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14.02.2014

09:43 Uhr

Symbolik

Was Chinesen in der deutschen Flagge sehen

VonFinn Mayer-Kuckuk

Was haben die Farben Schwarz, Rot und Gelb mit der Verhaftung von Prostituierten zu tun? Für Chinas Netzbürger eine ganze Menge. Denn die Chinesen legen viel Wert auf die Symbolik von Farben.

Die Chinesen lieben die Symbolik von Farben. Doch was sich für sie hinter der deutschen Flagge versteckt, ist nicht so schmeichelhaft. Reuters

Die Chinesen lieben die Symbolik von Farben. Doch was sich für sie hinter der deutschen Flagge versteckt, ist nicht so schmeichelhaft.

PekingIn den Industriestädten Südchinas hat die Polizei in den vergangenen Tagen in mehreren Razzien über hundert Prostituierte und Zuhälter verhaftet. Im chinesischen Internet ist daraufhin eine riesige Diskussion ausgebrochen, ob der „harte Schlag” nicht die Falschen trifft – während sich oben die Beamten bereichern, müssen unten die schwächsten Schichten der Gesellschaft leiden.

Gestern ist im chinesischen Web nun plötzlich der Vergleich mit der deutschen Fahne aufgetaucht. Er beruht auf dem chinesischen Verständnis der Symbolik von Farben. Schwarz steht für die angeblich korrupten Mächtigen aus der kommunistischen Partei ganz oben in der Hierarchie – mit ihren rabenschwarzen Herzen. Darunter muss die Mittelklasse rot bluten und schuften. Ganz unten kommen die Sex-Arbeiter, denen in China traditionell die Farbe Gelb zugeordnet ist.

Weit hergeholt? Ja. Aber Chinesen lieben solche Denkspiele. Vermutlich dauert es nur eine Woche, dann denkt jeder beim Anblick der deutschen Farben nur noch an die drei Klassen: Beamte, Normalbürger, Huren. Die olympischen Spiele in Sotschi dürften reichlich Anlass dafür geben.

Der Hinweis, dass die untere Farbe der deutschen Fahne in Wirklichkeit Gold sei, nützt da wenig. Auch ältere Interpretationen der drei Farben sehen den Streifen schlicht als Gelb. Diese Quelle nennt Deutschland ein Land von Eisen (schwarz), Blut (rot) und Erde (gelb). Echte Heraldiker dürften sich da schon ziemlich wundern.

Was die Debatte in China aber vor allem zeigt, ist die Solidarität einer Mehrheit der Chinesen mit den verhafteten Sex-Arbeitern. Da Prostitution in China verboten ist, zugleich aber boomt, gehören sie zu den Bevölkerungsgruppen mit den wenigsten Rechten.

Anmerkung der Redaktion: Die chinesische Internet-Zensur hat einen Teil der Hinweise auf die deutsche Flagge inzwischen blockieren und löschen lassen. Vermutlich hat ihr die Assoziation von Beamten mit schwarzer Korruption missfallen.

Kommentare (5)

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Ivan

14.02.2014, 10:19 Uhr

In der DDR gab es vor 60 Jahren schon die Farbenlehre: Schwarz die Vergangenheit, rot die Gegenwart und gold(en) die Zukunft. Es scheint so, als ob wir uns wieder in diesem Farbenspiel befinden, nur das mit der goldenen Zukunft schein nie zu klappen.

Fob

14.02.2014, 10:19 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

inquisitor

14.02.2014, 10:23 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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