Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.01.2016

07:50 Uhr

Südkoreas Spezialwaffe

Propagandakrieg per Lautsprecher

Südkorea berieselt den Norden des geteilten Landes wieder mit Kritik an Diktator Kim, Atomtests und Menschenrechtsverletzungen. Das ist jedoch nicht das einzige, das aus den Lautsprechern an der Grenze dudelt.

Nach dem nordkoreanischen Atomtest hat Südkorea die Propaganda-Beschallung an der innerkoreanischen Grenze wiederaufgenommen. Reuters

Lautsprecher an der koreanischen Grenze

Nach dem nordkoreanischen Atomtest hat Südkorea die Propaganda-Beschallung an der innerkoreanischen Grenze wiederaufgenommen.

SeoulSüdkorea setzt wieder einmal seine spezielle Waffe ein: Mit an der Grenze postierten Lautsprechern nervt es seinen Erzrivalen im Norden mit Propagandabeschallung.

In den Übertragungen wird die Herrscherfamilie Kim ebenso kritisiert wie das Atomprogramm, die wackelnde Wirtschaft und die Menschenrechtslage in Nordkorea. Seoul nutzt für seine Provokationen aber aber auch eine hausgemachte, eigene kulturelle Leistung: koreanische Popmusik, kurz K-Pop genannt.

Auf der Playlist Seouls stehen Lieder von Künstlern, die sich mit eher fragwürdigen Aktionen einen Namen gemacht haben. Darunter wäre eine weibliche K-Popgruppe, die berühmt dadurch wurde, dass ihre Mitglieder reihenweise bei einem Auftritt von der Bühne fielen.

Pjöngjangs Weg zur Wasserstoffbombe

2002

Oktober: Washington wirf Pjöngjang vor, insgeheim waffenfähiges Uran zu produzieren und damit gegen das atomare Abrüstungsabkommen von 1994 zu verstoßen.
Dezember: Nordkorea enthüllt seinen Reaktor Yongbyon, in dem Plutonium hergestellt wird, und wirft die Inspekteure der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA aus dem Land.

2003

Januar: Der kommunistische Staat kündigt den Atomwaffensperrvertrag auf.
August: Die sogenannte Sechsergruppe aus Nord- und Südkorea, den USA, China, Russland und Japan trifft sich zu ersten Verhandlungen über den Atomkonflikt.
Oktober: Die UNO verhängt Wirtschafts- und Handelssanktionen gegen Nordkorea.

2005

Februar: Pjöngjang verkündet, Atomwaffen zu Verteidigungszwecken gebaut zu haben.
September: Pjöngjang akzeptiert den Stopp seines Atomprogramms und die Rückkehr zum Atomwaffensperrvertrag, bekommt im Gegenzug Sicherheitsgarantien und die Zusage von Energielieferungen.
November: Eine weitere Verhandlungsrunde scheitert am Widerstand der USA, eingefrorene Konten Nordkoreas in Macau freizugeben.

2006

Oktober: Erster nordkoreanischer Atomwaffentest

2007

Februar: Pjöngjang verspricht ein Mal mehr die Aufgabe seines Atomwaffenprogramms und will wieder IAEA-Inspekteure ins Land lassen - im Gegenzug für eine Million Tonnen Treibstoff und die Streichung von der US-Liste der Terror-Staaten.
Juni und Juli: Die Treibstofflieferungen werden aufgenommen, die IAEA-Kontrolleure bescheinigen Pjöngjang, den Reaktorkomplex in Yongbyon dichtgemacht zu haben.
Oktober: Der kommunistische Staat verspricht, sein komplettes Atomprogramm bis Ende des Jahres zurückzufahren.

2009

April: Nordkorea testet eine Langstreckenrakete. Der UN-Sicherheitsrat verschärft daraufhin die Sanktionen. Pjöngjang verlässt die Sechsergruppe, verkündete die Wiederaufnahme seines Atomprogramms und beendet die Zusammenarbeit mit der IAEA.
Mai: Nordkorea verkündet einen zweiten „erfolgreichen“ unterirdischen Atomwaffentest.

2013

Januar: Nach einem weiteren Raketentest verschärft die UNO ein weiteres Mal die Sanktionen.

Februar: Dritter Atomwaffentest, diesmal mit einem Mini-Sprengsatz.

August: Einem Satellitenfoto zufolge hat Nordkorea nach sechs Jahren seine Atomanlage Yongbyon wieder hochgefahren, die wichtigste Quelle für waffenfähiges Plutonium.

2015

Mai: Pjöngjang verkündet die Fähigkeit, Mini-Atomwaffen zu produzieren, eine entscheidende Etappe auf dem Weg zu Atomsprengköpfen für Raketen.
Dezember: Machthaber Kim Jong Un lässt durchblicken, sein Land habe eine Wasserstoffbombe entwickelt.

2016

Januar: Pjöngjang verkündet einen ersten Test mit einer Wasserstoffbombe.

Die Beschallung an der Grenze ist eine südkoreanische Vergeltung für den vom Norden behaupteten Atomtest. Pjöngjang hatte bekanntgegeben, man habe am Mittwoch erfolgreich eine „miniaturisierte“ Wasserstoffbombe getestet.

Südkorea benutzt die Propaganda, um sich seines demokratischen Systems und seiner Kultur zu rühmen. Aber auch ein wenig seichte Musik schadet nicht, scheint sich die politische Führung in Seoul sicher zu sein. Das südkoreanische Verteidigungsministerium erklärte, K-Popsongs würden das Interesse der Nordkoreaner wecken.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×