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29.04.2012

16:20 Uhr

Südostasien-Experte im Interview

„Vielfalt ist die Stärke der Asean-Staaten“

VonUrs Wälterlin

Südostasien ist nicht nur aufgrund seiner politischen Entwicklungen interessant. Asean-Experte Nico Westphal spricht im Handelsblatt-Interview über die Chancen und Risiken, die sich Unternehmen in der Region bieten.

Nico Westphal ist Regionalmanager Asien-Pazifik beim Ostasiatischen Verein (OAV) in Hamburg.

Nico Westphal ist Regionalmanager Asien-Pazifik beim Ostasiatischen Verein (OAV) in Hamburg.

Herr Westphal, die Europäische Union suspendiert ihre Sanktionen gegen Myanmar, um die Reformbestrebungen der Regierung zu unterstützen. Was bedeutet das für den Handel mit diesem Land?

Zunächst sollten wir es als positives Zeichen deuten. Es unterstreicht das wachsende Vertrauen der EU in die Fortführung des Reform- und Öffnungsprozesses in Myanmar. Es ist vor allen Dingen ein politisches Signal, welches jedoch auch für den Handel hoffentlich positive Wirkungen haben wird. Immerhin werden europäische Unternehmen explizit ermutigt, Möglichkeiten für Handel und Investitionen zu eruieren und der myanmarischen Regierung Unterstützung bei der Schaffung eines förderlichen Rechtsrahmens zugesichert. Außerdem soll das Land sobald als möglich wieder in das Allgemeine Zollpräferenzsystem aufgenommen werden.

Bedeutet das jetzt einen Investitionsboom für dieses Land?

Wir sollten nicht erwarten, dass die Investitionen von heute auf morgen in die Höhe schnellen. Zwar wird noch in diesem Monat die Verabschiedung und Unterzeichnung eines überarbeiteten Investitionsgesetzes in Myanmar erwartet. Auch die Wechselkursreform von Anfang April wird dem Handel mit Myanmar positive Impulse geben. Doch um in Myanmar tätig zu werden oder mit myanmarischen Unternehmen Handel zu treiben, bleiben große Hürden zu nehmen.

Deutsche Unternehmen sollten sich der Konkurrenz aus den asiatischen Ländern bewusst sein. Diese konnten über die letzten Jahre ihre Marktposition in Myanmar festigen. Hinzu kommt, dass deutsche Exporteure auch in naher Zukunft nicht mit hermesgedeckten Krediten rechnen können. Hierzu müsste erst noch das Problem der mehr als 700 Millionen Euro Altschulden gegenüber Deutschland gelöst werden. Hier ist die deutsche Regierung gefordert, schnellstmöglich Lösungen zu finden.

Und wie präsentiert sich das Land selbst als Destination für Investitionen?

Die größten Hindernisse bleiben bestehen. Das Bankensystem bleibt mangelhaft, es fehlt an entsprechendem Know-how. Die Infrastruktur muss in allen Bereichen erneuert und ausgebaut werden. Auch die Rechtssicherheit ist unzureichend. Außerdem müssen sich deutsche Unternehmen innerhalb der entsprechenden Netzwerke erst einmal etablieren, Vertrauen aufbauen und ihre Produkte im Markt platzieren.

Myanmar bietet Investoren aber auch viele Gelegenheiten…

Allerdings. Dieses ressourcenreiche Land mit seinen etwa 60 Millionen Einwohnern hat enormes Potential. Beispielsweise in der Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung, sowie in der Infrastrukturplanung und im Ausbau, seien es Straßen, Wasser- und Abwasserleitungen oder Energieerzeugung und -distribution. Aber auch in Bereichen wie der Gesundheitswirtschaft können deutsche Unternehmen mit ihren Produkten sicher auf dem Markt überzeugen. Denn allgemein gilt auch in Myanmar: Produkte und Qualität „Made in Germany“ haben einen sehr guten Ruf.

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