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09.08.2011

18:11 Uhr

Supermacht in der Krise

Warum die US-Schulden nicht das Problem sind

Alle reden von Amerikas Schulden und dem Verlust der Top-Bonität. Doch US-Schuldtitel sind höchst begehrt, und der Dollar zeigt sich unbeeindruckt. Experten meinen: Das Problem sind gar nicht die Schulden.

Die Schuldenuhr der USA. Quelle: dpa

Die Schuldenuhr der USA.

WashingtonVerrückte Welt der Märkte: Als die Aktienbörsen nach der denkwürdigen Herabstufung der US-Bonität am Montag erstmals wieder öffneten, folgte weltweit der erwartete Kurseinbruch. Amerikas Staatsanleihen verbuchten hingegen satte Gewinne - obwohl Standard & Poor's doch gerade den Ratingdaumen gesenkt hatte. Klares Zeichen, dass die Welt auch weiterhin Amerika ihr Geld anvertraut.

Fast trotzig klang es, als US-Präsident Barack Obama denn auch verkündete: „Die Märkte glauben weiterhin, dass unser Rating AAA ist“. Und ginge es nach Amerikas Investorenlegende Warren Buffett, bekäme das Land gar die Note „AAAA“, wenn es sie denn gäbe.

„Wirkliche Sorge macht das Wachstum, nicht die US-Schulden“, meint Randall Forsyth, renommierter Kolumnist des US-Finanzmagazins „Barron's“. Kein Zweifel: Da steht es in den USA nicht zum besten, aber auch global verdüstert sich das Bild: China zieht die Zinsschraube an, Europa schnallt den Gürtel merklich enger. „Die US-Schuldensituation ist, so bedrohlich sie langfristig wirkt, das geringste der drängendsten Probleme der Weltwirtschaft“, so Forsyth.

Fragen und Antworten zur Herabstufung der USA

Weshalb haben die USA ihre Top-Bonität verloren?

S&P war unzufrieden mit den von der Regierung beschlossenen Sparmaßnahmen. Die Demokratische Partei von Präsident Barack Obama und die oppositionellen Republikaner hatten sich zuletzt zwar auf eine Anhebung der Schuldengrenze geeinigt, aber laut S&P keine ausreichenden Maßnahmen zur Begrenzung der Schuldenlast beschlossen. Während der Finanzkrise nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers unterstützte die US-Regierung die Wirtschaft mit milliardenschweren Hilfsprogrammen. Die Schuldenlast und die Defizite im Staatshaushalt sind daher deutlich gestiegen. Nun erschwert das schwache Wirtschaftswachstum die Reduzierung der Haushaltsdefizite. Der scharfe politische Streit zwischen Demokraten und Republikaner mache die US-Politik ineffektiv und unvorhersehbar, begründet S&P ihre Entscheidung. Während die Demokraten auch Steuern anheben wollen, lehnen die Republikaner dies kategorisch ab.

Wie reagiert die internationale Politik?

Vorerst mit Schweigen. Die USA äußern sich nicht direkt zu der Herabstufung, von der EU ist auch nichts zu hören. Auch Berlin gibt sich wortkarg. Hinter den Kulissen geht es aber kräftig zur Sache. Die Notenbankchefs wollten bei einer Telefonkonferenz beraten, wie sich die Herabstufung auf die Märkte auswirken wird. Angeblich wollten die G7-Finanzminister eine verbale Beruhigungspille für die Märkte ausarbeiten.

Geht die Talfahrt an den Finanzmärkten weiter?

Das ist sehr schwer vorherzusagen. An den Märkten wurde eine Herabstufung durch S&P in den vergangenen Tagen schon erwartet - es gab eine Vorwarnung der Ratingagentur. Zudem haben die USA noch bei den beiden anderen Ratingagenturen Moody's und Fitch die Bestnote „AAA“. Niemand muss also US-Anleihen verkaufen. Zudem haben große Anleger wie China und Japan kaum eine wirkliche Alternative zum großen und liquiden US-Markt. „Den amerikanischen Anleihemarkt dürfte dies mittelfristig wenig beeindrucken“, erwartet Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank im Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Er verweist auf Japan, das mit einem schlechteren Rating und einem höheren Schuldenstand sich problemlos an den Märkten refinanzieren kann. „Aber natürlich ist dieser Schritt für die Anleihemärkte eine weitere Belastung.“ Tatsächlich könnte der Zeitpunkt aber kaum ungünstiger sein. Die doppelte Schuldenkrise in den USA und Europa hat an den Aktienmärkten in den vergangenen Tagen zu schweren Kurseinbrüchen geführt. Zudem signalisierten einige Konjunkturdaten, dass die USA in die Rezession zurückfallen könnte. Und was bedeutet das für die globale Konjunktur? Die Weltwirtschaft könnte belastet werden, falls nun die Zinsen in den USA merklich steigen würden. Dies könnte die sowieso schon schwächelnde US-Konjunktur belasten und die Weltwirtschaft unter Druck bringen. Allerdings dürfte die US-Notenbank in einem solchen Fall erneut massiv US-Anleihen kaufen, und so die Wirtschaft stützen. Ein Zusammenbruch der Kreditversorgung wird weder in den USA noch in Europa befürchtet. Die Notenbanken können aus ihren Erfahrungen aus der Lehman-Krise schöpfen und würden die Märkte ausreichend mit Liquidität versorgen. So hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Banken bereits am vergangenen Donnerstag zusätzliche Liquidität angeboten. Eine deutliche Abschwächung der Weltwirtschaft ist aber angesichts der hohen Unsicherheit nicht unwahrscheinlich. Dies würde einen Abbau der hohen Schulden erschweren.

