ANC Lager,was hier zählt is persönliche Bereicherung und Verteilung an alle die dem Aparat nützlich sind oder werden können.Hier werden Leute an den wichtigen Basisfunktionen zu Abgeordneten im Wahlkreis gewählt nur weil sie irgendwelche Verdienste in der Partei erworben haben,von den Vorgaben ein Volk in eine erfolgreiche Zukunft zu führen noch nie etwas gehört haben,von einem Haufen ungebildeter Menschen gewählt nur weil er Versprechungen wie,wir geben Euch Häuser,Elektrizität und Wasser( frei natürlich ) und mehr Kindergeld u.s.w gemacht hat. Zum verständnis, ein Schwarzer wählt nur ANC,bis zum Untergang und dann werden statt Politik zu machen wieder die Weissen als Watschenmann heraus geholt auch in 100Jahren noch.Ein Mann der für die Freiheit 7 Jahre ins Gefängnis gegangen ist,der Schrifsteller Breyten Breitenbach hat einmal auf meine Frage wie er die Zukunft von Süd Afrika sieht geantwortet,BLACK.Und ich glaube und fürchte er hatte recht damals in 2001.

Account gelöscht!

16.12.2012, 09:56 Uhr

Wer sich weiter informieren möchte dem sei das Buch "SüdafrikaKaterstimmung am Kap" empfohlen. Die Herausgeberin Wilke-Launer hat Stimmen südafrikanischer Intellektueller gesammelt.Es wurde eine faktenreiche und differenzierte Darstellung des heutigen Südafrika.
Volker Seitz, Autor "Afrika wird armregiert"

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