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19.05.2016

14:42 Uhr

Südchinesisches Meer

Chinesische Kampfjets drängen US-Aufklärungsflugzeug ab

Im Streit um die Senkaku-Inseln im Südchinesischen Meer kommt es zu einem Zwischenfall: Zwei chinesische Kampfjets fliegen ein riskantes Abfangmanöver gegen ein US-Flugzeug. Experten rechnen mit weiteren Spannungen.

Neben den USA und China streiten auch Japan, die Philippinen, Vietnam, Malaysia, Taiwan und Brunei um die Inseln. dpa

Senkaku-Inseln

Neben den USA und China streiten auch Japan, die Philippinen, Vietnam, Malaysia, Taiwan und Brunei um die Inseln.

Washington/PekingDie Spannungen zwischen den USA und China im Südchinesischen Meer nehmen zu. Zwei chinesische Kampfjets hätten über dem Seegebiet ein riskantes Abfangmanöver gegen einen amerikanischen Seefernaufklärer geflogen, kritisierte das US-Verteidigungsministerium am Donnerstag. Das amerikanische Flugzeug habe sich auf einer Routine-Patrouille im internationalen Luftraum befunden. China widersprach den Angaben und forderte die USA auf, die Naherkundung einzustellen. Die chinesischen Jets hätten einen Sicherheitsabstand zu dem US-Flugzeug eingehalten, sagte der Sprecher des Außenministeriums in Peking, Hong Lei. Bei dem Zwischenfall habe sich der US-Aufklärer nahe der chinesischen Insel Hainan befunden.

Erst vor einer Woche hatte China Kampfjets aufsteigen lassen, weil sich ein US-Kriegsschiff einer umstrittenen Insel im Südchinesischen Meer näherte. 2014 fing ein chinesischer Pilot ein US-Aufklärungsflugzeug mit akrobatischen Flugmanövern ab. China beansprucht den Großteil des Seegebietes für sich. Auch die Philippinen, Vietnam, Malaysia, Taiwan und Brunei erheben jedoch Ansprüche auf Teile des Südchinesischen Meeres, unter dem Bodenschätze vermutet werden. Durch die Region führen Seehandelsrouten, über die jedes Jahr Waren im Wert von fünf Billionen Dollar transportiert werden.

China baut seit geraumer Zeit künstliche Inseln in dem Seegebiet. Die US-Regierung wirft dem Land vor, die Region zu militarisieren. China dagegen kritisiert die vermehrten Patrouillen und Manöver von US-Kriegsschiffen in Asien. US-Präsident Barack Obama bricht in wenigen Tagen zu einer Reise auf, die ihn unter anderem nach Japan und Vietnam führen wird.

China im Streit mit den Nachbarn

Streitpunkt Aufrüstung

Chinas Aufrüstung wird von den Nachbarländern kritisch verfolgt. Peking streitet über Territorien im Ostchinesischen und Südchinesischen Meer. Zudem ist das Tauziehen um Nordkoreas Atomwaffenprogramm ein Dauerthema.

Quelle: dpa

Ostchinesisches Meer

Die chinesisch Diaoyu und japanisch Senkaku genannten Inseln 200 Kilometer nordöstlich von Taiwan sind nur unbewohnte Felsen. Angesichts großer Fischbestände und vermuteter Gas- und Ölvorkommen sind sie aber von strategischer Bedeutung. China macht alte Ansprüche auf das heute von Japan verwaltete Territorium geltend. Der Streit flammte 2012 neu auf, als Japans Regierung drei Inseln von privater Hand kaufte. In China gab es heftige japanfeindliche Proteste. Die Fronten sind verhärtet.

Südchinesisches Meer

China streitet mit Vietnam um die Paracel genannten 130 Korallen-Inseln südöstlich von Hainan. Außerdem ringt China mit seinen Nachbarn um die Spratly-Inseln genannten 200 Korallenriffe und Sandbänke, die ganz oder teilweise von Vietnam, Taiwan, den Philippinen, Malaysia und Brunei beansprucht werden. In dem Gebiet an wichtigen Schifffahrtswegen werden Öl- und Gasvorkommen vermutet. Die Philippinen haben 2013 den Seegerichtshof in Den Haag angerufen. Doch erkennt China das Verfahren nicht an.

Nordkorea

Trotz diplomatischer Isolation und Armut im Lande baut Nordkorea eine Atomstreitmacht auf, die als große Bedrohung angesehen wird. Nordkorea hat seit 2006 drei Atomtests durchgeführt. Nach US-Einschätzung ist Nordkorea heute prinzipiell in der Lage, einen Atomsprengkopf für eine Interkontinentalrakete zu bauen. Die Sechser-Gespräche über ein Ende des Atomprogramms mit Nordkorea, China, den USA, Russland, Südkorea und Japan sind seit 2009 eingefroren. Pjöngjang unterstellt den USA eine feindselige Politik.

2015 vereinbarten die USA und China Regeln für ungeplante Zwischenfälle auf See und richteten eine Hotline zwischen ihren Militärs ein. Dies sei genau die Art von Vorfall, die das Abkommen eigentlich verhindern soll, sagte Greg Poling vom Washingtoner Zentrum für Strategische und Internationale Studien (CSIS). Entweder habe ein Teil der chinesischen Luftwaffe diese Botschaft nicht verstanden oder das Abfangmanöver sei ein Symbol des Unmuts über die jüngsten US-Aktivitäten in der Region.

Der Sicherheitsexperte Zhang Baohui von der Hongkonger Lingnan-Universität sagte, der Zwischenfall belege die Unzulänglichkeiten der Vereinbarung. Zudem zeige er, dass die chinesischen Piloten im Zweifel doch sehr nahe an US-Aufklärungsflugzeuge heranfliegen würden. Derartige Zwischenfälle werde es weiter geben, da für China die nationale Sicherheit Priorität habe, wenn es das Gefühl habe, dass seine Interessen bedroht seien.

China rüstet seit einiger Zeit im Südchinesischen Meer auf, was die Region für die westliche Aufklärung immer interessanter macht. So vergrößert China derzeit seine Flotte atomar bewaffneter U-Boote auf Hainan. Experten gehen außerdem davon aus, dass China an der Küste von Guandong einige seiner modernster Raketen stationiert hat, darunter die DF-21D, die gegen Kriegsschiffe eingesetzt wird.

Von

rtr

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