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18.08.2015

16:13 Uhr

Syrer in der Türkei

Erst Flüchtling, dann Unternehmer

VonOzan Demircan

Vier Millionen Syrer sind in seit 2011 in die Türkei geflohen. Viele haben dort eigene Unternehmen gegründet und Millionen investiert. Inzwischen fürchten türkische Firmen die neue Konkurrenz bereits.

Der syrische Chefkoch Wareef Hameedo floh aus seinem Heimatland. Und fing in seiner neuen Heimat wieder von vorne an. Reuters

Vom Flüchtling zum Unternehmer

Der syrische Chefkoch Wareef Hameedo floh aus seinem Heimatland. Und fing in seiner neuen Heimat wieder von vorne an.

IstanbulWie wertvoll Flüchtlinge für eine Volkswirtschaft sein können, zeigt das Beispiel Türkei. Vier Millionen Syrer sind in seit 2011 vor dem Bürgerkrieg im eigenen Land über die Grenze geflohen. Für die türkische Wirtschaft war das ein Segen. In den vergangenen zweieinhalb Jahren haben Syrer insgesamt 2500 Unternehmen gegründet, gab der türkische Industrie- und Wirtschaftsverband TOBB am Montag bekannt. Zu diesem Zweck haben Syrer alleine in den vergangenen 18 Monaten 300 Millionen Türkische Lira investiert, umgerechnet etwa 100 Millionen Euro.

Nach Angaben des Innenministeriums in Ankara leben derzeit knapp 1,9 Millionen syrische Flüchtlinge in der Türkei, viele von ihnen Akademiker und Unternehmer. Insgesamt sind knapp vier Millionen wegen des Bürgerkriegs seit 2011 aus ihrer Heimat geflohen. Bezogen auf die Türkei, leben elf Prozent in Flüchtlingslagern, der Rest in Großstädten wie Istanbul oder Gaziantep, gab die Hilfsorganisation Roter Halbmond im Juli bekannt.

Einer davon ist Muhammed Shreem aus Aleppo. Seine Familie hatte dort eine Firma für Importe und Exporte verschiedener Waren, erzählt der 43-jährige Familienvater. „Vor zwei Jahren haben wir das Unternehmen in der Türkei neu gegründet.“

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Das türkische Innenministerium hat zwar zuletzt davor gewarnt, dass der nicht abreißende Flüchtlingsstrom aus dem Nachbarland eine Gefahr für die nationale Sicherheit darstellen könne. Zu dem Zweck wurde laut der Tageszeitung „Hürriyet“ zufolge extra eine Einheit geschaffen, die mögliche Mitglieder illegaler syrischer Organisationen ausfindig machen soll. Auf der anderen Seite sieht die Regierung aber auch, dass die Menschen, die sich Tag für Tag über die Grenze schleppen oder auf Schlauchbooten an Ägäis und Riviera stranden, dem Land helfen können. Sogar türkische Autoplaketten gibt es für diejenigen, die auf vier Rädern angekommen sind.

Die meisten Gründungen gab es laut TOBB im Bausektor mit rund 371 neuen Unternehmen, gefolgt von Einzelhandelsgeschäften und Restaurants. Aber auch in der Logistik finden sich zahlreiche Unternehmen, die von Syrern gegründet worden sind.

Der TOBB vertritt 1,2 Millionen türkische Unternehmen. Nicht alle von ihnen sind mit dem Gründergeist der syrischen Gäste zufrieden. Manche befürchten, sie könnten den ohnehin stagnierenden Arbeitsmarkt und die Löhne durcheinander bringen. Syrische Flüchtlinge sollten daher dringend die Arbeitsregeln des Landes beachten, mahnte der Vertreter eines regionalen Wirtschaftsverbands vor kurzem. Zusätzliche Arbeitsvisa werde das Land nicht erteilen, erklärte Arbeitsminister Faruk Celik Anfang August.

Kommentare (1)

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Herr Peter Spiegel

18.08.2015, 19:09 Uhr

Erst Flüchtling, dann Unternehmer"
Eine neue Kneipe, nur möglich mit dem hier gezeigtem Facharbeiter. Ein Glück das es die System-Presse gibt und mich bestens und systemfreundlich informiert.

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