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29.03.2013

17:27 Uhr

Südkoreas Staatschefin

Die Pannen-Präsidentin

Schlechter Start für Südkoreas neue Präsidentin: Etliche ihrer Kandidaten für Regierungsämter fielen wegen Skandalen durch, und zu drängenden Problemen im Land hat sie keine Lösung – zum Beispiel zu Nordkorea.

Die neue südkoreanische Präsidentin Park Geun Hye hat einen schweren Stand im eigenen Land. dpa

Die neue südkoreanische Präsidentin Park Geun Hye hat einen schweren Stand im eigenen Land.

SeoulDie neue südkoreanische Präsidentin Park Geun Hye hatte keinen gelungenen Start. Erst seit einem Monat ist sie im Amt, hat aber bei politischen Vorhaben und der Besetzung von Regierungsposten bereits mehrfach Rückschläge hinnehmen müssen. Allein sechs ihrer Kandidaten für Kabinettsämter gerieten ins Kreuzfeuer der Kritik und warfen das Handtuch. Zuletzt traf es Han Man Soo, der seine Nominierung als Chef der Kartellbehörde am Montag zurückzog. Ihm wurde vorgeworfen, aus steuerlichen Gründen Millionen Dollar ins Ausland gebracht zu haben.

Andere Kandidaten Parks gerieten wegen möglicher Immobilienspekulation, einem Sexskandal, Korruption und Beziehungen zu einem Waffenhändler ins Zwielicht. „Einige Flops wären akzeptabel gewesen, aber insgesamt sechs Ausfälle in den ersten paar Monaten bedeutet, dass das Problem in ihrem Stil liegt“, sagt Lee Cheol Hee, Leiter des Dumon-Instituts für Politische Strategie in Seoul. „Sie scheint zu glauben, dass sie einfach eine Liste von Leuten, die sie bevorzugt, weiterreichen kann, ohne genau darüber nachzudenken, ob der Hintergrund und das ethische Verhalten dieser Leute zu den Jobs passen, die sie übernehmen.“

Militär in Nord- und Südkorea

Zwei militärische Regionalmächte

An Koreas Waffenstillstandslinie am 38. Breitengrad stehen sich zwei von Großmächten unterstützte militärische Regionalmächte gegenüber. Während im westlich orientierten Südkorea Angaben über das Militär meist öffentlich zugänglich sind, beruhen Daten zur Armee des abgeschotteten Nordens meist auf Schätzungen.

Truppenstärke

Rund 1,19 Millionen Streitkräfte stehen Nordkorea zur Verfügung. Davon entfallen 1,02 Millionen auf das Heer, 60.000 auf die Marine und 110.000 auf die Luftwaffe. Außerdem stehen 600.000 Reservisten bereit. Südkorea besitzt eine Truppenstärke von rund 655.000 Menschen, wobei 522.000 auf das Heer, 68.000 auf die Marine und 65.000 auf die Luftwaffe entfallen. Zusätzlich gibt es in Südkorea 4,5 Millionen Reservisten.

Kampfpanzer

Nordkorea verfügt über 3.500 Kampfpanzer. In Südkorea sind es 2.750 an der Zahl.

Artilleriegeschütze

10.774 Artilleriegeschütze befinden sich im Besitz von Südkorea. Mehr als das doppelte, insgesamt etwa 21.000 Stück sind es in Nordkorea.

Boden-Boden-Raketen

Zu den Boden-Boden-Raketen zählen solche, die vom Boden aus gegen Bodenziele eingesetzt werden. Darunter fallen unter anderem Raketengranaten oder Panzerfäuste. 64 solcher Waffen hat Nordkorea zur Verfügung, 30 sind es in Südkorea.

Kampfflugzeuge

Etwa 620 Kampfflugzeuge sind in Nordkorea für den Einsatz bereit, davon entfallen 458 auf Jagdflugzeuge, 80 sind reine Bomber. Südkorea verfügt über 490 einsatzbereite Kampfflugzeuge, worunter sich 467 Jagdflugzeuge befinden.

Kriegsschiffe

Über lediglich drei Kriegsschiffe verfügt Nordkorea - allesamt Fregatten. 47 Schiffe stehen Südkorea zur Verfügung, darunter ein Kreuzer, 6 Zerstörer, 12 Fregatten und 30 Korvetten.

Taktische U-Boote

Solche U-Boote sind für gewöhnlich mit Torpedos bewaffnet. 70 dieser Boote hat Nordkorea auf Lager, 23 sind es in Südkorea.

Kleinere Küstenwachtboote

Nordkorea verfügt zusätzlich über 383 Küstenwachtboote. Südkorea kommt auf eine Zahl von 111.

Kritiker beklagen auch, dass sich die erste Frau im höchsten Staatsamt noch nicht detailliert zu drängenden Fragen wie dem Umgang mit Nordkorea oder der Sorge vieler Südkoreaner vor steigender Arbeitslosigkeit, hohen Staatsschulden und zunehmend ungleichen Einkommensverhältnissen geäußert hat. Parks Probleme haben nicht zuletzt mit der zutiefst gespaltenen politischen und sozialen Lage im Land zu tun. Und sie trägt die historische Bürde, Tochter eines Machthabers zu sein, über dessen Erbe die Südkoreaner geteilter Meinung sind. Der 61-jährigen Präsidentin, die im Dezember gewählt und am 25. Februar ins Amt eingeführt wurde, werden seit langem Abgehobenheit und ein imperialer Entscheidungsstil vorgeworfen.

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Die Kritik hat mit ihrer Herkunft zu tun: Sie ist das älteste Kind des verstorbenen Präsidenten Park Chung Hee, der Südkorea in den 1960er und 70er Jahren 18 Jahre lang regierte. Ihm werden Menschenrechtsverstöße vorgeworfen, zugleich wird er für einen starken Führungsstil gelobt. Park Geun Hye wuchs im Blauen Haus auf, dem Präsidentensitz, und wirkte nach dem Tod ihrer Mutter fünf Jahre lang als First Lady an der Seite ihres Vaters. Die Mutter wurde 1974 von einem Attentäter getötet, der nach eigenen Angaben von Nordkorea beauftragt worden war. „Als ihr Vater regierte, stellte niemand die Personalentscheidungen des Präsidenten in Frage“, sagt Institutsleiter Lee. „Aber die Dinge haben sich seither geändert. Es ist, als ob Park ein Auto mit Navigationssystem führe, das nur auf jahrzehntealte Karten zurückgreift.“

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