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06.12.2013

15:38 Uhr

Südafrika nach Mandelas Tod

„Die Einheit des Landes hat ihr Symbol verloren“

VonWolfgang Drechsler

Ein Land in Trauer, ein Land im Ausnahmezustand: Südafrika nimmt Abschied vom größten Sohn des Landes, Nelson Mandela. Die Menschen weinen, sie tanzen, sie erinnern sich an ihr Idol – und das alle gemeinsam.

Tod des Nationalhelden

Südafrika trauert um Nelson Mandela

Tod des Nationalhelden: Südafrika trauert um Nelson Mandela

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KapstadtEs war der Tag, vor dem sich die Südafrikaner mehr als vor jedem anderen gefürchtet hatten – und auf den sie seit Monaten voller Sorge hinlebten. Als sich die traurige Nachricht am späten Donnerstag gegen Mitternacht im ganzen Land verbreitete, war der Schock dennoch fast physisch spürbar: Der Tod ihres Nationalhelden Nelson Mandela hat Südafrika in seinem Innersten erschüttert und einen tiefen Schatten auf die eben erst begonnenen Sommerferien geworfen.

Die zentrale Trauerfeier für den verstorbenen südafrikanischen Nationalhelden Nelson Mandela soll am Dienstag, 10. Dezember, im FNB-Stadion von Johannesburg stattfinden. Das teilte Südafrikas Präsident Jacob Zuma am Freitag in Johannesburg mit. Zu der Trauerfeier werden Staatsoberhäupter aus aller Welt erwartet. Mandela war am Donnerstag im Alter von 95 Jahren in seinem Haus in einem Vorort von Johannesburg gestorben.

Für diesen Sonntag, 8. Dezember, kündigte Zuma einen nationalen Tag der Trauer und des Gebets an. „Wir werden eine Woche lang trauern. Und wir werden auch eine Woche lang sein erfülltes Leben feiern“, sagte Südafrikas Staatsoberhaupt.

Das Leben des Nelson Mandela

18. Juli 1918

Nelson Rolihlahla („Der Schwierige“) Mandela wird als Mitglied der Tembu-Königsfamilie des Xhosa-Volkes bei Umtata im Südwesten des Landes geboren.

1938

Mandela beginnt sein Jurastudium an der Universität für Farbige in Fort Hare. Es folgen die Universitäten von Witwatersrand und Pretoria, wo er 1942 sein Studium abschließt.

1944

Mandela schließt sich der schwarzen Widerstandsbewegung gegen die südafrikanische Apartheidpolitik an und wird Mitglied des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC).

1952

Er eröffnet das erste schwarze Anwaltsbüro in Johannesburg und führt eine gewaltlose landesweite Kampagne gegen die sogenannten Rassentrennungsgesetze.

1956

Mandela steht erstmals wegen Hochverrats vor Gericht, wird aber freigesprochen.

1961

Nach dem Verbot des ANC gründet Mandela die militante Gruppe Speer der Nation („Umkhonto we Sizwe“).

August 1962

Mandela wird erneut verhaftet. In dem folgenden Prozess werden ihm als Hauptangeklagten mehr als 150 Sabotageakte angelastet.

Juni 1964

Mandela wird wegen der Vorbereitung eines bewaffneten Aufstands als Hochverräter zu lebenslanger Haft verurteilt.

11. Februar 1990

Mandela wird nach 27 Jahren aus der Haft entlassen. 17 Jahre davon saß er mit der Häftlingsnummer 466/64 auf der berüchtigten Gefängnisinsel Robben Island ein.

1993

Mandela und der südafrikanische Regierungschef Willem de Klerk werden gemeinsam mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

9. Mai 1994

Der einstige politische Häftling geht als Sieger aus den ersten freien Wahlen nach Ende der Trennung zwischen Schwarzen und Weißen hervor und wird von der Nationalversammlung zum Staatspräsidenten gewählt.

Dezember 1997

Thabo Mbeki löst Mandela als ANC-Präsident ab.

14. Juni 1999

Mbeki wird als Nachfolger Mandelas vom südafrikanischen Parlament zum Staatspräsidenten gewählt. Mandela zieht sich aus der aktiven Politik zurück, tritt national und international aber weiterhin als moralische Instanz und Vermittler in Erscheinung.

Juni 2004

Der 85-Jährige betont, sich endgültig aus dem öffentlichen Leben heraushalten zu wollen.

Juli 2010

Letztes öffentliches Erscheinen Mandelas zur Abschlussfeier der Fußball-Weltmeisterschaft in Johannesburg.

5. Dezember 2013

Nelsen Mandela stirbt im Alter von 95 Jahren. Am darauffolgenden Dienstag wird eine weltweit übertragene Trauerfeier für ihn veranstaltet.

Anschließend erhalten die Südafrikaner Gelegenheit, persönlich von ihrem ersten schwarzen Präsidenten Abschied zu nehmen. Vom 11. bis 13. Dezember wird der Leichnam Mandelas in der Hauptstadt Pretoria aufgebahrt. Das Begräbnis soll am Sonntag, 15. Dezember, in Qunu (Ostkap) stattfinden. Dort war der Friedensnobelpreisträger aufgewachsen.

Selbst sein hohes Lebensalter konnte viele Südafrikaner, die mit Mandela und seiner steten, beruhigenden Präsenz über 20 Jahre lang aufgewachsen waren, nur bedingt über seinen Verlust hinwegtrösten. „Es war zuletzt fast so als würde man seinem Großvater beim Sterben zuschauen“ sagte der Johannesburger Publizist Mondli Makhanya, der sich ein Südafrika ohne Mandela partout noch nicht vorstellen kann. „Nicht, dass unser Land nun auseinanderbrechen oder der Himmel einstürzen würde“, sagt Makhanya, „aber die Einheit des Landes ist ihres Symbols beraubt worden.“

Dennoch mischte sich bereits kurz nach dem Bekanntwerden der Todesnachricht auch eine diffuse Erleichterung in die Trauer, weil das lange Leiden Mandelas nun ein Ende hat. Erst vor zwei Wochen hatte seine Ex-Frau Winnie in einem Zeitungsinterview erklärt, der 95-Jährige sei „ziemlich krank“ und könne wegen der vielen Schläuche in seinem Mund nicht mehr sprechen. Kommunizieren würde er allein noch mit seinem Gesicht.

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