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13.12.2016

15:34 Uhr

Syrer im umkämpften Aleppo

„Wir haben Gott um Gnade angefleht“

In Aleppos Rebellengebieten harren noch immer Zehntausende aus, die mit dem Schlimmsten rechnen. Ihre Hoffnung auf Rettung schwindet mehr und mehr. Manche Botschaften klingen nach einem Abschied von dieser Welt.

Nahe des Viertels Bustan al-Qasr flüchten die Menschen im Regen vor den Kämpfen. AFP; Files; Francois Guillot

Syrer auf der Flucht

Nahe des Viertels Bustan al-Qasr flüchten die Menschen im Regen vor den Kämpfen.

Gaziantep, AleppoGeschlafen hat Umm Mohammed in der vergangenen Nacht nicht, keine einzige Minute. Eingehüllt in dicken Decken sitzt sie von morgens bis abends auf einer Matratze vor dem Fernseher und verfolgt die Nachrichten über Aleppo. Sie hofft, dass es für ihren Sohn Mohammed vielleicht doch noch eine Rettung gibt.

Draußen ist das Thermometer in der türkischen Stadt Gaziantep so tief gesunken, dass Schneeregen fällt, die Kälte dringt durch die dünnen Fenster und Wände der unbeheizten Wohnung. Als wäre die Lage für die in die Türkei geflohene Umm Mohammed nicht schon schlimm genug.

Ihr Sohn gehört zu den Zehntausenden Syrern, die in den letzten verbliebenen Rebellengebieten der umkämpften Stadt Aleppo eingeschlossen sind. „Ich bete zu Gott, dass alle gerettet werden“, sagt Umm Mohammed. „Jede einzelne Minute habe ich Angst, dass er getötet werden könnte.“ Sie kann nicht weitersprechen. Tränen rollen über ihre Wangen, die sie mit einem Taschentuch wegwischt.

Das Schicksal hat die Familie hart getroffen. Ein anderer Sohn der 50-Jährigen starb 2014 in Ost-Aleppo durch einen Luftangriff, da war er 19. Ihr Mann sitzt in seinem Heimatdorf in Nordsyrien fest, das von Kurden kontrolliert wird. Und eine Tochter floh aus Aleppos Rebellenvierteln in Regierungsgebiete, nachdem die Armee vorrückte.

Warum Aleppo im Krieg so wichtig ist

Symbolwirkung

Aleppo hat sich zum Symbol für den verheerenden Konflikt entwickelt. Die Stadt war nahezu seit Beginn der Kämpfe zwischen Regime und Rebellengruppen geteilt und ist das am schwersten umkämpfte Schlachtfeld in dem Krieg. Wer hier siegt, hat auch einen immensen psychologischen Vorteil.

Letzte Hoffnung für Rebellen

Aleppo ist die letzte Großstadt, in der Aufständische noch Gebiete kontrollieren. Damaskus und Homs sind fest in der Hand der Truppen von Syriens Präsident Baschar al-Assad. Den Rebellen blieben ohne die ehemals größte Stadt des Landes nur noch einige eher ländliche Gebiete wie die Provinz Idlib.

Strategisch wichtig

Nicht zu unterschätzen ist der militärische Spielraum, den die syrische Armee bei einer Eroberung gewinnen würde. Die Schlacht um die ehemalige Handelsmetropole bindet viele Kräfte. Diese könnten sich dann auf andere Rebellengebiete des Landes konzentrieren und das Ende des Bürgerkrieges erzwingen.

Einfluss Russlands

An der Entwicklung in der nordsyrischen Stadt lässt sich der Einfluss Russlands seit seinem Kriegseintritt vor mehr als einem Jahr sowie der des Irans ablesen. Ohne diese beiden Verbündeten wäre das geschwächte Regime nicht in der Lage gewesen, die Rebellen so in die Defensive zu drängen.

Verfehlte Politik des Westens

An Aleppo zeigt sich die Schwäche und die verfehlte Politik des Westens, allen voran der USA und seiner Verbündeten. Sie ließen ein Machtvakuum im Bürgerkrieg entstehen, in das Moskau zugunsten der syrischen Regierung vorstieß - und gucken nun ohnmächtig der zivilen Katastrophe zu.

