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26.04.2013

11:36 Uhr

Südkorea ist brüskiert

Nordkorea sagt Kaesong-Gespräche ab

Kim Jong-Un hat das Ultimatum aus Seoul verstreichen lassen: Nordkorea will nicht über die gemeinsame Industriezone verhandeln. Südkoreas Regierung forderte seine Staatsbürger auf, Kaesong umgehend zu verlassen.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong-Un lehnt Verhandlungen mit dem Süden ab. Reuters

Nordkoreas Machthaber Kim Jong-Un lehnt Verhandlungen mit dem Süden ab.

SeoulNordkorea hat der Aufforderung des Südens zu Verhandlungen über die gemeinsame Industriezone Kaesong eine Absage erteilt – und riskiert damit das Aus für das Prestigeprojekt. Das Gesprächsangebot aus Seoul sei „arglistig”, erklärte Nordkoreas Nationaler Verteidigungsausschuss am Freitag. Nach dieser Zurückweisung hat Südkorea seine in Kaesong verbliebenen Staatsbürger aufgefordert, dass Gebiet zu verlassen. Alle noch in Kaesong befindlichen Südkoreaner sollten aus der Zone ausreisen, sagte Vereinigungsminister Ryoo Kihl Jae am Freitag in Seoul.

Südkorea hatte dem Norden am Donnerstag ein Ultimatum von 24 Stunden gesetzt, um Gespräche über die Sonderwirtschaftszone zu führen und andernfalls mit „bedeutenden Maßnahmen” gedroht. „Wenn die südkoreanische Marionetten-Macht die Situation weiter verschlimmert, wäre es an uns, irgendwelche finalen, entschlossenen und harten Maßnahmen zu ergreifen”, heißt es in der Erklärung des nordkoreanischen Verteidigungsausschusses. Jede „Ultimatum-ähnliche” Ankündigung würde nur „die finale Zerstörung” Südkoreas beschleunigen.

Die Zukunft für die wirtschaftlich und symbolisch bedeutende Sonderzone scheint damit akut bedroht: Südkoreas Ultimatum vom Donnerstag war so interpretiert worden, dass sich das Land bei einer Absage aus Pjöngjang ganz aus dem Industriepark zehn Kilometer im Inneren Nordkoreas zurückziehen könnte.

Wegen Blockade von Kaesong: Seoul setzt Nordkorea Ultimatum

Wegen Blockade von Kaesong

Seoul setzt Nordkorea Ultimatum

Südkorea hat Nordkorea ultimativ zu Verhandlungen über den gemeinsamen Industriepark Kaesong aufgerufen. Dort steht der Betrieb seit mehr als zwei Wochen still. Die südkoreanische Wirtschaft boomt trotz Blockade.

Zu normalen Zeiten beschäftigen dort 123 südkoreanische Unternehmen 54.000 Menschen. Der überwiegende Teil sind Nordkoreaner, die damit ihre Familien ernähren. Überdies ist der Industriepark ein wichtiger Devisenbringer für Pjöngjang. Dessen ungeachtet hatte der Norden Anfang April allen südkoreanischen Beschäftigten den Zugang verwehrt. Am 9. April zog Pjöngjang zudem sämtliche Arbeitskräfte ab. Zuletzt befanden sich noch 176 der sonst 850 südkoreanischen Mitarbeiter in der Anlage.

Südkorea unterstütze weiterhin einen stabilen Betrieb und Verbesserungen für Kaesong, hatte es am Donnerstag aus dem Vereinigungsministerium in Seoul geheißen. Denn auch die Wirtschaft des Südens wird durch die Blockade des Industriekomplexes getroffen. Produktionsausfälle und wegbrechende Aufträge bringen zahlreiche Firmen in Bedrängnis, Seoul sagte ihnen am Mittwoch Finanzspritzen zu.

Die Sonderwirtschaftszone Kaesong

Was ist Kaesong?

Kaesong trägt die offizielle Bezeichnung Spezielle industrielle Verwaltungsregion Nordkoreas. Mit den dort angesiedelten südkoreanischen Unternehmen fungiert der Industriekomplex als gemeinsame Wirtschaftsentwicklungszone. Die Unternehmen aus dem Süden zog es vor allem wegen billiger und qualifizierter Arbeitskräfte dort hin.

Wie kam es zur Gründung von Kaesong?

Kaesong ist ein Ergebnis der sogenannten Sonnenscheinpolitik Südkoreas - der zwischen 1998 und 2008 betriebenen interkoreanischen Aussöhnung. Diese Politik zielte darauf ab, die Kontakte zwischen beiden Staaten zu beleben. Seit seiner Gründung 2004 ist der Industriekomplex das einzige Überbleibsel der Zusammenarbeit zwischen Nord und Süd, nachdem die offiziellen Beziehungen seit 2010 auf Eis liegen.

Wo liegt Kaesong?

Die Sonderwirtschaftszone liegt in Nordkorea, zehn Kilometer von der Grenze zum Süden entfernt. Es gibt eine direkte Straßen- sowie Zugverbindung in den Süden. Insgesamt hunderte Arbeiter und Manager aus Südkorea überqueren täglich den nach Kaesong führenden Grenzposten. Ihre Namen werden den nordkoreanischen Behörden im Vorfeld übermittelt, diese geben dann grünes Licht für die Einreise.

Wer arbeitet in Kaesong?

Aktuell sind in Kaesong 123 südkoreanische Unternehmen tätig, die meisten davon stammen aus der Textil-, der Elektronik- und der Chemiebranche. Beschäftigt sind mehr als 53.000 nordkoreanische Arbeitskräfte sowie knapp 900 Südkoreaner im Managementbereich.

Wie erfolgreich war Kaesong bislang?

Südkoreanische Unternehmen investierten insgesamt 850 Millionen Dollar (664 Millionen Euro) in die Zone. Nach einem zunächst schleppenden Start meldete Kaesong erstmals 2011 einen Gewinn. Für 2012 wurde ein Umsatz von 469,5 Millionen Dollar vermeldet, für den Zeitraum seit 2004 wird der Wert mit 1,98 Milliarden Dollar angegeben.

Warum ist Kaesong so wichtig für Nordkorea?

Kaesong ist eine wichtige Quelle für ausländische Devisen für Pjöngjang. Die dort beschäftigten Nordkoreaner verdienen im Monat im Schnitt 144 Dollar. 2012 verlangte Nordkorea von acht der dort vertretenen Firmen Steuerzahlungen in Höhe von 160.000 Dollar.

Kaesong ist seit mehr als einem Jahrzehnt das Prestigeprojekt der einstigen „Sonnenscheinpolitik” zwischen beiden Staaten. Der frühere südkoreanische Präsident Kim Dae Jung hatte Ende der 1990er Jahre eine Politik der Annäherung an den Norden betrieben. Das führte auch zur Gründung der Sonderwirtschaftszone Kaesong, die seit 2004 betrieben wird und inzwischen Umsätze von rund zwei Milliarden Dollar ermöglichte.

Der Kaesong-Konflikt steht im Zusammenhang mit den hohen politischen Spannungen in der Region. Nordkorea hatte in den vergangenen Wochen mehrfach mit atomaren Angriffen auf Südkorea und Japan gedroht und die Staatengemeinschaft mit Raketenstarts und Atomtests provoziert.

Von

afp

Kommentare (1)

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Tusnelda

26.04.2013, 12:59 Uhr

Also mal ehrlich, "billige Arbeitskräfte" braucht heutzutage kein Land mehr zu stellen. Qualität und Menschenwürde ist wichtiger als billig zu produzieren! Das gilt weltweit!

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