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27.03.2013

01:37 Uhr

Syrien

Arabische Liga will Rebellen bewaffnen

Bisher hat der Vorsitzende der syrischen Opposition auf den Westen gesetzt. Beim Gipfeltreffen der Arabischen Liga schien der Wind zu drehen. Sie sprach der syrischen Opposition nicht nur den UN-Sitz Syriens zu.

Die Flagge der syrischen Opposition beim Treffen der Arabischen Liga. ap

Die Flagge der syrischen Opposition beim Treffen der Arabischen Liga.

DohaDie Arabische Liga hat bei ihrem Gipfeltreffen in Doha das Recht ihrer Mitgliedsländer auf Waffenlieferungen an die syrischen Aufständischen betont. Die syrische Opposition reklamierte ihrerseits am Dienstag den Sitz Syriens in der Uno für sich und bat die Nato um Unterstützung bei ihrem Kampf gegen die Regierung. Unterdessen gab es bei Angriffen und einem Selbstmordanschlag in der syrischen Hauptstadt Damaskus erneut mehrere Tote.

Jedes Mitgliedsland des Staatenbundes habe das "Recht, alle Mittel der Selbstverteidigung, auch militärische, zu liefern, um den Widerstand des syrischen Volkes und die Freie Syrische Armee zu unterstützen", hieß es in der Abschlusserklärung des Gipfels. Darin wurde gleichwohl die "Priorität" einer politischen Lösung für Syrien festgeschrieben. Auch der Chef der Arabischen Liga, Nabil al-Arabi, sagte anschließend auf einer Pressekonferenz, eine militärische Unterstützung bedeute keine Absage an eine politische Lösung.

Zwei Jahre blutiger Kampf um die Macht

15. März 2011:

Erste Protestdemonstration in der syrischen Hauptstadt Damaskus gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad.

18. März:

Tausende demonstrieren gegen Assad, es gibt Tote. Am 22. April gehen 100 000 auf die Straße, mindestens 112 sterben.

23. Juni:

Nach Einschlägen syrischer Granaten auf türkischem Gebiet schießt Syrien nahe der Stadt Latakia einen türkischen Militärjet ab. Ankara stationiert daraufhin Raketenabwehrsysteme an der Grenze.

31. Juli:

Das Regime erobert die Widerstandshochburg Hama. Laut Opposition sterben mindestens 100 Menschen.

3. August:

Der UN-Sicherheitsrat einigt sich auf eine „Präsidentielle Erklärung“ zur Verurteilung des Regimes in Damaskus. Eine gewichtigere Resolution scheitert am Veto Russlands und Chinas. Beide Länder blockieren in den folgenden Monaten zwei weitere Resolutionen.

2. Oktober:

Die syrische Opposition bildet einen Nationalrat.

22. Dezember:

Erste Beobachter der Arabischen Liga treffen in Syrien ein. Vier Wochen später wird ihr Einsatz wegen der Gewalt beendet.

23. Dezember:

In Damaskus sterben bei den ersten Selbstmordanschlägen im Bürgerkrieg mindestens 44 Menschen, mehr als 160 werden verletzt.

4. Februar 2012:

Aus der Protesthochburg Homs wird das schlimmste Blutbad seit Beginn der Proteste gemeldet. Hunderte Menschen sterben.

13. Februar:

Das Regime weist den Vorschlag der Arabischen Liga zurück, UN-Friedenstruppen nach Syrien zu schicken. Kurz darauf nennt Assad den 26. Februar als Termin für ein Verfassungsreferendum. Die Verfassung tritt am 28. Februar in Kraft.

25. Februar:

In Tunis gründen mehr als 60 Staaten die „Freundesgruppe“ für ein demokratisches Syrien.

27. März: Syrien akzeptiert den Friedensplan des Sondergesandten Kofi Annan, der eine von den UN beobachtete Waffenruhe vorsieht.

25. Mai:

Bei einem Massaker im Ort Al-Hula kommen mehr als 100 Zivilisten ums Leben.

13. Juli:

Nach Angaben der Opposition sollen bei einem Massaker nahe Hama bis zu 250 Menschen von Regierungstruppen getötet worden sein.

18. Juli:

Bei einem Bombenanschlag der Rebellen auf den nationalen Krisenstab kommen mehrere Mitglieder der syrischen Führung ums Leben - darunter der Verteidigungsminister und Assads Schwager.

2. August:

UN-Vermittler Annan gibt auf. Es werden neue Massaker an syrischen Zivilisten gemeldet.

