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10.08.2011

15:53 Uhr

Syrien

Armee zieht zahlreiche Soldaten aus Hama ab

Viele Soldaten der syrischen Armee haben die Stadt Hama verlassen. Während ihrer Belagerung sollen sie dort zahlreiche Menschen getötet haben. Inzwischen hat die Gewalt in anderen Städten zugenommen.

Eine leere Straße im belagerten Hama. Die syrische Armee hat inzwischen zahlreiche Soldaten aus der Stadt abgezogen. Quelle: dapd

Eine leere Straße im belagerten Hama. Die syrische Armee hat inzwischen zahlreiche Soldaten aus der Stadt abgezogen.

HamaZehn Tage nach ihrem Einmarsch in Hama hat die syrische Armee am Mittwoch zahlreiche Soldaten aus der Stadt im Zentrum des Landes abgezogen. Sie verließen Hama mit etwa vierzig Militärfahrzeugen, wie eine Korrespondentin der Nachrichtenagentur AFP berichtete, die an einer von der Regierung organisierten Pressereise in die Stadt teilnahm. In mehreren Städten des Landes setzte die Armee ihre Offensiven jedoch fort.

„Mit unserer Seele und unserem Blut opfern wir uns für dich“, riefen viele Soldaten zu Ehren von Staatschef Baschar el Assad bei ihrer Abfahrt aus Hama und erhoben die Zeige- und Mittelfinger zum Siegeszeichen. Nach Massenprotesten war die Armee am 31. Juli in die Stadt einmarschiert und tötete allein an dem Tag laut Menschenrechtsaktivisten etwa hundert Zivilisten. Dutzende weitere Menschen starben demnach während der Belagerung Hamas. Sicherheitskräfte gehen auch in anderen Städten des Landes seit Monaten gegen regierungskritische Proteste vor. Laut Aktivisten wurden bislang mehr als 2000 Menschen getötet.

In der Stadt Sirmin in der nordwestlichen Region Idleb wurde am Mittwoch nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London bei einer „Großoffensive“ eine Frau getötet. Drei weitere Menschen seien verletzt worden, sagte der Leiter der Organisation, Rami Abdel Rahman. Auch in der östlichen Stadt Deir Essor habe es am Morgen wieder heftige Kämpfe gegeben. Zudem berichtete Rahman von Militäreinsätzen in mehreren Ortschaften in der Nähe der Hauptstadt Damaskus.

Am Dienstag war der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu nach Damaskus gereist, um den Druck auf Assad zu erhöhen. Er forderte ihn nach eigenen Angaben auf, das Blutvergießen in dem Land zu beenden. Die amtliche syrische Nachrichtenagentur Sana zitierte Assad jedoch nach dem Gespräch mit den Worten: „Wir werden bei der Verfolgung terroristischer Gruppen nicht nachgeben.“ Am Mittwoch traf laut Sana eine gemeinsame Delegation aus Indien, Brasilien und Südafrika in Damaskus ein, um weiteren Druck auf Syriens Regierung auszuüben.

Ein Sprecher des Auswärtigen Amts sagte in Berlin, Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) habe noch am Vorabend mit Davutoglu telefoniert, sich über das Gespräch mit Assad informiert und die „Schlüsselrolle“ der Türkei hervorgehoben. Zum weiteren Inhalt des Telefonats wollte sich der Sprecher nicht äußern. Davutoglu habe Assad aber eine „klare Botschaft“ überbracht. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz (CDU), forderte im Radiosender WDR5 schärfere Sanktionen Deutschlands gegen Syrien.

Von

afp

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