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06.01.2015

11:58 Uhr

Südkorea warnt

Nordkorea könnte kleinen Atomsprengkopf bauen

Nach Einschätzung des südkoreanischen Verteidigungsministeriums ist das nordkoreanische Regime inzwischen in der Lage, einen kleinen Atomsprengkopf zu bauen. Auch die Angst vor dem Bau von Langstreckenraketen wächst.

In Südkorea wächst die Angst vor nordkoreanischen Atomwaffen. Reuters

In Südkorea wächst die Angst vor nordkoreanischen Atomwaffen.

SeoulNach Ansicht der südkoreanischen Regierung hat das abgeschottete Nordkorea inzwischen die „maßgebliche“ Technologie, um einen kleinen Atomsprengkopf zur Bestückung einer Rakete zu bauen. Die Fähigkeiten des Landes zur Herstellung einer derartigen Waffe hätten ein „bedeutsames Maß“ erreicht, hieß es am Dienstag aus dem Verteidigungsministerium in Seoul. Pjöngjang verfüge zudem vermutlich über 40 Kilogramm waffentauglichen Urans aus der Wiederaufbereitung von Brennstäben und arbeite an Anreicherungstechniken.

Nordkorea hatte zuletzt drei Atomtests vorgenommen, den bislang letzten im Februar vergangenen Jahres. Südkorea befürchtet zudem, dass das Land inzwischen über die nötigen Mittel verfügt, Langstreckenraketen zu bauen, die das US-Festland treffen könnten.

Im Jahr 2012 war es Pjöngjang geglückt, einen Satelliten ins All zu befördern. Unklar ist aber, ob auch die Technologie bereits vorhanden ist, um Geschosse aus dem Weltraum wieder in die Atmosphäre eintreten zu lassen. Dies wäre für einen Angriff mit Interkontinentalraketen nötig.

Nordkorea und seine Rakete

Was deutet auf einen bevorstehenden Test hin?

Das südkoreanische Verteidigungsministerium hat Geheimdienstberichte bestätigt, wonach Nordkorea mindestens eine Mittelstreckenrakete mit dem Zug an die Ostküste des Landes transportiert habe. Die Rakete wurde demnach bereits auf eine mobile Abschussvorrichtung montiert. Südkoreanische Medien berichteten, dass zwei Raketen an die Küste gebracht wurden.

Um was für Raketen handelt es sich?

Dazu äußerte sich das südkoreanische Verteidigungsministerium nicht genau. Es sprach lediglich von einer Mittelstreckenrakete mit "erheblicher Reichweite". Südkoreanische Medien berichteten unter Berufung auf Militär- und Regierungsvertreter, es handele sich um Raketen des Typs Mudusan.

Was ist über die Mudusan-Rakete bekannt?

Dieser Raketentyp wurde erstmals im Oktober 2010 bei einer Militärparade in Pjöngjang präsentiert. Die Sicherheitsberatungsfirma IHS Jane's ist der Ansicht, dass es sich um eine Mittelstreckenrakete mit einem einzelnen Sprengkopf handelt, die auf der Straße transportiert werden kann und mit flüssigem Treibstoff betrieben wird. Sie basiere auf der russischen R-27 und nutze auch Technik von Raketen des Typs Scud.

Welche Reichweite und Tragfähigkeit hat die Rakete?

Den Sicherheitsexperten zufolge kann die Rakete 2500 bis 4000 Kilometer weit fliegen. Damit könnte sie von Nordkorea aus mindestens Südkorea und Japan erreichen, möglicherweise aber auch US-Militärstützpunkte auf der Pazifikinsel Guam.

Kann die Rakete Nuklearsprengköpfe transportieren?

Das ist theoretisch möglich. Die meisten Experten sind allerdings der Ansicht, dass Nordkorea bislang nicht über die nötige Technologie verfügt, um Nuklearsprengköpfe auf Raketen zu montieren.

Gibt es Experten, die diesen Beschreibungen widersprechen?

Ja, und zwar zwei deutsche Experten. Markus Schiller und Robert Schmucker aus München sind der Ansicht, dass es die Mudusan-Rakete gar nicht gibt. Das im Oktober 2012 vorgeführte Modell sei lediglich eine Attrappe gewesen. Zwar sei ein Raketentest durchaus vorstellbar, meinen die beiden Experten. Doch dann würde höchstwahrscheinlich ein ausländisches Modell verwendet und kein in Nordkorea hergestelltes.

Die südkoreanische Präsidentin Park Geun Hye begrüßte am Dienstag den vom nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un in seiner Neujahrsansprache geäußerten Willen zu Gesprächen „auf höchster Ebene“ zwischen beiden Ländern. Der Ankündigung müssten aber Taten folgen, sagte sie in Seoul.

Beide Länder sind formal im Kriegszustand, weil nach dem Koreakrieg der Jahre 1950 bis 1953 kein Friedensvertrag geschlossen wurde. Kim verband sein jüngstes Gesprächsangebot unter anderem mit der Forderung, gemeinsame Manöver Südkoreas und der USA einzustellen, was Seoul ablehnt.

Erstmals seit Jahresbeginn schickten indes am Montag Aktivisten aus Südkorea wieder Luftballons mit Flugblättern auf die Reise nach Nordkorea. Die Rede war von etwa 300.000 Ballons. Die Aktionen sind immer wieder Anlass für neue Spannungen zwischen beiden Ländern.

Von

afp

Kommentare (1)

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Herr Carsten Härtl

06.01.2015, 18:23 Uhr

Sehr erhellend: Die Rechts-Außen-Regierung Südkoreas, seit Jahren auf Konfrontation gegen Nordkorea, durchsetzt von Militaristen und Anhängern der "guten alten Zeiten" (Militärdiktatur), ferngesteuert vom Pentagon, erzählt uns zum hundertsten Mal, wie gefährlich die bösen Kommunisten im Norden sind und warum Obama gerade jetzt ganz dringend dort einmarschieren müsse. Gähn, gähn ...

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