16. August:

Wegen der ausufernden Gewalt wird die UN-Beobachtermission beendet.

24. Oktober:

Der algerische Diplomat Lakhdar Brahimi als neuer UN-Vermittler erklärt, beide Seiten seien zu einer Feuerpause bereit. Die auf vier Tage angelegte Waffenruhe hält keine drei Stunden.

11. November:

Regimegegner bilden die „Nationale Koalition“ und wählen den Prediger Ahmed Muas Al-Chatib zum Vorsitzenden. Zuvor gab der Syrische Nationalrat Ansprüche auf eine Vormachtstellung auf.

6. Januar 2013:

Assad will mit einer nationalen Mobilmachung seinen Sturz verhindern. Er verspricht in seiner ersten öffentlichen Rede seit sieben Monaten Reformen, eine neue Verfassung und Regierung. Eine politische Lösung mit bewaffneten Rebellen schließt er aus.

28. Januar:

Die Nato schützt die Türkei mit „Patriot“- Raketenabwehrstaffeln vor Angriffen aus Syrien. Zur Durchsetzung einer Flugverbotszone über Syrien dürfen sie nicht eingesetzt werden.

21. Februar:

In Damaskus kommen bei einem Bombenanschlag nahe der Zentrale von Assads Baath-Partei mindestens 53 Menschen ums Leben. Das Hauptquartier des Militärs wird mit Granaten beschossen.

28. Februar:

Die Staaten der „Freundesgruppe“ wollen Syriens Opposition politisch und finanziell helfen, aber keine Waffen liefern.

3. März:

Assad lehnt einen Gang ins Exil weiterhin ab. Im Interview mit der britischen Zeitung „Sunday Times“ zeigt er Bereitschaft zu Gesprächen mit der Opposition. Voraussetzung sei aber, dass Militante ihre Waffen niederlegten.

5. März:

Syrische Rebellen melden die Einnahme der Stadt Al-Rakka. Für die von den Rebellen kontrollierten Gebiete in der Provinz Aleppo lassen Oppositionsparteien erstmals lokale Vertretungen wählen.

9. März:

Nach drei Tagen in der Hand syrischer Rebellen sind 21 Blauhelm-Soldaten wieder auf freiem Fuß.

In der Resolution wurde der syrischen Opposition ferner offiziell der seit 2011 vakante Sitz Syriens "bis zur Organisation von Neuwahlen und der Bildung einer neuen Regierung" zugesprochen. Die Nationale Koalition sei die "einzige und legitime Vertretung des syrischen Volkes sowie der Hauptgesprächspartner der Arabischen Liga".

Die syrische Opposition war erstmals als Vertreterin des Landes zu dem Gipfel in der katarischen Hauptstadt eingeladen worden. Der Irak und Algerien äußerten Bedenken gegenüber dem Teil der Resolution zu Syrien, der Libanon distanzierte sich gar von dem Text.

Syrien: Oppositionschef Al-Chatib tritt zurück

Syrien

Oppositionschef Al-Chatib tritt zurück

Der syrische Oppositionschef Moas al-Chatib ist zurückgetreten.

Ahmed Moas al-Chatib, der jüngst seinen Rücktritt als Chef der Nationalen Koalition angekündigt hatte, forderte befreundete Länder auf, der Opposition zu helfen, die Sitze Syriens bei der Uno und anderen Organisationen zu erhalten. Er warf der internationalen Gemeinschaft aber auch vor, den Kämpfen in Syrien tatenlos zuzusehen.

Von der Nato verlangte al-Chatib, nach der Installierung von Raketenabwehrsystemen in der Türkei diese auch im Norden Syriens aufzustellen. Er habe US-Außenminister John Kerry darum gebeten und dieser habe zugesagt, dies zu prüfen. „Doch dann ist nichts passiert“, sagte Al-Chatib enttäuscht.

Chronologie – der Konflikt zwischen Türkei und Syrien

6. Juni 2011

Der Flüchtlingsstrom aus Syrien in die Türkei setzt ein. Ankaras Regierungschef Recep Tayyip Erdogan verspricht den Flüchtlingen eine offene Grenze. Zehn Tage später sind bereits fast 10 000 Syrer in türkischen Lagern.

12. November

Anhänger von Machthaber Baschar al-Assad attackieren die türkische Botschaft in Damaskus.