Verhandlungsbasis

Die Eroberung Aleppos würde dem Regime eine starke Verhandlungsbasis für künftige Friedensgespräche geben – falls Assad diese angesichts seines Siegeszuges überhaupt für nötig halten sollte.

Die Nachrichten aus Ost-Aleppo werden immer dramatischer. Wohl Zehntausende sind in nur noch wenigen Vierteln eingeschlossen, schutzlos Kämpfen und Bombardierung ausgesetzt. Wochenlange heftige Luftangriffe haben große Teile des Gebiets zerstört. Mehr als 460 Zivilisten sind seit Mitte November durch Angriffe der Regierung getötet worden. Trinkwasser, Lebensmittel und medizinische Versorgung werden immer knapper, weil Ost-Aleppo blockiert wird.

Fotos von Aktivisten zeigen Menschen, die auf der Suche nach Schutz vor der Gewalt durch die Straßen irren. „Der Regen macht alles noch schwieriger“, berichtet Wissam Sarka, ein Englischlehrer aus Aleppo, in einer Audionachricht. Ein anderer Aktivist schreibt, das Gebäude nebenan sei von einem Luftangriff getroffen worden. Tote lägen unter den Trümmern. Es gebe niemanden mehr, der sie bergen könnte.

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

13.12.2016, 15:43 Uhr

Die Syrer sollen ihr Land wieder aufbauen. Jetzt wo die US Rebellen aus Syrien und Aleppo durch die Russen und den Präsident von Syrien vertrieben worden sind, kann der Wiederaufbau beginnen.
Auch unsere Vorfahren haben in Schutt und Asche das Deutsche Land UNSERE HEIMAT wieder aufgebaut. Bei Kälte, Hunger und Erschöpfung!
Was ist das Syrische Volk nur für ein Weichei Volk!
Sitzen hier in Deutschland rum und schmarotzen von unserer Sozialhilfe ein Leben im Paradies anstatt ihre Heimat jetzt wieder aufzubauen und stolz auf Syrien -ihre Heimat- zu sein.
Mann oh Mann!!!!

Herr Otto Berger

13.12.2016, 16:10 Uhr

Die Rettung der Dschihadisten und Söldner naht :
Das US-Repräsentantenhaus hat in der vergangenen Woche ein Gesetz abgeändert, das der kommenden Trump-Regierung die Befugnis erteilt, Flugabwehr-Waffen (MANPADS) an syrische Söldnergruppen zu senden
US-Senator John McCain fordert schon seit einer längeren Zeit MANPADS für die Söldner in Syrien, damit diese imstande sind, russische und syrische Kampfjets abzuschießen. 
Die Syrien-Politik von US-Präsident Donald Trump ist noch nicht klar !! 

Anno Nymicus

13.12.2016, 16:15 Uhr

"Die Syrer sollen ihr Land wieder aufbauen. Jetzt wo die US Rebellen aus Syrien und Aleppo durch die Russen und den Präsident von Syrien vertrieben worden sind, kann der Wiederaufbau beginnen."
Grundsätzlich erst mal richtig.
Das Problem: "Die Amerikaner" / "der Westen" hat das Volk gegen Assad aufgestachelt - und viele werden jetzt keine Lust haben, unter seiner Herrschaft Wiederaufbau zu betreiben.
Um Committment bem Wiederaufbau zu erreichen, wird dem Assad wohl noch irgendetwas einfallen müssen. Vielleicht ein eigenständiges Protektorat mit Freihandelszone für 99Jahre, und einer an den Schweizer Franken gekoppelte Währung etc. pp. Vielleicht noch mit Korridor nach Lakatia, und dort einen dazugehörigen Freihafen.
Wenn dort die harte Währung rollt, kommen die Menschen gerne.
Sogar aus dem Ausland.
Denn verglichen mit den anderen Herrschern mit ihren religiösen Spinnereien - Böhmermann's Freund im Norden eingeschlossen - ist mir der Assad noch mit Abstand am liebsten.
Und überhaupt: wo hat dieser "arabische Frühling" denn nun tatsächlich Vorteile für die Bevölkerung geschaffen?
(Also, ich meine jetzt die eigene, im Land verbliebene Bevölkerung - und nicht all jene, welche sich seither von der zum Taxi umfunktionierten europäischen Küstenwache nach Europa haben transportieren lassen ...)

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