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10.06.2011

16:44 Uhr

Syrien

Armee dringt in Grenzstadt zur Türkei ein

Die syrische Armee ist in eine von Gewalt erschütterte Grenzstadt zur Türkei eingerückt. Das staatliche Fernsehen berichtet, Truppen seien den Rufen der Bevölkerung zum Kampf gegen bewaffnete Banden gefolgt.

Bilder des TV-Senders Al Arabiya zeigen die Gewalt syrischer Soldaten. Quelle: dpa

Bilder des TV-Senders Al Arabiya zeigen die Gewalt syrischer Soldaten.

Amman/BeirutDie syrische Armee ist nach offiziellen Angaben in eine von Gewalt erschütterte Grenzstadt zur Türkei eingerückt. Das staatliche Fernsehen berichte am Freitag unter Berufung auf seinen Korrespondenten, die Truppen seien den Rufen der Bevölkerung von Dschisr al Schughur zum Kampf gegen bewaffnete Banden gefolgt. Menschenrechtler sprachen dagegen von einem weiteren Schlag des Militärs gegen den Volksaufstand gegen Präsident Baschar al-Assad, bei dem seit März der UN zufolge mehr als 1100 Menschen getötet wurden. Unterdessen berichten Zeugen, die Armee habe das Feuer auf Demonstranten in Deraa und in Busra al-Harir eröffnet. Mindestens zwei Menschen seien getötet worden.

Die syrische Regierung hatte in den vergangenen Tagen mindestens 15.000 Soldaten vor Dschisr al-Schughur in Stellung gebracht. Bewohnern zufolge waren darunter etwa 40 Panzer und Mannschaftswagen. Rund 3000 Menschen sind vor den Soldaten in die Türkei geflohen. Ihren Angaben zufolge ist die Stadt von 50.000 Einwohnern inzwischen fast leer. „Die Menschen werden nicht dableiben und sich wie Lämmer abschlachten lassen“, sagte ein Flüchtling. Bewohner und Bürgerrechtler haben erklärt, die Gewalt in Dschisr al-Schughur sei nach einer Meuterei der Sicherheitskräfte ausgebrochen. Die Regierung macht bewaffnete Banden verantwortlich.

Die Angaben waren von unabhängiger Seite nicht zu überprüfen. Syrien unterbindet die Berichterstattung ausländischer Journalisten. Die Türkei verweigert ihrerseits den Medien den Zugang zu den Flüchtlingslagern. Aus der Ferne waren Reihen von weißen Zelten und dazwischen spielende Kinder zu sehen. Der türkische Rote Halbmond kündigte an, weitere Lager aufzubauen.

Die Zeitung „Hürriyet“ berichtete, im türkischen Außenministerium werde die Einrichtung einer Pufferzone erwogen, sollten Hunderttausende Syrier fliehen. Ein Sprecher des Ministeriums war zunächst nicht zu erreichen. Ministerpräsident Tayyip Erdogan hatte am Donnerstag erklärt, sein Land werde Flüchtlinge weiterhin aufnehmen. Auch aus anderen Teilen Syriens wurde neue Gewalt gemeldet. Drei Augenzeugen zufolge eröffneten Sicherheitskräfte in Deraa das Feuer auf Tausende Demonstranten. Mindestens acht Menschen seien verletzt und von Jugendlichen in ein improvisiertes Lazarett gebracht worden. Einwohner in dem Dorf Busra al-Harir erklärten, dort seien zwei Demonstranten erschossen worden. Die Sicherheitskräfte hätten aus dem Auto heraus gefeuert, hieß es.

Die Demonstrationen in Syrien gehört zu einer Welle von Volksaufständen, die mehrere arabische Staaten erschüttert haben. Nach den Freitagsgebeten kommt es in der Region oft zu besonders heftigen Protesten.

Von

rtr

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