16. März 2012

Die Türkei ruft ihre Bürger auf, Syrien wegen der Gewalt zu verlassen. Am 26. März schließt Ankara die Botschaft in Damaskus.

9. April

Syrische Truppen feuern über die Grenze hinweg auf das Flüchtlingslager Kilis. Zwei Syrer und zwei Türken werden verletzt. Ankara verstärkt die Truppen an der Grenze und warnt vor weiteren Angriffen. In türkischen Lagern leben rund 25 000 Syrer.

30. Mai

Als Reaktion auf das Massaker an Zivilisten im syrischen Al-Hula weist die Türkei alle syrischen Diplomaten aus Ankara aus.

22. Juni

Syrien schießt vor der Küste einen türkischen Militärjet ab. Beide Piloten sterben. Das Flugzeug war nach syrischen Angaben in den Luftraum des Landes eingedrungen.

26. Juni

Der türkische Ministerpräsident Erdogan sagt in einer vom Fernsehen übertragene Ansprache: „Bis sich das syrische Volk von diesem Diktator (Baschar al-Assad) mit blutbefleckten Händen befreit hat, wird die Türkei ihm (dem Volk) jede Art von Unterstützung zuteilwerden lassen.“

28. Juni

Ankara stationiert Raketenabwehrsysteme und Militärfahrzeuge an der Grenze.

6. Juni 201130. Juni

Die türkische Armee lässt Kampfjets gegen syrische Hubschrauber aufsteigen, die sich der Grenze näherten.

20. August

Wegen der schnell steigenden Zahl syrischer Flüchtlinge fordert die Türkei Schutzzonen auf syrischem Boden. Die türkischen Lager könnten nicht mehr als 100 000 Menschen aufnehmen. 70 000 sind bereits in die Türkei geflüchtet, tausende warten tagelang auf der syrischen Seite der Grenze auf die Einreise in die Türkei.

18. September

Bei Kämpfen syrischer Regierungstruppen mit Rebellen werden in dem türkischen Grenzdorf Akcakale mehrere Menschen durch Schüsse aus Syrien verletzt.

3. Oktober

In Akcakale schlagen mindestens drei aus Syrien abgefeuerte Granaten ein. Eine Mutter und ihre vier Kinder sterben. Wenig später greift die türkische Armee erstmals Ziele im Nachbarland an. In den folgenden Tagen schlagen im Grenzgebiet immer wieder Granaten aus Syrien ein, die Türkei feuert zurück.

4. Oktober

Das Parlament in Ankara erlaubt der Regierung für ein Jahr Einsätze auch über die Grenze hinweg. Die Türkei habe aber kein Interesse an einem Krieg mit Syrien, heißt es.

10. Oktober

Die türkische Luftwaffe zwingt ein syrisches Passagierflugzeug zur Landung in Ankara. Die Maschine war auf dem Weg von Moskau nach Damaskus. Es seien Teile von Raketensystemen und Kommunikationsausrüstung an Bord gefunden worden.

An dem Patriot-Einsatz in der Türkei beteiligt sich auch die Bundeswehr. Allerdings hat das Militärbündnis mehrfach betont, der Einsatz diene einzig und allein dem Schutz des Nato-Mitglieds Türkei. Auch ein Sprecher des Weißen Hauses in Washington teilte mit, die Nato beabsichtige derzeit nicht, militärisch in Syrien einzugreifen.

Kommentare (6)

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Rechner

27.03.2013, 02:47 Uhr

Die arabische Liga ist eine Organisation des arabischen Imperialismus.

Die Lieferungen von Waffen und Terroristen aus seinen Mitgliedsstaaten haben zu der jetzigen Situation in Syrien geführt.

Neu ist nur, daß diese Organisation ihre terroristischen Aktivitäten unverhohlen betreibt und auf ihre Humanitätsheuchlelei verzichtet.

taurus

27.03.2013, 03:07 Uhr

was ist das denn für eine meinung ???

wohl vergessen was assad seinem volk angetan hat oder ??

alles fing an damit das ein paar kinder regime feindliche sätze auf wänden schmierten
und assad hat diese kinder zu tode foltern lassen

ein volk darf sich nicht alles gefallen lassen zumal sie von einer minderheit unterdrückt werden.
das ist die jetztige situation .
und ich denke das die freiheit es wert ist opfer zu bringen. wenn die alawiten so weiter machen werden sie später aus syrien rausgeschmissen und vielleicht zu recht!!!

Account gelöscht!

27.03.2013, 06:24 Uhr

Was für ein Schmierentheater.

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