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31.07.2012

17:34 Uhr

S&P, Moody's, Fitch

Studien belegen Willkür der Ratingagenturen

VonOlaf Storbeck

Sind die Ratingagenturen nur die Überbringer schlechter Nachrichten, oder tragen sie mit ihren teils harschen Entscheidungen zur Krise bei? Eine ganze Reihe renommierter Forscher fällt ein eindeutiges Urteil.

Das Firmenlogo der Ratingagentur Moody's in New York. dapd

Das Firmenlogo der Ratingagentur Moody's in New York.

LondonEs klang fast schon flehentlich, was Olivier Blanchard, Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds (IWF) jüngst zur Euro-Krise sagte. Problemstaaten wie Spanien, Italien und Portugal würden bei ihren Spar- und Reformprogrammen gute Fortschritte machen. Nur nehme das auf den Finanzmärkten niemand zur Kenntnis. Würde es nur nach den ökonomischen Fundamentaldaten gehen, müssten die Risikoaufschläge für spanische und italienische Anleihen mindestens zwei Prozentpunkte niedriger liegen.

Wissenschaftler haben zumindest die Verantwortlichen für die Panik auf den Finanzmärkten ausgemacht: die Ratingagenturen. Zwei Ökonomen der Universität St. Gallen sind davon überzeugt. Standard & Poor's, Moody's und Fitch seien weit mehr als nur die Überbringer schlechter Nachrichten. Sie hätten mit überzogenen Urteilen das Vertrauen der Investoren zerstört und eine sich selbst verstärkende Abwärtsspirale losgetreten. „Die Herabstufungen vieler europäischer Länder zwischen 2008 und 2011 waren willkürlich“, sind die Forscher Manfred Gärtner und Björn Griesbach überzeugt.

Für die Wirtschaftspolitik leiten die Wissenschaftler eine klare Handlungsanweisung ab: Die Regierungen sollten die Arbeit von Ratingagenturen und mögliche Interessenskonflikte genauer unter die Lupe nehmen. „Das ist lange überfällig“, heißt es in der Studie.

Eine Reihe von Ökonomen stellt die Arbeit der Ratingagenturen inzwischen massiv in Frage. So kommen Jens Hilscher (Brandeis University) und Mungo Wilson (University of Oxford) zu dem Schluss, dass Ratings über die tatsächlichen Kreditausfallrisiken kaum etwas aussagen. Wer öffentlich zugängliche Daten auswerte, bekomme ein deutlich besseres Bild.

Andere Studien zeigen, dass Ratingagenturen wichtigen Auftraggebern nach dem Mund reden. Bei strukturierten Finanzprodukten stellen Ratingagenturen oft Gefälligkeitsgutachten aus, wiesen Jie He (University of Georgia), Philip Strahan und Jun Qian (beide Boston College) nach.

Ein Forschertrio um Jess Cornaggia von der Kelley School of Business der Indiana University bestätigt diesen Befund. Bei der Analyse der Euro-Krise kommen Cornaggia und seine Ko-Autoren zu einem besonders brisanten Ergebnis: Die Staaten, die das Epizentrum der Schuldenkrise bilden, seien von den Ratingagenturen seit 2008 übermäßig hart behandelt werden.

Das stellen auch Gärtner und Griesbach fest: Im Vergleich zu den anderen Industrieländern würden die sogenannten PIGS-Staaten Portugal, Irland, Griechenland und Spanien 3,3 Ratingklassen („Notches“) zu stark herabgestuft worden.

Gemessen an den Fundamentaldaten und daran, wie andere Länder bewertet würden, wäre bei Spanien nur ein Downgrade um ein halbes Notch angemessen gewesen. Ähnlich sieht es bei Portugal aus: „Der Verlust einer halbe Klasse war gerechtfertigt. Das Land verlor tatsächlich aber 8 Klassen“, so die Forscher.

Kommentare (10)

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TK123456

31.07.2012, 18:19 Uhr

Wie immer sollte man hier die Frage "Qui Bono" stellen. Wo sind denn die Rating Agenturen beheimatet?

Account gelöscht!

31.07.2012, 18:23 Uhr

Die Ratingagenturen sind doch längst überführt!!
Sitzen in Amiland, arbeiten intensiv mit dem bitischen Finanzplatz zusammen... damit ist alles gesagt.

Account gelöscht!

31.07.2012, 18:25 Uhr

US-Ratings haben in Europa soviel verloren wie der Dollar als Währung. Auch wenn mangelns eigener Bewertungssysteme nichts anderes vorhanden ist, dann muß es eben geschaffen werden. Es hätte gleich, ohne wenn und aber, mit dem Euro selbst und der EZB geschaffen werden müssen.
Und soll, wenn ich mich recht erinnere, mit dem ESM geschaffen werden. Falls nicht, wäre das eine politische Aufgabe, die ebenfalls schnellstens zu lösen ist. Am Geld kanns ja wohl nicht scheitern. Das wird ja den Dollar-Ratings jetzt auch gezahlt.

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