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05.01.2011

13:32 Uhr

Süden will Unabhängigkeit

Der Sudan steht vor der Teilung

VonWolfgang Drechsler

Als Staatspräsident wurde Omar al-Bashir am Dienstag in Juba im Süden des Sudans empfangen - wohl zum letzten Mal. Denn die rund vier Millionen Einwohner der Region werden sich aller Voraussicht nach am Sonntag in einem Referendum vom Zentralstaat lossagen und für die Unabhängigkeit stimmen.

Aktivisten machen mobil: Die Bewohner des Südens wollen die Teilung des Sudans. DAPD

Aktivisten machen mobil: Die Bewohner des Südens wollen die Teilung des Sudans.

KAPSTADT. Da helfen auch Bashirs Appelle nicht, die Einheit sei der beste Weg, "um Fortschritt, Stabilität und Wohlstand für alle Menschen im Sudan zu gewährleisten". Offen ist, ob die Teilung des ostafrikanischen Landes reibungslos über die Bühne geht. So sind Grenzfragen ebenso ungeklärt wie die Verteilung der Öleinnahmen.

Die Volksabstimmung am Wochenende ist Teil eines Friedensabkommens, das 2005 einen über 20-jährigen Bürgerkrieg zwischen dem animistisch-christlichen Süden und dem islamischen Norden beendet hatte. Seither genießt der Süden einen halbautonomen Status unter der Führung von Salva Kiir - Bashirs erbittertem Gegner während des Bürgerkriegs. Trotzdem sind die Vorwürfe nie verstummt, dass die Zentralregierung in Khartum den Süden - ähnlich wie die Westprovinz Darfur (siehe "Ungelöster Konflikt") - sträflich vernachlässige.

Nachwehen des Bürgerkriegs

Obwohl das Referendum schon in wenigen Tagen über die Bühne geht, sind viele Fragen offen - etwa die Bedingungen der Staatsbürgerschaft für die rund eine Million ethnischen Südsudanesen, die im Norden leben. Auch die Kommission zur Festlegung der künftigen Staatsgrenzen ist sich noch nicht überall einig. Vor allem aber muss die Aufteilung der begehrten Ölquellen endgültig geregelt werden - etwa in der von beiden Seiten beanspruchten Region Abyei.

Der Sudan als größter Flächenstaat des Kontinents fördert derzeit fast 500 000 Barrel (je 159 Liter) Öl pro Tag und ist damit drittgrößter Produzent in Schwarzafrika. 80 Prozent der Reserven von fast sieben Milliarden Barrel liegen dem Ölkonzern BP zufolge jedoch im Süden, der rund 90 Prozent seiner Einnahmen aus dem Ölexport erzielt. Für 2011 wird eine Milliarde Dollar veranschlagt. Seit dem Friedensabkommen von 2005 werden die Einnahmen zwischen Nord und Süd jeweils zur Hälfte geteilt. Wie es nach dem Referendum weitergeht, ist dagegen offen. Bislang ist der Süden allerdings für seinen Export fast vollständig auf die Pipelines im Norden angewiesen, die das Öl nach Port Sudan zum Verschiffen pumpen.

Angst vor einem neuen bewaffneten Konflikt lösten zuletzt die Rüstungseinkäufe beider Seiten aus. Der Süden deckte sich in der Ukraine mit Waffen aus Sowjetzeiten ein, während Bashir bei seinem engen Verbündeten China einkaufte. Allerdings steht Peking nicht mehr uneingeschränkt hinter dem Machthaber aus Khartum, dem Kriegsverbrechen in Darfur vorgeworfen werden. Dazu hat die schwindende Bedeutung des Öls beigetragen: Inzwischen erhält China nur noch rund sechs Prozent seines Rohöls aus dem Sudan.

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