Ist mein Erspartes sicher?

Ja, sollte es nicht zu dem eher unwahrscheinlichen Zusammenbruch des Weltfinanzsystem kommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte zuletzt die Garantie der Regierung für alle Sparguthaben bestätigt. Allerdings dürfte jetzt die EZB bei einer Zuspitzung der Krise die Zinsen nicht mehr weiter anheben. Dies hätte beispielsweise auch Auswirkungen auf die Zinsen des Sparbuchs.

Die USA wurden erstmals seit 1941 abgestuft. War die Lage damals schlimmer?

Nein, denn die USA erhielten auch damals schon Bestnoten für ihre Kreditwürdigkeit. Standard & Poors entstand 1941 aus den beiden Agenturen Standard Statistics und Poor’s Publishing. Beide Unternehmen hatten die USA zuvor stets mit ihren jeweiligen Bestnoten bewertet.

Bei der jüngsten Herabstufung auf AA+ handelt es sich also um ein wahrhaft historisches Ereignis: Noch nie zuvor haben die Vereinigten Staaten ihre Topbewertung verloren.

Nach der Beinahe-Apokalypse im Gefolge der Finanzkrise kommt die größte Volkswirtschaft der Welt einfach nicht in die Hufe. Im zweiten Quartal legte sie aufs Jahr gerechnet gerade einmal um schlappe 1,3 Prozent zu. Noch schlimmer der revidierte Wert für die ersten drei Monate: Ein hauchdünnes Plus von 0,4 Prozent lässt allmählich Befürchtungen wachsen, dass die US-Konjunktur zwei Jahre nach dem Ende der großen Rezession abermals abschmieren könnte. Der jüngste Bericht vom Jobmarkt gab etwas Hoffnung, doch liegt die Arbeitslosenquote weiter hartnäckig über neun Prozent.

Selbst Ende 2012 sehen die Experten des Investmenthauses Goldman Sachs den Anteil arbeitsloser Amerikaner noch in etwa dort. Deshalb und weil eine Verschlimmerung der Finanzkrise in Europa die globale Konjunktur beschädigten könnte, taxiert Goldman Sachs die Chance einer neuerlichen US-Rezession nun auf um die 30 Prozent.

Kommentare (27)

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Account gelöscht!

09.08.2011, 18:20 Uhr

so ein Augenwischer-Artikel wieder. Der größte Schuldner der Welt sind nun mal die USA und ohne die USA läuft in der Finanzwelt nichts!

Ist mir sowieso langsam alles egal. Ich möchte nicht wissen, wer da im Hintergrund eigentlich die Anleihen der USA und ander Nationalstaaten aufkauft. Ein Witz, dass der Dow heute wieder im Plus ist! Da kaufen bestimmt nur noch die ZBs und Leute wie daytrader zu!

daytrader ist bestimmt schon im Dax long bei 8000. :D

KeinProblem

09.08.2011, 18:29 Uhr

So, so. Die Schulden sind also kein Problem, sondern das Wachstum. Das Problem ist dabei, dass dieser Artikel gänzlich übersieht, dass die Staatsschulden der USA jedoch nicht "investiert" sondern "konsumiert" wurden.

Soll heißen, aus den in den letzten Jahren aufgehäuften Schulden wird nichts produktives entstehen.

Schulden und Wachstum hängen in diesem Sinne zusammen. Aus welchen Quellen sollen die USA bitteschön Wachstum generieren? Aus dem Export von Agrarprodukten oder dem Import von chinesischen Mobiltelefonen? Welche Schlüsselindustrien (die die USA einst groß gemacht haben) hat das Land denn noch zu bieten, wenn der 70% Konsum aufgrund klammer Privathaushalte nicht anspringen kann und wird?

Die Schulden sind also sehr wohl ein Problem, weil eben auf absehbare Zeit nicht mit einem Wachstumsschub zu rechnen ist.

Aber - Sie haben natürlich (wie immer) Recht - heute Nachmittag um 14.15h wird sich Bernanke trefflich bereit erklären mittels mehr Schulden aus QE3 die USA vor dem Schuldenkollaps zu "retten"...

Raub

09.08.2011, 18:35 Uhr

Amerikas Staatsanleihen werden fast nur noch von dem FED Privatbankster Kartell gekauft.
Denen gehört eh schon das ganze Gold der Bevölkerung und wahrscheinlich schon 2/2 des ganzen Landes......
Umverteilung ( Raub ) von der Bevölkerung hin zu den reichsten Familien der Erde nenne ich das.....

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